Australien-Tochter belastet Hochtief geht mit Verlust in Zwangsehe

Hohe Belastungen in Australien haben Hochtief im ersten Quartal tief in die Verlustzone gedrückt. In die Zwangsehe mit der spanischen ACS bringt der größte deutsche Baukonzern aber immerhin einen deutlichen gestiegenen Auftragseingang mit. Das versöhnt die Investoren an der Börse.
Ausblick positiv: Die Auftragseingänge des größten deutschen Baukonzerns geben Grund zur Hoffnung

Ausblick positiv: Die Auftragseingänge des größten deutschen Baukonzerns geben Grund zur Hoffnung

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Düsseldorf - Der größte deutsche Baukonzern Hochtief geht mit roten Zahlen in die Zwangsehe mit Großaktionär ACS. Ursache für den Quartalsverlust sind Probleme bei der australischen Tochter Leighton. Hoffnung macht dem Essener Konzern aber ein deutlich erhöhter Auftragseingang, der um 56,9 Prozent auf 5,41 Milliarden Euro in die Höhe schnellte.

Der geringer als erwartet ausgefallene Verlust und der gute Auftragseingang versöhnten die Investoren. An der Börse stiegen die im MDax  notierten Aktien von Hochtief  um mehr als 2 Prozent auf knapp 59 Euro und führten damit den Index an.

Die Hochtief-Zahlen seien durch den "Ergebniseinbruch" bei Leighton "eingetrübt", räumte der Vorstand am Montag ein. Vor Steuern (Ebt) sei von Januar bis März ein Verlust von 444,8 Millionen Euro angefallen - vor Jahresfrist stand noch ein Vorsteuergewinn von 120,5 Millionen Euro in den Büchern. Unter dem Strich blieb im Quartal ein Konzernverlust nach Minderheiten von 169,5 (Vorjahr: Plus 34,1) Millionen Euro. Experten hatten für das erste Quartal einen Vorsteuerverlust von 487 Millionen Euro und einen Konzernverlust von 171 Millionen Euro vorausgesagt.

Tochter Leigthon mit dreistelligen Nettoverlust

Die über Jahre erfolgsverwöhnte australische Tochter Leighton hatte zuvor einen Verlust vermeldet - und die Probleme bei der Beteiligung schlagen nun auf die Bilanz des Mutterkonzerns durch. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2010/11 schrieb Leighton einen Nettoverlust von 382 Millionen Australischen Dollar (etwa 286 Millionen Euro). Grund dafür sind unter anderem Verzögerungen bei zwei Milliarden-Projekten in Australien. Der neue Hochtief-Chef Frank Stieler wird nun darauf achten müssen, Leighton wieder auf Kurs zu bringen.

Die anderen Hochtief-Sparten konnten die Leighton-Verluste nicht ausgleichen. Eine deutliche Gewinnsteigerung verbuchte etwa der Europa-Bereich mit dem deutschen Baugeschäft, einem früheren Sorgenkind des Konzerns. Vor Steuern verdiente die Sparte nun 16,4 (3,2) Millionen Euro. Auch die Sparte Concessions verdiente mehr - das dort gebündelte Flughafen-Geschäft will Hochtief direkt an Investoren verkaufen oder an die Börse bringen. Davon dürfte auch ACS profitieren.

Nach einer monatelangen Übernahmeschlacht strebt der hoch verschuldete Baukonzern ACS bis zur Jahresmitte die Mehrheitsübernahme von Hochtief an.

rei/dpa-afx/rtr
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