Sonntag, 25. August 2019

MAN Ein kurioses Spiel

Eigentlich keine Spielernatur: MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen

Dass MAN von VW zum Preis von 95 Euro je Aktie nicht übernommen werden will, war klar. Das VW-Angebot galt nur pro forma, die nötige Mehrheit für die Hauptversammlung besorgt man sich über den Markt. Pro forma ist auch die Ablehnung des MAN-Vorstands. Sind wenigstens die handelnden Personen noch echt?

München - Der Vorstand muss im Sinne aller Aktionäre handeln und Schaden von ihnen fernhalten. Insofern wäre es einem Skandal gleichgekommen, wenn Georg Pachta-Reyhofen, Vorstandssprecher von MAN Börsen-Chart zeigen, das Übernahmeangebot von Volkswagen gebilligt und den freien Aktionären die Annahme empfohlen hätte.

Schließlich enthält die gebotene Summe keine Prämie. Die großen Fondsgesellschaften haben schon am 9. Mai amüsiert abgewunken, als Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen die 95 Euro je Stammaktie erstmals nannte. Die knapp 60 Euro je Vorzugsaktie wurden sogar als echte Unverschämtheit empfunden.

Dennoch ist es kurios, wenn ein Vorstand ein Fusionsangebot ablehnt, an dessen Verwirklichung er seit anderthalb Jahren arbeitet, ja zu dessen Ende er eigens auf den Chefposten gehoben wurde - vom damaligen und jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch, dessen VW-Konzern rund 30 Prozent des MAN-Kapitals hält.

Pachta-Reyhofen, der seit 25 Jahren für den MAN-Konzern arbeitet, ein Techniker, ein pragmatischer Realist, muss jetzt ein ungewohntes Spiel mit allerlei juristischen Finessen spielen. Bei jedem Schritt, den er unternimmt, wird er sich fragen müssen, in wessen Interesse er gerade handelt und spricht.

Drehbuch und Regie kommen aus Wolfsburg, dem Sitz des VW-Konzerns, oder aus Salzburg, Piëchs Residenz. Doch verantwortlich im Sinne des Aktienrechts ist Pachta mit seiner Truppe.

Im Argumentationsnotstand

Pachta-Reyhofen ist es, der den freien Aktionären am 27. Juni auf der Hauptversammlung erklären muss, warum sie eben jenem VW-Konzern die absolute Dominanz auf der Kapitalseite des Aufsichtsrats gewähren sollen, der ihnen ein so schäbiges Übernahmeangebot gemacht hat und dabei die Regeln guter Unternehmensführung außen vor lässt.

In dieser Rolle ist er schon vorab geschwächt, und zwar dadurch, dass VW noch vor der ersten Aufsichtsratssitzung in neuer Formation die Nachricht durchgestochen hat, Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen werde in den MAN-Vorstand einziehen. Das mag für die Zukunft des MAN-Konzerns vielleicht richtig und wertsteigernd sein, menschlich anständig ist es nicht. Es entsteht kein Vertrauen, sondern diffuse Unruhe.

Das ist wohl der Preis, den Pachta-Reyhofen und alle Mitarbeiter zahlen müssen. Dafür bleibt MAN Börsen-Chart zeigen als börsennotiertes Unternehmen mit Sitz, Holding, Vorstand und allen Werken zunächst einmal erhalten. Die Aktionäre glaubt man mit den Synergieeffekten ködern zu können. Es wird spannend sein zu sehen, ob die Aktionärsversammlung einen gewissen Unmut kundtun wird oder ob sie einfach froh ist, dass sich bei MAN und Scania Börsen-Chart zeigen endlich etwas bewegt.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung