Mittwoch, 18. September 2019

Osram Siemens geht aufs Ganze

Siemens in München: Trennung von Osram

2. Teil: Zuschnitt der Firma vorerst unverändert

Welchen Investitionsspielraum Osram damit erhält, um sich künftig im umkämpften Lichtmarkt gegen Wettbewerber wie Philips oder Halbleiterunternehmen aus Asien zu behaupten, blieb völlig offen. Insider sprechen von zwei bis vier Milliarden Euro, die notwendig wären. Zumindest der Zuschnitt des Unternehmens scheint sich zunächst nicht zu ändern. "Die 40.000 Osram-Mitarbeiter werden sich insgesamt wiederfinden in der neuen Firma", sagte Kaeser. Und der Börsengang werde nicht Ursache sein für Restrukturierungen oder andere Anpassungen.

Inwieweit auch deutsche Osram-Werke von künftigen Investitionen profitieren werden, dazu blieb Kaeser vage, verwies nur auf die in Deutschland sehr starke Autobeleuchtung. Somit dürften Werke für klassische Lampen wie Augsburg mit dem nahegelegenen Zulieferwerk Schwabmünchen weiter um ihre Zukunft bangen. Der örtliche Betriebsrat wollte dazu nicht Stellung nehmen.

IG Metall fürchtet die neue Freiheit

Die IG Metall Bayern äußerte sich abwartend zu den Börsenplänen, obwohl sich intern auch Erleichterung breitmachte, dass Siemens bei Osram überhaupt noch engagiert bleibt und andererseits dass es jetzt endlich vorwärts geht. Die "größere Eigenständigkeit und Flexibilität", wie sie ein Dasein außerhalb des Siemens-Konzerns begründet, versetzt die Gewerkschaft in gedämpfte Unruhe. "Osram darf nicht zum Spielball kurzlebiger Profitinteressen an den Finanzmärkten werden" schrieb Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der bayerischen IG Metall, in einer Mitteilung. Siemens als Ankeraktionär dürfe die Führung nicht aus der Hand geben.

Doch genau das wird geschehen, wenn Siemens nur noch eine qualifizierte Mehrheit hält und Siemens-Vorstand Wolfgang Dehen, 57, nach vollbrachtem Osram-Börsengang vielleicht wieder in die Konzernzentrale zurückkehrt. Fraglich ist, ob der bisherige Osram CEO Martin Goetzeler, der nun per April zum COO mutiert und seinen Posten für Dehen freimacht, dem Unternehmen langfristig erhalten bleibt. Auch ein neuer Aufsichtsrat müsste mittelfristig her; derzeit führt den Vorsitz dort Siegfried Russwurm, Chef der Siemens-Sparte Industrie. Reibereien unter ehemaligen Siemens-Managern wie bei Infineon Börsen-Chart zeigen will man sich sicher nicht noch einmal vorwerfen lassen.

Reichtum ohne Richtung

Was die Mutter Siemens mit dem Geldsegen anstellen will, dazu war den beiden Vorständen nichts zu entlocken, außer einer lange bekannten Formel zur Siemens-Kapitalstruktur, die schon jetzt weit übererfüllt ist. Außerdem hieß es, dass auch Zukäufe geplant sind, um den kühnen Umsatzsprung von derzeit 76 auf 100 Milliarden Euro pro Jahr zu erreichen, den Löscher nun angekündigt hat.

Dass man die Perle Osram, die zum neu geschaffenen Bereich Infrastruktur ja irgendwie schon ein bisschen passt, jetzt einfach abstößt, erklärt Kaeser so: Die Lichttechnik sei zwar attraktiv, aber die Kapitalaufwendungen der Tochter hätten einen immer geringeren synergetischen Wert für den Rest des Siemens-Geschäfts gehabt.

Einen Trost haben die Mitarbeiter von Osram, die mit ihren 105 Jahren Geschichte (davon nur 33 ganz bei Siemens) im Konzern nie recht heimisch geworden sind: Die Option, dass ihr Haus wie einst VDO doch noch auf halber Strecke zum Börsengang an einen Investor verkauft werden könnte, sieht Kaeser "eher nicht".

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