Wegen Aschewolke In Deutschland drohen Flugverbote

Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grimsvötn könnte am Mittwoch auch zu Flugverboten über Deutschland führen. Eine Sperrung des Luftraums über Norddeutschland am Mittwoch ist nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes wahrscheinlich.
Isländischer Vulkan Grimsvötn: Der Vulkan ist weiter aktiv

Isländischer Vulkan Grimsvötn: Der Vulkan ist weiter aktiv

Foto: STR/ REUTERS

Frankfurt/London/Reykjavik - Eine Luftraumsperrung über Norddeutschland sei für den Mittwochmorgen sehr wahrscheinlich, sagte Markus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Der Beschluss liege jedoch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS).

Beyer sagte, es gebe Vorhersagen, dass gegen 8 Uhr am Morgen der Wert der Aschekonzentration in der Luft über Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie dem Norden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts so hoch sei, dass ein Flugverbot nötig werde.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wird der Grenzwert für Verbote von zwei Milligramm Aschepartikel pro Kubikmeter Luft voraussichtlich um 08.00 Uhr über Norddeutschland erreicht. Davon ist nach offiziellen britischen Angaben der Luftraum bis zu einer Höhe von 6000 Metern betroffen.

Aus Island kam am Dienstagnachmittag Entwarnung: Das Schlimmste scheine vorüber, der Vulkan stoße weniger Asche aus, meldete der Wetterdienst der Inselrepublik. Obwohl der Ausbruch des Grimsvötn heftiger war als der eines anderen isländischen Vulkans 2010, hatte das Naturereignis zunächst nicht die gleichen Folgen. Damals saßen auf den europäischen Flughäfen zehn Millionen Reisende fest und Airlines machten Verluste von 1,2 Milliarden Euro. Gerät Vulkanasche in Düsentriebwerke, können diese beschädigt werden und gar ausfallen.

250 Flüge von und nach Schottland gestrichen

Am Dienstag war vor allem der Flugverkehr von und nach Schottland beeinträchtigt: 250 Flüge wurden gestrichen. Zu so weitereichenden Behinderungen wie im Vorjahr soll es zudem nicht kommen. So versicherten die Behörden in Großbritannien und Irland, Sperrungen des Luftraums seien nicht geplant.

Die Aschewolke hatte dennoch Folgen für die Weltpolitik und beeinflusste auch die Königsklasse im europäischen Fußball: US-Präsident Barack Obama kürzte seinen Irland-Besuch ab und flog schon am Montag nach England weiter. Barcelonas Trainer Pep Guardiola trug sich mit dem Gedanken, früher zum Finale der Champions League gegen Manchester United anzureisen, das am Samstag in London ausgetragen wird.

Aus Sicht des britischen Verkehrsministers Philip Hammond sind die Sorgen unbegründet. "Wir werden den Luftraum nicht schließen", sagte der Minister dem BBC-Hörfunk. Ähnlich äußerte sich auch die irische Flugsicherung.

Ryanair: Streichung der Flüge unnötig

Allerdings kritisierte der irische Billigflieger Ryanair die Streichung der Flüge von und nach Schottland als unnötig und ließ zu Demonstrationszwecken eine Maschine durch den betreffenden Luftraum fliegen. Andere Fluggesellschaften wie British Airways, EasyJet, Aer Lingus, KLM Air France und SAS sagten dagegen ihre Flüge nach Schottland ab. Bei der Lufthansa waren es zwei Verbindungen nach Edinburgh.

Lufthansa: Aktienkurs gibt nach

Die Kurse der Luftfahrtfirmen tendierten nach Verlusten am Vortag wieder leicht nach unten. So baute die Lufthansa-Aktie nach der Meldung über mögliche Flugverbote über Norddeutschland ihre Verluste leicht aus und notierte als größte Daxverlierer 1,3 Prozent im Minus.

Nach Vorhersagen von Eurocontrol dürfte die Aschewolke am Donnerstag den westfranzösischen und nordspanischen Luftraum erreichen. In Nordfrankreich empfängt Präsident Nicolas Sarkozy an dem Tag seine Kollegen aus den sieben anderen führenden Industrienationen (G8).

la/dpa/reuters

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