China-Riese Huawei "Wir werden unser geistiges Eigentum aufs Aggressivste verteidigen"

Huawei streitet mit seinem chinesischen Rivalen ZTE vor Gericht um Patente - ausgerechnet in Deutschland. Im Interview mit manager magazin erklärt Westeuropa-Chef Tim Watkins, warum Huawei hierzulande klagt und warum Kunden dem wegen seiner Verschlossenheit in Verruf geratenen Konzern dennoch vertrauen sollen.
Von Astrid Maier
Huawei-Hauptquartier in Shenzen: Der Telekom-Ausrüster gilt als äußerst verschwiegen - und streitet nun mit dem chinesischen Rivalen ZTE in Deutschland um Patente

Huawei-Hauptquartier in Shenzen: Der Telekom-Ausrüster gilt als äußerst verschwiegen - und streitet nun mit dem chinesischen Rivalen ZTE in Deutschland um Patente

manager magazin: Huawei verklagt seinen chinesischen Rivalen ZTE wegen Patent- und Markenrechtsverletzungen in Deutschland. Warum tragen Sie den Rechtsstreit ausgerechnet hier aus und nicht in China?

Watkins: Huawei ist ein globaler Konzern mit einem internationalen Geschäft in Höhe von zuletzt 28 Milliarden Dollar weltweit. Der größte Schaden durch die Patent- und Markenrechtsverletzungen durch ZTE entsteht für uns hier, in Westeuropa, denn hier finden die vehementesten Verstöße gegen unser geistiges Eigentum statt. Deshalb haben wir Klage in Deutschland und im Übrigen auch in Frankreich und Ungarn eingereicht. Wir wollen damit klar zum Ausdruck bringen, dass wir unser geistiges Eigentum in Europa aufs aggressivste verteidigen werden. Das können wir nur durch Aufmerksamkeit dort erreichen, wo die Verstöße auch stattfinden.

mm: Diese Strategie scheint aber nicht aufzugehen. Obwohl ein Gericht in Hamburg kürzlich eine einstweilige Verfügung gegen Ihren Konkurrenten erlassen hat, haben Sie sich mit ZTE bisher nicht einigen können. Sie beschuldigen den Rivalen nach wie vor, Patente, die sich auf Datenkarten- und LTE-Technologie beziehen zu verletzen und eines Ihrer eingetragenen Warenzeichen zu verwenden. Was wollen Sie als nächstes tun?

Watkins: Wir sind sehr enttäuscht, dass ZTE auf unsere Forderungen noch nicht reagiert hat. Sollte sich daran nichts ändern, werden wir uns sehr entschlossen an die nächsthöhere Rechtsinstanz wenden - und das nicht erst in ein paar Monaten, sondern schon in den kommenden Wochen.

mm: In der IT-Welt scheinen Patentklagen inzwischen zur Geschäftsstrategie zu gehören, um missliebige Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Fürchten Sie nicht, dass am Ende die Kunden verunsichert werden, wem sie angesichts der Flut an Klagen überhaupt noch trauen können?

Watkins: Unsere Kunden wissen Innovation zu schätzen, schließlich profitieren sie davon am meisten. Und die Kunden wissen, dass wir unsere Patente schützen müssen, um betriebswirtschaftlich sinnvoll arbeiten zu können. Wir investieren über 2,5 Milliarden Dollar jährlich in Forschung uns Entwicklung, haben rund 50.000 Patente angemeldet. Wir wollen niemandem dieses Wissen verweigern, aber unser Knowhow gibt es nicht umsonst. Wer Zugang zu unserem geistigen Eigentum haben will, der muss mit uns Lizenzen vereinbaren und dafür auch bezahlen.

"Wir sind in keiner Weise mit dem chinesischen Staat verbunden"

mm: Ihren Geschäften im Westen stehen nicht nur Rechtsstreitigkeiten im Weg. Vor allem in den USA ist die Angst groß, Huawei sei zu stark mit der chinesischen Regierung verbandelt. Zwei große Übernahmen wurden Ihnen dort schon wegen Sicherheitsbedenken verwehrt. Warum gelingt es Huawei nicht, mehr Transparenz und dadurch Vertrauen im Westen aufzubauen? Ihr Rivale ZTE macht wenigstens kein Geheimnis daraus, dass das Unternehmen vom Staat kontrolliert wird.

Watkins: Wir sind nun einmal in keiner Weise mit dem chinesischen Staat verbunden, sondern ein Privatunternehmen, das im Besitz seiner Angestellten ist. Das hat unsere Geschäftsführung inzwischen klar und offen kommuniziert. Wir sind ein ganz normaler Lieferant wie alle anderen auch.

mm: Aber die Schwierigkeiten in den USA sind nicht von der Hand zu weisen.

Watkins: Es ist in der Tat trotzdem schwieriger für uns, den amerikanischen Markt zu erobern als etwa den westeuropäischen. Aber unser Geschäft wächst auch in den USA und wir haben keine Zweifel daran, dass wir mit der Zeit die Bedenken aus dem Weg räumen werden. In Europa ist uns das schließlich auch gelungen, hier gehören fast alle großen Telekommunikationsunternehmen längst zu unseren Kunden.

mm: Warum arbeitet Huawei nicht einfach stärker an seiner Transparenz anstatt Beruhigungsparolen auszugeben - und legt etwa detailliert offen, wer genau wie viel am Unternehmen hält?

Watkins: Das haben wir doch längst getan. In unserem letzten Jahresbericht wird CEO und Firmengründer Ren Zhengfei als größter Anteilseigner mit 1,42 Prozent explizit ausgewiesen. Der Rest gehört in Gänze den Angestellten des Unternehmens.

mm: Wieviele Anteile halten Sie selbst am Unternehmen?

Watkins: Keine, nur chinesische Angestellte sind berechtigt, Firmenanteile zu erwerben.

"Viele verwechseln Bescheidenheit mit dem Mangel an Transparenz"

mm: Insbesondere Huaweis CEO, Ren Zhengfei, wird im Westen kritisch beäugt. Er gibt keine Interviews, es ist so gut wie nichts über ihn bekannt. Nur dass er in den 70er- und 80er-Jahren der chinesischen Volksarmee diente. Deswegen wird ihm vorgeworfen, im Dienste des Militärs tätig zu sein. Wäre es nicht klüger, er würde sich mehr dem Westen gegenüber öffnen und Stellung zu den Vorwürfen nehmen?

Watkins: Ren Zhengfei ist ein sehr charismatischer Mensch, der aber bescheiden mit seinem weltweiten Erfolg umgehen möchte. Viele verwechseln diese Bescheidenheit leider mit einem Mangel an Transparenz. Ren hat erkannt, dass Huawei als globales Unternehmen sich stärker öffnen muss. Deswegen stellt er Manager aus dem Westen ein wie mich, damit diese mehr Transparenz nach außen schaffen können.

mm: Können Sie uns zum Schluss eines noch verraten: Hat Ihr Chef angesichts seiner Vergangenheit einen militärischen Managementstil?

Watkins: Ren Zhengfei war ein Angestellter der Volksbefreiungsarmee ohne militärischem Rang und hatte seither keinen Kontakt mehr zum chinesischen Militär. Diese Vorstellung, er unterhalte direkte Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee ist nicht nur ungenau, sondern auch zutiefst irreführend. Und um ihre Frage zu beantworten: Nein, an seinem Führungsstil ist überhaupt nichts Militärisches.

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