ThyssenKrupp Ergebnisplus erleichtert Konzernumbau

Die gute Wirtschaftslage gibt dem vor einem weitreichenden Umbau stehenden Industriekonzern ThyssenKrupp weiter Auftrieb. Im zweiten Quartal setzte das Unternehmen so viel um wie seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise Ende 2008 nicht mehr.
Heißes Geschäft: ThyssenKrupp konnte Umsatz und Gewinn zuletzt steigern

Heißes Geschäft: ThyssenKrupp konnte Umsatz und Gewinn zuletzt steigern

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Hamburg - ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger kann den geplanten Konzernumbau mit steigenden Ergebnissen in fast allen Sparten vorantreiben. "Wir profitieren von steigenden Mengen und Preisen im Werkstoff- und Komponentengeschäft", erläuterte Hiesinger am Freitag bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen zum zweiten Quartal.

Der Umsatz kletterte von Januar bis Ende März um 21 Prozent auf 12,266 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schoss um 79 Prozent auf 497 Millionen Euro nach oben. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit Erlösen von 12,284 Milliarden Euro gerechnet und das Ebit auf 466 Millionen Euro taxiert.

Hiesinger zufolge haben alle Bereiche zu den Zuwächsen beigetragen - mit Ausnahme der amerikanischen Stahlsparte. Nach den Zuwächsen im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 (per Ende September) bestätigte der Manager die Jahresprognose. So solle der Umsatz um zehn bis 15 Prozent steigen, nach zuletzt 42,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit solle bei etwa zwei (Vorjahr: 1,2) Milliarden Euro liegen.

Amerika bereitet Sorgen

"Die Reduzierung unserer Nettofinanzschulden hat weiterhin oberste Priorität", betonte der ehemalige Siemens-Manager, der Ende Januar die Nachfolge des langjährigen Konzernchefs Ekkehard Schulz angetreten hatte. Wegen der Investitionen in die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA kletterten die Schulden im zweiten Quartal jedoch weiter auf nun 6,492 Milliarden Euro. Das waren 2,7 Milliarden mehr als Ende September 2010. Nach den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres beläuft sich das bereinigte Ebit auf 770 (Vorjahr: 570) Millionen Euro. Der Überschuss liegt allerdings mit 334 Millionen Euro um 22 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Zu schaffen machen ThyssenKrupp  weiter die Verluste in der amerikanischen Stahlsparte. Nach den ersten sechs Monaten belaufen sich dort die Verluste auf 697 Millionen Euro. Die Lage werde sich aber nun verbessern, da die zweite Batterie der Kokerei Ende April ihren Betrieb aufgenommen habe. Im europäischen Stahlgeschäft erhöhte der Konzern das Ebit in den ersten sechs Monaten auf 558 (320) Millionen Euro.

Hiesinger will Unternehmensbereiche mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro verkaufen - etwa ein Viertel der Gesamterlöse des Konzerns. Dazu gehören die Edelstahlsparte und Autozulieferer. Die Edelstahlsparte schrieb im ersten Halbjahr mit einem Ebit von 66 (minus 143) Millionen Euro schwarze Zahlen. Hiesinger will die Verschuldung senken. "Gleichzeitig wollen wir in unseren ertragsstarken Kerngeschäften weiter wachsen und so den Wert unseres Unternehmens kontinuierlich steigern", sagte er.

Von den Verkaufsplänen sind etwa 35.000 der fast 180.000 Beschäftigten betroffen. Am Mittwoch hatte sich Hiesinger durch Zusagen die Unterstützung der Arbeitnehmervertreter gesichert. So sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein. Im Fall eines Börsengangs der Edelstahlsparte soll ThyssenKrupp an der Gesellschaft nennenswert beteiligt bleiben, hatte Reuters von zwei mit dem Vorhaben vertraute Personen aus der Arbeitnehmervertretung erfahren. Es gilt als ausgemacht, dass der Aufsichtsrat den Plänen zustimmt.

cr/rtr/dpa-afx
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