Montag, 19. August 2019

Osram Siemens geht aufs Ganze

Siemens in München: Trennung von Osram

Diesmal will Siemens alles richtig machen. Der Börsengang der Tochter Osram soll gleich eine große Nummer werden. Kein scheibchenweiser Abschied, sondern ein klarer Schnitt. Mit bis zu acht Milliarden Euro könnte Osram bewertet sein. Von dem Erlös will Siemens offenbar nicht wenig selber behalten.

München - Die Osram-Börsenstory ist noch nicht fertig geschrieben, nicht einmal die begleitenden Banken haben bisher einen Auftrag. Auch die Umwandlung in eine AG, die Erstellung des Zahlenwerks und des Börsenprospekts brauchen Zeit. Und doch könnte alles sehr schnell gehen.

Man mag kaum glauben, dass Siemens Börsen-Chart zeigen bis zum Herbst wartet, um die profitable Tochtergesellschaft loszuschlagen, deren Marke schließlich höchst bekannt und deren Geschäft sehr sichtbar und relativ leicht vermittelbar ist. Zu gut ist derzeit das Umfeld an den Kapitalmärkten, zu munter brummt die Konjunktur, um unnötig Zeit zu verlieren.

Technologiegetriebene Anleger hat man im Visier, die an den Boom der attraktiven und energiesparenden LED-Technik glauben. Das geplante Volumen stellt die bisher für dieses Jahr an der deutschen Börse geplanten IPOs (Hapag Lloyd, Kabel BW, GSW, Norma) weit in den Schatten. Hier wird auf Dax-Niveau gespielt.

Das Zehnfache eines Jahresgewinns

"Zehn mal Ebitda", nannte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser auf der heutigen Telefonkonferenz die übliche Bewertung eines Unternehmens in der Branche. 816 Millionen Euro betrug bei Osram das angepasste Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im vergangenen Jahr, und zwar zusammengefasst für die Osram GmbH in München und die Osram Semiconductors GmbH in Regensburg. Der Umsatz liegt, rechnet man den kürzlich zugekauften Lampenhersteller Siteco dazu, bei rund fünf Milliarden Euro. Bilanzen werden bislang nicht veröffenlicht.

Alle gemeinsam müssen nun auf eine Osram-Aktiengesellschaft übertragen werden, die dann also mit bis zu acht Milliarden Euro bewertet sein könnte. Das ist weit mehr als die fünf Milliarden, die Analysten bisher geschätzt haben. Der Buchwert des gesamten Siemens-Sektors Industrie, zu dem Osram bislang als kleinste von sechs Divisionen zählt, lag laut Geschäftsbericht zuletzt bei 5,2 Milliarden Euro.

Siemens will sich nicht mit Kapitalerhöhungen aufhalten, sondern einfach "50 plus x" des bisher nicht bezifferten "Kapitals" an die Börse bringen, Osram sofort entkonsolidieren und in die Freiheit entlassen. Allerdings werde der Konzern ein "aktiver Ankeraktionär" bleiben, wie der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher versprach, und zwar "langfristig". Und natürlich soll auch Osram vom Geldsegen des Börsengangs profitieren, erklärte Kaeser. "Wir werden Osram eine sehr solide Kapitalausstattung verschaffen".

Er stelle sich als Richtschnur für diese Ausstattung einen guten "investment grade" für die Aktien vor, also eine Bewertung durch Ratingagenturen mit den Noten A- bis BBB+. Dabei werde auch die zunehmende Volatilität in den Renditen der zukünftigen Osram AG berücksichtigt, die sich aus der Verschiebung vom klassischen Leuchtengeschäft hin zum Halbleitergeschäft mit Leuchtdioden ergebe. Auch für ausreichende Liquidität werde man sorgen und für Kreditlinien der scheidenden Mutter an die Tochter. Konkreter wurde Kaeser nicht.

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