Samstag, 17. August 2019

Osram Der neue Kandidat für den Dax

Osram-Chef Wolfgang Dehen (M.) mit den Vorständen Martin Goetzeler (l.) und Klaus Patzak: "Für Osram das Leben in Selbständigkeit mitgestalten"

Die erste Pressekonferenz des Börsenaspiranten Osram in München geriet zum Rendez-vous der Eitelkeiten. Immerhin erfuhr man, dass der neue Osram-Chef Wolfgang Dehen seine Karriere bei einem Dax-Konzern beschließen will. 

München - "Wir verlassen jetzt die Flughöhe von Herrn Dehen und gehen in die Niederungen der Technologie". Vielleicht unabsichtlich kess waren die Worte von Osram-Entwicklungsleiter Klaus Streubel nach der ersten Pressekonferenz der Siemens-Tochter als Börsenkandidat.

Dann erläuterte er in den Fluren des Unternehmens die Segnungen der Leuchtdiode und die hohe technologische Kompetenz von Osram bis hinein in Vor- und Ausgangsprodukte der Lampenherstellung. Warum ein derart technologiegetriebenes Unternehmen keinen Technik-Geschäftsführer hat, darauf wusste er auch keine rechte Antwort. Siemens Börsen-Chart zeigen habe sie eben in allen Divisionen abgeschafft.

Die drei Kaufleute auf dem Podium der Pressekonferenz wirkten nach acht Wochen der Zusammenarbeit noch nicht wie ein eingespieltes Team. Osram Chef Wolfgang Dehen (bis Ende März 2011 Siemens-Vorstand Energieerzeugung) kokettierte mit dem Status des Neulings und sagte zu Beginn seiner Präsentation: "Ich werde die Flughöhe hoch halten und ab einem gewissen Level an meinen Kollegen Goetzeler abgeben".

Martin Goetzeler, bis vor kurzem Nummer eins bei Osram, jetzt in der Geschäftsführung unter Dehen für das operative Geschäft zuständig, nahm es mit gequälter Miene hin. Aber er gab gleich ungefragt zu, wie schwer ihm der Rückzug in die zweite Reihe gefallen ist: "Wenn Sie das Geschäft einmal geführt haben, ist das keine leichte Entscheidung". Ganz offen sagte er auch, seine Aufgabe sei es vor allem, Dehen den Rücken freizuhalten.

Mehr Schnelligkeit und Kraft

Am entspanntesten wirkte noch der neue Finanzchef Klaus Patzak, bis April Leiter Rechnungswesen für den gesamten Siemens-Konzern. Er lobte die Osram-Unternehmenskultur und die Mitarbeiter, die den Börsengang als Chance wahrnähmen. Er wolle für Osram das Leben in Selbständigkeit mitgestalten, sagte er fröhlich. Dabei hat Patzak von den drei Geschäftsführern vermutlich am meisten zu tun: Umwandlung der GmbH in eine AG, Aufbau einer eigenen Finanzierung und Revision, rasche Erstellung des Börsenprospekts.

Weil eben dieser Prospekt noch nicht fertig ist und man sich vorher in keiner Hinsicht festlegen will, was Strategie und künftige Investitionen angeht, war der Nachrichtenwert der Veranstaltung eher gering. Man erfuhr nur, dass Dehen sich in der Automobilzulieferindustrie gut auskennt und dass er sich als Chef eines künftigen Dax-Unternehmens sieht, also für Osram die Notierung in diesem Börsensegment anstrebt.

Und natürlich sei Osram ein hervorragendes Unternehmen mit immensen Chancen, das den technologischen Wandel auf dem Lichtmarkt erfolgreich meistern werde. Als Gründe für den Börsengang aus Sicht von Osram fielen nur die Stichworte Schnelligkeit (durch den Abschied vom großen Siemens-Konzern) und Freisetzung von Kräften (durch den Aktienkurs als Erfolgsindikator). Die Sorgen der Mitarbeiter würden natürlich gehört und ernst genommen.

Ob man gelernt habe aus etwaigen Fehlern und Versäumnissen aus früheren Börsengängen von Siemens-Töchtern? "Darüber habe ich gar nicht nachgedacht", sagte Dehen. "Wir werden unseren Weg gehen".

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