Mittwoch, 18. September 2019

Börsengang Siemens verkauft Osram-Mehrheit

Siemens-Tochter Osram: Im Herbst 2011 an die Börse

Nun ist es offiziell: Siemens bringt seine Tochter Osram an die Börse. Der Leuchtmittelhersteller soll noch in diesem Jahr den Schritt auf das Parkett wagen, der Industriekonzern will eine Minderheit behalten. Zudem baut Siemens seinen Vorstand um, wie das manager magazin bereits berichtete.

München - Der Aufsichtsrat gab am Montagabend grünes Licht für die Trennung von der Mehrheit an dem Leuchtmittelhersteller Osram, teilte Siemens mit. Der Börsengang von Osram wird für Herbst 2011 angestrebt, hieß es. Wie manager magazin bereits berichtete, baut Siemens zudem eine vierte Sparte auf und den Vorstand um.

Siemens Börsen-Chart zeigen beabsichtigt, langfristig als Ankeraktionär an Osram beteiligt zu bleiben. Für den Gang auf das Börsenparkett wechselt der Konzern die Führung des traditionsreichen Unternehmens aus. Der bisher für Energietechnik zuständige Vorstand Wolfgang Dehen rückt Anfang April an die Spitze von Osram. Der seit 2005 amtierende Osram-Chef Martin Goetzeler tritt als Vorstand für das Tagesgeschäft (COO) ins zweite Glied zurück.

Konzernchef Peter Löscher pries die Trennung von der Tochter mit einem Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro und 40.000 Mitarbeitern. "Mit dem Börsengang wollen wir Osram volle unternehmerische Freiheit geben, seine führende Wettbewerbsstellung in dem sich technologisch verändernden Lichtmarkt umfassend weiterzuentwickeln", erklärte er.

Die Münchener Gesellschaft konkurriert weltweit mit Branchengrößen wie Philips, GE, Panasonic oder Cree. Vor allem die niederländische Philips steckte zuletzt große Summen in die Entwicklung von LED-Lampen. Die Entwicklung von immer neuen Energiesparlampen und Leuchtdioden ist sehr kapitalintensiv. Das Unternehmen gibt viel für Forschung und Entwicklung aus.

Gesamtwert von Osram wird auf 6,5 Milliarden Euro geschätzt

Siemens hat für sich hingegen als neues Ziel eine Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von 20 Prozent gesetzt, was ohne die kapitalhungrige Tochter leichter zu erreichen ist. Analysten schätzen den Gesamtwert von Osram auf bis zu 6,5 Milliarden Euro.

Offen ist bislang, was Siemens mit dem Erlös aus dem Börsengang macht. Der Konzern sitzt bereits auf einer Barschaft von 15 Milliarden Euro, größere Zukäufe sind bislang nicht in Sicht.

Die IG Metall bewertet den Börsengang zurückhaltend. Obwohl die Gewerkschaft lobte, dass Siemens Kernaktionäre bei Osram bleiben will, mahnte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsel: "Osram darf nicht zum Spielball kurzlebiger Profitinteressen an den Finanzmärkten werden."

Siemens bildet vierten Sektor

Etwa zeitgleich mit dem geplanten Börsengang von Osram bildet Siemens einen vierten Sektor neben den Kerngeschäftsfeldern Industrie, Energie und Medizintechnik. Ab dem neuen Geschäftsjahr im Oktober werde es das neue Segment "Infrastruktur und Städte" geben, hieß es. Dafür würden die Geschäftsfelder Zugtechnik, Energieverteilung, Gebäudetechnik und zunächst auch Osram aus den Sektoren Industrie und Energie neu zusammengefasst. Die Sparte Industriedienstleistungen wird aufgelöst und dem übrigen Industriegeschäft zugeschlagen.

Chef des neuen Sektors soll der bisherige Strategiechef Roland Busch werden. Die Industriesparte solle sich auf ihre Stammklientel konzentrieren. "So wollen wir in den nächsten Jahren die Schwelle von 100 Milliarden Euro Geschäftsvolumen überschreiten", kündigte Konzernchef Löscher an.

Als Nachfolger von Dehen an der Spitze des Energiesegments komme Michael Süß, der bisher Chef der Sparte fossile Energieerzeugung ist. Zudem ernannte der Aufsichtsrat einen neuen Konzernvorstand für Technologie. Den Posten soll der bisherige Leiter der Antriebstechnik, Klaus Helmrich, übernehmen. Bislang kümmerte sich Medizintechnik-Chef Hermann Requardt nebenbei um Technologiethemen.

mg/rtr

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