Hauptversammlung Allianz-Chef wettert gegen Kapitalregeln

Erdbeben und Tsunami in Japan konnten Europas größten Versicherer Allianz zum Jahresstart nicht erschüttern - der Gewinn blieb im ersten Quartal stabil. Während der Hauptversammlung erregte sich Konzernchef Michael Diekmann umso mehr über die neuen Kapitalvorschriften für Versicherer.
"Das schadet uns allen": Allianz-Chef Michael Diekmann während der Hauptversammlung in München

"Das schadet uns allen": Allianz-Chef Michael Diekmann während der Hauptversammlung in München

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

München - "Wenn wir jetzt wegen übertriebener Vorsicht unnötig zusätzliches Kapital bereitstellen müssen, dann schadet das allen", sagte Diekmann am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Schließlich seien die Versicherer - anders als Banken - überwiegend gut durch die Finanzkrise gekommen.

Ihre Geschäftsmodelle seien auf nachhaltige und nicht kurzfristige Gewinne ausgerichtet. Solvency II, wie die neuen Regeln genannt werden, würden zu hohen Schwankungen im Kapitalbedarf führen, kritisierte Diekmann. Das widerspreche der langfristigen Ausrichtung.

Die Schwächen in den vorliegenden Entwürfen müssten ausgebessert werden, bevor das Regelwerk Anfang 2013 in Kraft treten solle. Sonst könnten die politisch gewollten Altersvorsorgeprodukte mit festen Garantien nur noch eingeschränkt angeboten werden.

Diekmann sieht vor allem die Lebensversicherung - die Lieblingsanlage Millionen Deutscher - in Gefahr. Solvency II verschärft die bisherigen Kapitalregeln und soll die Branche krisenfester machen - und so letztlich auch die Kunden besser schützen. Bisher spielen zum Beispiel Risiken der Unternehmen durch die milliardenschweren Kapitalanlagen keine Rolle. Das soll sich künftig ändern.

Quartalsgewinn bei knapp 1,7 Milliarden Euro

Obwohl Naturkatastrophen den Konzern insgesamt so teuer zu stehen kamen wie selten zuvor, blieb der operative Gewinn der Allianz  im ersten Quartal mit knapp 1,7 Milliarden Euro fast stabil. Unter dem Strich blieben dem Finanzkonzern gut 900 Millionen Euro übrig. Ein Jahr zuvor hatte vor allem der Verkauf von Aktien der chinesischen Großbank ICBC den Überschuss auf 1,6 Milliarden Euro getrieben.

Angesichts der Entwicklung zum Jahresbeginn sieht Vorstandschef Michael Diekmann den Konzern auf Kurs zu seinem Gewinnziel. Das operative Ergebnis soll 2011 weiterhin 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro erreichen. Die Anleger zeigten sich davon unbeeindruckt: Die Aktie der Allianz  verlor bis zum Nachmittag im leicht negativen Markt 0,47 Prozent auf 105,85 Euro.

Wegen der Kette von Naturkatastrophen rechnet die Allianz für das erste Quartal mit einer Gesamtbelastung von 750 Millionen Euro. Das sind rund 200 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor, als vor allem das Erdbeben in Chile teuer zu Buche schlug. Diesmal hat der Versicherer alleine 320 Millionen Euro für die Folgen von Erdbeben und Tsunami in Japan zurückgestellt, weitere 380 Millionen für das Beben in Neuseeland und die Überschwemmungen in Australien. Der Rest entfällt auf kleinere Ereignisse. Ihre Quartalsbilanz will die Allianz am 12. Mai vorlegen.

Für das laufende Geschäft zeigte sich Diekmann lediglich vorsichtig optimistisch. Im ersten Quartal ging der Umsatz des Konzerns von 30,6 auf unter 30 Milliarden Euro zurück. Mit der Preisentwicklung in der Schaden- und Unfallversicherung ist der Vorstand noch nicht zufrieden. Der Trend zu höheren Tarifen sei noch nicht stabil, sagte der Konzernchef.

Kritik an Commerzbank-Engagement

Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zollte der Allianz-Spitze Respekt für das gute Abschneiden in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Aktionäre sollen bei der Hauptversammlung unter anderem einer Dividende von 4,50 Euro je Aktie für das vergangene Jahr zustimmen.

Nicht alleine stand Bergdolt mit ihrer Kritik an der Beteiligung an der Commerzbank , die die Allianz im Zuge des Verkaufs der Dresdner Bank Anfang 2009 übernommen hatte. Aktionärsschützer würden das "unschöne Kapitel", das an das einstige Allianz-Sorgenkind Dresdner Bank erinnert, gerne abschließen. Allianz-Finanzchef Paul Achleitner sieht die Beteiligung hingegen als "attraktives Investment".

Durch die Kapitalerhöhung der Bank, die sich damit weitgehend vom Staatstropf abhängen will, wird sich der Anteil der Allianz allerdings auf voraussichtlich knapp fünf Prozent halbieren.

Unterdessen betrachtet Diekmann die immensen Schulden europäischer Staaten mit Sorge. Griechenland, Irland und Portugal werden bereits von der EU gestützt und müssen ihre Staatsfinanzen sanieren. "Auch die USA werden einen Weg aus ihren schuldenfinanzierten Wachstumsprogrammen finden müssen", sagte Diekmann.

Zusammen mit den Naturkatastrophen und den Unruhen in Nordafrika werde dies Wachstum kosten. Schon für dieses und das kommende Jahr erwartet der Allianz-Chef, dass die Weltwirtschaft nicht mehr so stark zulegt wie zuletzt.

la/reuters/dpa-afx