MAN Ein Puzzle mit zu vielen Teilen

Nichts geht mehr bei MAN in München. Der Zusammenschluss mit Scania hängt an der Erledigung der Baustelle Ferrostaal. Doch deren Großaktionär pokert entsprechend hoch. Lohnt sich die Fusion dann überhaupt noch? Trotz guter Jahreszahlen macht der MAN-Vorstand eine traurige Figur.
Von Cornelia Knust
Schwierige Fragen, gleichlautene Antworten: Der Vorstandsvorsitzende der MAN SE, Georg Pachta-Reyhofen nimmt auf der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens in München Stellung

Schwierige Fragen, gleichlautene Antworten: Der Vorstandsvorsitzende der MAN SE, Georg Pachta-Reyhofen nimmt auf der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens in München Stellung

Foto: DPA

München - Georg Pachta-Reyhofen beantwortet die Fragen mit unerschütterlicher Ruhe. Die Fusionsgespräche mit Scania gingen weiter, sagte der MAN-Chef auf der Bilanzpressekonferenz. Es gebe keinen Zusammenhang mit der Causa Ferrostaal. Man solle die Dinge getrennt sehen. Wichtig sei nur, die Risiken (durch Ferrostaal) besser einzugrenzen. Wie der Zusammenschluss von MAN  und Scania  genau ausschauen solle, dazu gebe es noch keine Entscheidung. "Es ist ein sehr komplexes Puzzlespiel".

Der Volkswagen-Konzern (VW) hält knapp 30 Prozent der Stimmrechte an MAN und betreibt das Zusammengehen der MAN mit dem schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania, an dem VW und auch MAN beteiligt sind. MAN hat allerdings im Januar dieses Jahres eine Option über 2,8 Prozent der Scania-Stimmrechte an VW zurückverkauft und führt die Schweden mit 17,3 Prozent der Stimmrechte nur noch als Finanzbeteiligung, wie der Vorstand jetzt berichtete. Das passt in das im Dezember 2010 lancierte Szenario, wonach nicht MAN Übernehmer von Scania sein soll, sondern umgekehrt.

Angeblich kein Zeitdruck

Doch ob es dazu wirklich kommt? Nicht einmal eine Zahl zu den angestrebten Synergieeffekten war Pachta zu entlocken, geschweige denn eine Aussage zum Zeitplan der Annäherung. "Wir haben durchaus Zeit, uns darauf vorzubereiten", sagte Pachta. "Das Thema 'Euro 6' ist ja gelaufen". Damit spielt er auf neue Nutzfahrzeugmotoren an, die schärfere Emissionsgrenzwerte erfüllen müssen, aber längst entwickelt und schon in der Erprobung sind, also kurz vor Marktreife.

Das Zukunftsthema Hybrid-Fahrzeuge sei ja das, was MAN und Scania gemeinsam angehen wollten, also die Entwicklung entsprechender Antriebe. Und selbst da dementiert der Vorstandschef einen Zustand allgemeiner Lähmung: "Wir sind gar nicht behindert. Wir haben auch bisher alleine entwickelt". Pachta behauptet sogar, in der Belegschaft sei eine allgemeine Aufbruchsstimmung spürbar. Die vielen Vorstandswechsel Ende 2009 im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre hätten den Tiefpunkt markiert. "Seit 2010 widmen wir uns wieder voll dem operativen Geschäft".

Für ein rasantes Wiederauftauchen aus der Krise lieferte der Vorstand zwar eindrucksvolle Belege, kündigte eine stolze Dividendenerhöhung an und wurde auch prompt mit steigenden Aktienkursen belohnt. Das war aber auch das einzig Eindrucksvolle an der Bilanzvorlage. Der Vorstand wirkte nicht, als sei er in jeder Hinsicht Herr der Lage.

Ferrostaal-Rücknahme möglich

"Es ist weder ein Teufelskreis noch eine Katastrophe", beschwichtigte Finanzvorstand Frank Lutz beim Thema Ferrostaal. MAN hatte das Handelshaus Ende 2008 zu 70 Prozent an den arabischen Fonds IPIC verkauft. Als die Staatsanwaltschaft bei Ferrostaal Ermittlungen wegen Schmiergeldzahlungen begann und sich Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe abzeichneten, forderte die IPIC die Rückabwicklung des Ferrostaal-Kaufs, was MAN verweigerte, worauf die IPIC ein deutsches Schiedsgericht angerufen hat.

Die MAN zeige hohe Einigungsbereitschaft, sagte Lutz jetzt und verkündete den staunenden Journalisten, wozu man mittlerweile bereit ist: "Die Rücknahme der Ferrostaal-Beteiligung ist auch eine Variante der Rückabwicklung". Dies sei für MAN aber nicht einmal das schlimmste denkbare Szenario und habe nur eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Offenbar verhält sich die IPIC, was das Ziel der Verhandlungen über einen Vergleich angeht, äußerst beweglich.

Eine Blamage stellt es für MAN dar, dass der Konzern Bilanzvorlage und Hauptversammlung um drei Wochen verlegt hatte, um den Druck aus den Verhandlungen zu nehmen, zu einer Einigung zu kommen und realistisch bilanzieren zu können, nur um dann am Tag der Bilanzvorlage immer noch mit leeren Händen dazustehen.

Gut versteckte Rückstellungen

"Die Tür war schon einmal weiter offen", sagte Lutz zu den Gesprächen mit IPIC und räumte am Rande der Pressekonferenz ein, dass es schwierig sei, Rückstellungen zu bilanzieren, wenn man die Risiken nur schwer greifen könne. Die "sehr risiko-orientierte" Höhe der gebildeten Rückstellungen wollte er nicht nennen, um keine Signale in Richtung der Verhandlungspartner zu senden. Er sagte ganz fröhlich: "Sie werden in der Bilanz nichts finden".

Nicht fündig sind Vorstand und Aufsichtsrat bisher bei der Nachfolgersuche für Klaus Stahlmann geworden. Der Manager an der Spitze des gerade erst zusammengeführten zweiten MAN-Standbeins "Diesel & Turbo" hatte MAN im Februar 2011 sofort verlassen, nachdem er Ziel der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu Schmiergeldzahlungen geworden war.

Dass Scania-Chef Leif Östling sich gerade mit ähnlichen Ermittlungen herumschlagen muss, kommentierte Pachta genauso formelartig wie fast alle anderen Fragen der Veranstaltung. Das sei Sache der schwedischen Behörden: "Ich kenne Herrn Östling als absolut kompetenten, erfahrenen und guten Gesprächspartner".

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