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VAA-Umfrage: Ranking Chemie- und Pharmafirmen 2011

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VAA-Umfrage "Die Hierarchien werden immer flacher"

Deutlicher Stimmungsumschwung: Die Manager in der chemischen Industrie sind auf ihre Unternehmen wieder besser zu sprechen. Thomas Fischer, Chef des Verbandes angestellter Akademiker, sagt im Gespräch, was der Grund ist -und warum sein Arbeitgeber Bayer vergleichsweise schlecht abschneidet.

mm: Herr Fischer, wie geht es Ihnen?

Fischer: Danke, ich kann nicht klagen.

mm: Tatsächlich? Sie arbeiten schließlich hauptberuflich beim Bayer-Konzern. Die Mitglieder ihres Verbandes haben in der VAA-Umfrage der Unternehmensführung kein sonderlich gutes Zeugnis ausgestellt. Die Benotung liegt unter dem Branchenschnitt. Bayer steht auf dem sechzehnten Platz von 25 Rängen.

Fischer: Das Gesamtergebnis für Bayer  täuscht ein wenig. In einigen Bereichen des Unternehmens herrscht sehr wohl hohe Zufriedenheit. Da wurden Spitzenwerte erreicht. In einem großen Konzern gibt es eben auch ein breites Stimmungsspektrum. Aber es stimmt natürlich: Bayer schneidet nicht so ab, wie es sich Führungskräfte und Konzernleitung wünschen würden.

mm: Geht es etwas genauer, bitte?

Fischer: Die Gesamtnote wird wegen der Gewichtung vor allem durch die personalstarken Bereiche bestimmt. Das sind vor allem der Teilkonzern Pflanzenschutz und die Gesundheitssparte und hier läuft es bekanntlich gerade nicht so toll.

mm: Lanxess  und Symrise  - beides Abspaltungen von Bayer - haben in der Gunst ihrer Mitglieder deutlich zugelegt. Können sich die Topangestellten erst wohl fühlen, wenn sie nicht mehr zur Bayer-Familie gehören?

Fischer: Nein ganz und gar nicht. H.C. Starck, auch eine ehemalige Bayer-Abteilung, rangiert mit der Note 4 auf Platz 23, also ziemlich hinten in unserem Ranking. Lanxess musste durch ein tiefes Krisental gehen, mit Einschnitten beim Personal und beim Einkommen der Führungskräfte. Jetzt profitiert das Unternehmen von der guten Chemiekonjunktur. Da fühlen sich unsere Leute verständlicherweise ganz wohl.

mm: Und Symrise?

Fischer: Das Unternehmen ist bereits zum zweiten Mal in der Rangfolge nach oben gesprungen. Offenbar kommt Vorstandschef Heinz-Jürgen Bertram, der Mitte 2009 an die Spitze kam, gut an. Insbesondere wird wohl honoriert, dass Symrise den Stammsitz in Holzminden gestärkt hat.

mm: Im vergangenen Jahr hat Ihre Umfrage die Unzufriedenheit vieler Führungskräfte über die Sparrunden offenbart. Jetzt gibt es für viele Unternehmen besonders gute Noten in der Kategorie Strategie, also für die große Linie. Sie sehen offenbar, das Sparen hat etwas gebracht. Gibt es diesen Lerneffekt?

Fischer: Wenn Unternehmen gut durch eine Krise kommen, stärkt dies das Vertrauen in die Führung des Unternehmens. Viele unserer Mitglieder haben die Krisenmaßnahmen mitgetragen, länger gearbeitet, auf Gehaltserhöhungen verzichtet. Insofern sind sie jetzt froh, dass ihr Sparbeitrag geholfen hat.

mm: Die Führungskräfte in den Pharmaunternehmen wirken weniger zufrieden.

Fischer: Der Sektor war von der großen Wirtschaftskrise nicht so stark betroffen wie andere Branchen. Hier gibt es zeitversetzt aber geschäftliche Probleme durch die Regulation der Gesundheitssysteme, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen EU-Ländern und den USA stattfindet. In all diesen Ländern verlangen Politiker Opfer von der Pharmaindustrie. Deshalb müssen etwa Bayer oder Boehringer umstrukturieren. Besonders hart sind die Anpassungen offenbar bei Sanofi-Aventis . Das schafft Unruhe unter den leitenden Angestellten - und drückt auf die Stimmung.

mm: Was raten sie den Unternehmen in solchen Fällen?

Fischer: Klar und offen zu kommunizieren, was die Konzernleitung vorhat.

Defizit in der Personalentwicklung

mm: Woran krankt die Personalpolitik in der Chemie- und Pharmabranche aus Sicht ihres Verbandes generell am meisten?

Fischer: Das größte Defizit besteht nach unserer Meinung in der Personalentwicklung, und zwar schon seit etlichen Jahren.

mm: Warum gibt es keinen Fortschritt?

Fischer: Das liegt nicht nur an den Personalchefs. Möglicherweise erwarten wir als Führungskräfte auch zu viel von den Unternehmen. Viele Angestellte haben doch immer noch vor allem den Karrieresprung im Kopf. Doch die Hierarchien werden immer flacher. Deshalb sollte die Personalentwicklung vermehrt auf Elemente wie Fortbildung setzen. So kann der einzelne Mitarbeiter wertvoller für das Unternehmen werden.

mm: Wenn es dann auch mehr Geld gibt, dürfte sich kaum jemand verweigern. Müssen die Gehaltssysteme angepasst werden?

Fischer: Die sind schon ausreichend flexibel. In den meisten Unternehmen gibt es Bandbreiten, die Schwankungen von 15 bis 20 Prozent um einen Mittelwert erlauben. Probleme bereiten eher die Bonussysteme. Die Mitabeiterbewertung ist häufig nicht ausreichend transparent und nachvollziehbar.

mm: Macht sich der allgemeine Aufschwung auf den Gehaltsabrechnungen ihrer Mitglieder bemerkbar?

Fischer: Die Fixeinkommen steigen moderat. Und auch die variablen Bezüge wachsen zumindest im Chemiebereich wieder. Wenn die Konjunktur weiter so gut läuft, könnten wir im nächsten Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

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