Freitag, 28. Februar 2020

Pleitewelle Beluga-Reederei reißt weitere Töchter mit sich

Weitere Insolvenzanträge: Beluge-Reederei verliert weitere Tochterfirmen

Einst war die Bremer Schwergutreederei Beluga Weltmarktführer in ihrem Segment. Heute bangt das Unternehmen um seine Existenz: Erneut haben vier Tochterfirmen einen Insolvenzantrag stellen müssen. Damit sind innerhalb von neun Tagen 13 Verfahren eingegangen.

Bei der angeschlagenen Bremer Beluga-Reedereigruppe hat am Freitag die mittlerweile zehnte Gesellschaft einen Insolvenzantrag gestellt. Wie ein Firmensprecher mitteilte, handelt es sich um das Zentrum für Maritime Forschung im niedersächsischen Elsfleth, das von Beluga und der Jade-Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth gemeinsam betrieben wird.

Weder der Beluga-Sprecher noch die Bremer Staatsanwaltschaft wollten sich am Freitag äußern zu einem Bericht des "Handelsblatt" über Details zu den Ermittlungen gegen den beurlaubten Firmengründer Niels Stolberg und weitere suspendierte Beluga-Manager.

Dem Bericht zufolge soll das Auftragsbuch der Reederei "massiv manipuliert" worden sein. Es habe für 2010 und 2011 Aufträge über rund 800 Millionen Dollar ausgewiesen, obwohl der tatsächliche Bestand zum Stichtag 15. Juni 2010 nur 58 Millionen Dollar betragen habe. Dies soll aus den Unterlagen hervorgehen, die der bei Beluga eingestiegene US-Investor Oaktree der Staatanwaltschaft übermittelt hat.

Anwälte und Wirtschaftsprüfer sollen bei einer Beluga-Buchprüfung in Oaktrees Auftrag ferner fiktive Rechnungen über Dienstleistungen gefunden haben, "die nie erbracht wurden". So sollen zwischen 2009 und Januar 2011 Umsätze von mehr als 150 Millionen Dollar erfunden worden sein. Die Rechnungen sollen an Firmen in Panama und auf den britischen Jungferninseln gestellt worden sein.

Am Montag hatten die "FAZ" und der NDR von einem 100-Millionen-Euro-Kredit berichtet, den Oaktree 2010 der Bremer Reederei gewährt haben soll, um damit Schiffsneubauten in China zu bezahlen. Ein Teil des Geldes sei nicht zu den Werften geflossen, sondern angeblich auf Konten in der Schweiz, in Panama und auf den britischen Jungferninseln. Von dort sei es wieder in die Beluga-Gruppe geschleust worden, um dort Finanzlöcher zu stopfen, hatten "FAZ" und NDR berichtet.

kst/rtr

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