Kranbauer Demag Chancen auf Verteidigung sinken

Bisher haben kaum Aktionäre das Übernahmeangebot des Konkurrenten Terex für die Düsseldorfer Demag Cranes angenommen. Die Chancen, aus dem Griff der Amerikaner zu entkommen, stehen trotzdem schlecht.
Von Thomas Katzensteiner
Bieterwettstreit: Demag Cranes befindet sich im Übernahmekampf

Bieterwettstreit: Demag Cranes befindet sich im Übernahmekampf

Foto: DPA

Düsseldorf - Wäre Demag ein ganz normales, börsennotiertes Unternehmen mit einem großen Streubesitz, könnten die Nachrichten der vergangenen Tage durchaus optimistisch stimmen. Gerade mal 0,1 Prozent der Demag-Aktionäre haben bisher das Angebot des US-Konkurrenten Terex angenommen, der seit einigen Tagen offiziell den Düsseldorfer Kranbauer zu übernehmen versucht. Das scheint kläglich - wirklich überraschend ist es nicht. Schließlich liegt das Terex-Angebot immer noch rund drei Euro je Aktie unter dem aktuellen Börsenkurs.

Doch die Chancen, sich dem Griff der Amerikaner zu entziehen, dürften trotz der schlappen Akzeptanz höchst überschaubar sein. Denn bei Demag  ist längst nichts mehr normal. Drei Gründe sprechen derzeit dafür, dass mit Ablauf der Angebotsfrist Ende Juni Demag einen neuen Eigentümer hat. Womöglich sogar dann, wenn die Amerikaner ihr Angebot gar nicht oder nur geringfügig erhöhen.

Erstens ist der konkurrierende Bieter, auf den mancher Demag-Anteilseigner Anfangs noch gesetzt hatte, weit und breit nicht zu sehen. Ursprünglich war spekuliert worden, der finnische Terex-Konkurrent Konecranes, der schon einmal Interesse an Demag hatte, könne mit einem Gegenangebot einen Bieterwettstreit entfachen. Doch die Finnen machen keine erkennbaren Anstalten, ein eigenes Angebot vorzulegen, zumal Konecranes im Falle einer Übernahme wohl erhebliche Probleme mit den Kartellbehörden drohten.

Zweitens befindet sich Demag inzwischen zu rund 50 Prozent im Besitz von Hedgefonds, und da ist der Großaktionär Cevian, der rund 10 Prozent der Demag-Aktien hält, noch nicht einmal mitgerechnet. Cevian hat jetzt zwar die feindliche Übernahme des Düsseldorfer MDax-Konzerns durch seinen US-Konkurrenten Terex ausdrücklich abgelehnt. "Als größter Demag-Aktionär werden wir nur einer freundlichen Transaktion zustimmen", sagte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg der "Financial Times Deutschland". Doch damit bleiben noch immer die Hälfte der Demag-Anteile im Besitz von anderen Hedgefonds, und ein solch hoher Anteil von spekulativen Investoren ist selbst für eine Übernahmeschlacht außergewöhnlich.

Aktienkurse fallen wegen Konjunkturaussichten

Für den Angreifer macht das die Sache aber tendenziell leichter. Denn wenn Mehrzahl der Spekulanten an etwas kein Interesse haben dürfte, dann daran, dass die Übernahme endgültig platzt. Das Risiko, dass der Demag-Kurs auf das Niveau vor Bekanntwerden der Übernahmeabsichten Ende April - etwa 36 Euro - zurückfällt, wäre erheblich.

Möglichweise, und hier kommt Punkt Drei ins Spiel, würde er sogar noch deutlich darunter fallen. Denn die Aktienkurse der wichtigsten Demag-Konkurrenten sind wegen der unsicheren Konjunkturaussichten in den vergangenen Tagen deutlich abgeschmiert. Für die Konecranes-Aktie etwa ging es in den vergangenen vier Wochen um mehr als 12 Prozent nach Unten. Terex verlor im gleichen Zeitraum trotz zwischenzeitlicher Erholung ebenfalls mehr als 12 Prozent. Das können auch jene Hedgefonds kaum übersehen haben, die derzeit noch lautstark über ein nicht akzeptables Angebot klagen.

Ob es ihnen damit gelingt, den Preis noch etwas nach Oben zu kitzeln, wird auch an der Kursentwicklung der Konkurrenten in den noch verbleibenden zwei Wochen Angebotsfrist hängen. Falls sich die Kurse von Konecranes und Co. nicht erholen oder gar weiter fallen, ist es gut möglich, dass Terex-Chef Ronald DeFeo am Ende gar nichts mehr drauflegen muss.

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