Milliardenschwere Übernahme BHP Billiton kauft US-Gasförderer Petrohawk

BHP Billiton hat endlich ein Ziel für seine prall gefüllten Kassen gefunden: Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch des Düngemittelherstellers Potash kauft der weltgrößte Bergbaukonzern nun den Öl- und Gasförderer Petrohawk für rund zwölf Milliarden Dollar.
Ölbohrplattform von BHP Billiton im Golf von Mexiko: Der Konzern zahlt den Petrohawk-Aktionären einen 60-prozentigen Aufschlag

Ölbohrplattform von BHP Billiton im Golf von Mexiko: Der Konzern zahlt den Petrohawk-Aktionären einen 60-prozentigen Aufschlag

Foto: AP/ BHP Billiton

Melbourne - Für rund 12,1 Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) kauft die britisch-australische Gesellschaft BHP Billiton das amerikanische Öl- und Gasunternehmen Petrohawk, wie beide Seiten mitteilten. Der ausgehandelte Preis von 38,75 Dollar je Petrohawk-Aktie liegt 61 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 20 Tage. Erst im März hatte BHP für 4,75 Milliarden Dollar von dem Gasproduzenten Chesapeake Anteile an einem Schiefergasvorkommen gekauft. An der australischen Börse verloren BHP-Aktien rund 2,3 Prozent an Wert.

Mit der Übernahme wird der Konzern aus dem Stand zu einem der größten Förderer von Gas aus sogenannten unkonventionellen Quellen in den USA. Dank einer neuen Fördertechnologie ist es seit einigen Jahren möglich, an dieses Gas heranzukommen. Dabei wird der Energieträger mit einer Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien aus dem Boden gepresst. In den USA ist die Methode auf dem Vormarsch und hat bereits dazu geführt, dass der Gaspreis auf dem Weltmarkt seit längerem unter Druck steht. Bis 2030 soll rund die Hälfte der US-Erdgasförderung aus diesen unkonventionellen Quellen kommen.

Petrohawk verfügt den Angaben zufolge über große Lagerstätten in den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana. Auch die Ölkonzerne ExxonMobil und Chevron  haben sich in den vergangenen Jahren mit milliardenschweren Zukäufen Zugriff auf Quellen gesichert.

BHP-Chef sucht neues Geschäftsfeld

BHP-Chef Marius Kloppers ist nach mehreren gescheiterten Transaktionen in den vergangenen Jahren dringend auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Bislang konzentrierte sich der Konzern vor allem auf die Förderung von Metallrohstoffen und Kohle. Dank hoher Preise läuft das Geschäft dort glänzend, warf allerdings auch die Frage unter Analysten auf, was das Unternehmen mit seinen Milliardengewinnen anfangen will.

Der Versuch einer Fusion des australischen Eisenerzgeschäfts mit dem Konkurrenten Rio Tinto  scheiterte ebenso am Widerstand von Wettbewerbsbehörden wie die im vergangenen Jahr für mehr als 40 Milliarden Dollar angestrebte Übernahme des weltgrößten Düngemittelherstellers Potash  in Kanada. Dagegen war die kanadische Politik Sturm gelaufen. Vielen Experten gilt daher der Ausbau der Gas- und Ölförderung als ein Feld für BHP Billiton , in dem der Riesenkonzern noch nicht an die Grenzen seines Wachstums stößt.

Analysten in Australien lobten Petrohawk als Unternehmen mit vielversprechender Zukunft. Manchem schien der Preis allerdings recht hoch. "Aktionäre werden sich schon fragen, ob es sinnvoll ist, 20 Milliarden Dollar in ein neues Geschäft zu stecken, von dem das Unternehmen bislang wenig Ahnung hat", sagte der australische Minenexperte Gavin Wendt der Nachrichtenagentur Bloomberg.

mg/dpa-afx
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