Firmenkundenverträge Kartellamt ermittelt gegen die Lufthansa

Die Deutsche Lufthansa ist ins Visier des Bundeskartellamts geraten. Die Wettbewerbshüter gehen dem Verdacht nach, dass sich Deutschlands größte Fluggesellschaft wettbewerbswidrig über ihre Firmenkunden Einblick in die Konditionen ihrer Konkurrenten verschafft haben könnte.
First Class Lounge der Lufthansa: Konzerne wie Bayer und BASF erhalten Rabatte bei der Lufthansa, aber natürlich auch bei der Konkurrenz

First Class Lounge der Lufthansa: Konzerne wie Bayer und BASF erhalten Rabatte bei der Lufthansa, aber natürlich auch bei der Konkurrenz

Foto: DPA

Bonn - Derzeit werden bei zahlreichen Lufthansa-Großkunden die Verträge mit Blick auf die Rabattkonditionen geprüft, sagte eine Sprecherin des Bundeskartellamts und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Wer bei der größten europäischen Fluglinie als Firmenkunde Rabatte erhalten wolle, müsse laut Vertrag weitreichende Daten preisgeben, die auch Einblicke in die Preis- und Rabattgestaltung der Konkurrenten gäben. Die Lufthansa  wollte sich zu dem Vorwurf nicht konkret äußern.

"Wenn sich bestätigen sollte, dass damit Wettbewerbsparameter der Konkurrenten offengelegt werden, wäre das schädlich und könnte den Wettbewerb verzerren und beschränken", erklärte die Kartellamtssprecherin. Gegen wie viele Unternehmen sich die Vorwürfe richten, konnte sie zunächst nicht sagen. Es handele sich aber nicht um Einzelfälle, sondern um einen größeren Kreis. Namen wurde nicht genannt.

VW angeblich wegen Rabattbedingungen kein Lufthansa-Kunde mehr

Die Untersuchungen, ob der sogenannte Geheimwettbewerb beschränkt sei, befinden sich der Sprecherin zufolge erst im Anfangsstadium. "Wir sind dabei, den Sachverhalt aufzuklären, die Ermittlungen laufen." Welche Konsequenzen möglicherweise auf die Lufthansa zukommen könnten, sei noch ungewiss.

Ein Airline-Sprecher sagte, man arbeite in der Sache bereits seit anderthalb Jahren mit dem Bundeskartellamt zusammen. Von der aktuellen Befragung bei den Großkunden wisse die Lufthansa nicht.

Laut Zeitungsbericht gehören die Konzerne Bayer  und BASF  zu den Kunden. Dagegen seien Volkswagen  und der Motorenbauer Deutz  wegen der Rabattbedingungen als Kunden ausgestiegen. Lufthansa verlange Zugriff auf alle Daten über Flüge, die die Unternehmen über ihre Firmenkreditkarte buchten - Flüge mit Konkurrenten wie Air Berlin  oder Air France-KLM  eingeschlossen. Viele Unternehmen seien auf die Lufthansa angewiesen.

Zum Vorwurf, dass der Konzern von seinen Firmenkunden Zugriff auf Wettbewerberdaten verlange, wollte sich der Lufthansa-Sprecher nicht äußern. "Dazu kann ich schon aus Vertraulichkeitsgründen nichts sagen." Er verwies darauf, dass die Lufthansa keine Angaben zu ihren Vertragsdetails machen könne und es sich zudem um eine laufende Untersuchung handele.

mg/dpa-afx
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