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Airbus contra Boeing: Die umkämpften Tankflieger im Vergleich

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Michael Machatschke

EADS Ende aller Illusionen

Ein Jahrhundertauftrag in den USA sollte EADS eine neue Welt aufstoßen. Der jetzt geplatzte Tankerdeal markiert das Gegenteil: Der europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern gerät an Grenzen und scheitert am Protektionismus der USA. Von den alten Visionen bleibt wenig bis nichts.

Hamburg - Es wäre so schön gewesen: EADS, der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern, liefert Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte und entert damit den größten Militärmarkt der Welt. Nun bekommt doch der US-Rivale Boeing den Zuschlag - ein schwerer Treffer für EADS und noch mehr als das. Der geplatzte Tankerdeal entlarvt entscheidende strategische Visionen des deutsch-französischen Konzerns als pure Illusion.

Mit dem Tankerauftrag sollte der Nachweis geführt werden, dass EADS  seine Rüstungsgüter in aller Welt verkaufen kann und nicht nur vorrangig in Europa. Überlegene Qualität setze sich am Ende gegen nationalen Protektionismus durch, so die kühne These. Die US-Erfahrung aber zeigt: Das nationalistische Denken ist gerade im Militärgeschäft vitaler denn je.

Man muss sich nur noch einmal die Genese des Tankerauftrags vor Augen halten. Da hat EADS die Ausschreibung zunächst überlegen gewonnen. Dann wird der Zuschlag auf Betreiben des heimischen Anbieters Boeing  zurückgenommen. Zwischenzeitlich war von einer Teilung des Auftrags die Rede. Jetzt bekommt Boeing die ganze Order - letztlich nur, weil der Konzern amerikanisch ist.

Das US-Beispiel lehrt: Staatsaufträge gehen an die eigene Industrie

Was für die USA gilt, gilt auch anderswo: Staatsaufträge gehen an die eigene Industrie. EADS aber verliert damit ein entscheidendes Stück Perspektive. Denn allein mit dem hiesigen Rüstungsgeshäft ist wenig zu gewinnen. Hier herrscht ein allgemeines Spardiktat, das sich bei Militärprojekten künftig noch viel härter bemerkbar machen dürfte.

Also verharrt EADS in der Abhängigkeit vom alten Stammgeschäft: den zivilen Flugzeugen der Tochter Airbus. Die ist zwar durchaus erfolgreich. Auch verzeichnet die Luftfahrt insgesamt eine erstaunlich robuste Dauerkonjunktur. Doch die permanenten Großrisiken wie beim Pannen-Airbus A380 verhindern ein wahrhaft gedeihliches Geschäft.

Die Konsequenzen der beschränkten Perspektive zieht dieser Tage Daimler . Der Stuttgarter Konzern will seinen Restanteil an EADS schleunigst loswerden. Das hat gewiss auch eigene strategische Gründe; Konglomerate sind an der Börse nicht mehr gefragt, Daimler soll und will sich ganz aufs Fabrizieren von Autos konzentrieren. Und doch belegt der Ausstiegsplan, dass EADS an Strahlkraft verloren hat. Besäße EADS eine ähnliche Aura wie Apple oder Facebook, Daimler würde gewiss keinen hastigen Rückzug antreten.

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