Luftfahrt EADS hängt immer mehr an Airbus

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ist wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt, Anleger erhalten eine Dividende. Der Erfolg von EADS hängt jedoch immer stärker vom Abschneiden seiner Tochter Airbus ab.
Zurück in den schwarzen Zahlen: Während das Geschäft der Tochter Airbus brummt, brechen EADS die Neuaufträge im Rüstungsgeschäft weg

Zurück in den schwarzen Zahlen: Während das Geschäft der Tochter Airbus brummt, brechen EADS die Neuaufträge im Rüstungsgeschäft weg

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Paris - Während der Flugzeugbauer Airbus einen Milliardenauftrag nach dem anderen hereinholt, brachen die Neuaufträge im EADS-Rüstungsgeschäft im vergangenen Jahr um die Hälfte ein. Unter dem Strich kehrte EADS  im Jahr 2010 allerdings in die Gewinnzone zurück. Nachdem die Probleme beim Militärtransporter A400M dem deutsch-französischen Unternehmen im Vorjahr tiefrote Zahlen eingebrockt hatten, erzielte EADS nun einen Überschuss von 553 Millionen Euro.

Die Aktie von EADS  sprang nach den Nachrichten zeitweise um mehr als 4 Prozent in die Höhe. Zuletzt lag sie in Paris mit 3,18 Prozent im Plus bei 20,47 Euro und war damit zweitstärkster Wert im Index CAC-40.

Auch zwei Großaufträge für Airbus hoben die Stimmung: Die Flugzeugleasing-Gesellschaft ILFC bestellte am Dienstagabend 100 Exemplare des Airbus A320neo, der ab 2016 verfügbaren spritsparenden Variante des Kassenschlagers. Die Fluggesellschaft Cathay Pacific orderte 15 Airbus A330.

Laut Preisliste haben die Aufträge einen Gesamtwert von rund zwölf Milliarden US-Dollar (8,6 Mrd Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen hohe Rabatte üblich. Zudem zog ILFC einen bereits erteilten Auftrag über 10 Exemplare des Airbus-Flaggschiffs A380 im Wert von 3,75 Milliarden Dollar zurück.

Konzern zahlt wieder Dividende

Mit den schwarzen Zahlen dürfen sich die EADS-Anteilseigner auch wieder über eine Dividende freuen. Je Aktie sollen sie 22 Cent erhalten, nachdem sie 2009 leer ausgegangen waren. Die Erwartungen der Analysten und die Prognosen des Vorstands übertraf der Konzern teils deutlich. Den Verlust von 763 Millionen Euro aus dem Vorjahr konnte EADS 2010 allerdings nicht wettmachen.

Vor allem das brummende Geschäft mit Verkehrsflugzeugen bescherte dem Konzern im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz. Die Erlöse legten um sieben Prozent auf 45,8 Milliarden Euro zu. Zu dem Wachstum trugen neben Airbus auch der Hubschrauberhersteller Eurocopter, die Raumfahrtsparte Astrium und die Rüstungstochter Cassidian bei. Außer in der Verkehrsflugzeugsparte, deren Auftragseingang sich fast verdreifachte, brachen die Neuaufträge in allen Bereichen kräftig ein. Bei Cassidian gingen sie um 46 Prozent zurück.

Mehr Aufträge für Airbus erwartet

Für 2011 rechnet die EADS-Führung um Konzernchef Louis Gallois vor allem bei Airbus mit einer weiter wachsenden Nachfrage. Die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge soll von zuletzt auf 520 bis 530 Maschinen steigen. Im vergangenen Jahr hatte Airbus 510 Flieger ausgeliefert. Die Zahl der Bestellungen soll noch höher ausfallen, der Konzernumsatz weiter zulegen. Der Sparkurs vieler Staaten macht EADS jedoch Sorgen. Die Märkte, etwa im Rüstungssektor, müssten weiterhin aufmerksam beobachtet werden, hieß es.

EADS-Finanzchef Hans Peter Ring bekräftigte allerdings das Ziel, eine Balance zwischen dem Geschäft mit Zivilflugzeugen auf der einen Seite und dem Engagement in der Militär-, Raumfahrt- und Sicherheitstechnik auf der anderen Seite herzustellen. Airbus trägt derzeit rund zwei Drittel zum Umsatz bei. Die starke Nachfrage der Fluggesellschaften und der Sparkurs der Regierungen torpediert das Bestreben der EADS-Führung.

Der Konzern will sich deshalb in den Bereichen Wartung, Verteidigungselektronik und Raumfahrt verstärken. Noch in diesem Jahr sei ein Zukauf in Amerika geplant, sagte Ring. "Wir haben bereits Kontakte." Ein bis zwei Milliarden Euro wolle EADS dafür ausgeben.

Im vergangenen Jahr blieb das Militärgeschäft noch der wichtigste Gewinnbringer: Mit 457 Millionen Euro steuerte die Sparte anderthalb Mal so viel zum operativen Ergebnis des Konzerns bei wie die größte Tochter Airbus. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen, Abschreibungen und außerordentlichen Posten - bei EADS als EBIT bezeichnet - kletterte konzernweit auf 1,2 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Verlust von 322 Millionen Euro gestanden.

la/dpa-afx
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