MTU Aero Engines Mächtige Fonds wollen absahnen

Sechs Jahre nach dem Börsengang präsentiert sich MTU Aero Engines  selbstbewusst und signalisiert Anlegern einen klaren Wachstumskurs. Doch die guten Renditen zu halten, dürfte ein kleines Kunststück werden. Die Fonds drängen auf höhere Ausschüttungen.
Von Cornelia Knust
Triebwerk bereit zur Auslieferung: Kein Geschäft für Ungeduldige

Triebwerk bereit zur Auslieferung: Kein Geschäft für Ungeduldige

Foto: MTU

München - Der Triebwerkshersteller MTU will mit einer Erhöhung der Dividende gute Stimmung machen. Ein Ausschüttungsanteil von 40 Prozent des Jahresüberschusses sei auch für die folgenden Jahre geplant, sagte Finanzvorstand Reiner Winkler am Rande der Bilanzpressekonferenz.

Offenbar haben die großen Investmentfonds, die an MTU Aero Engines  beteiligt sind (zum Beispiel Capital Group mit 10 Prozent, Black Rock mit 5 Prozent), in dieser Richtung Druck gemacht. MTU-Vorstandschef Egon Behle sagte, die Dividendenerhöhung auf 1,10 Euro je Aktie sei als Signal dafür gedacht, wie positiv das Unternehmen die Geschäftsentwicklung der nächsten Jahre sehe und wie viel Wachstumspotenzial es habe.

Tatsächlich hat das Unternehmen auf dem Markt des zivilen Triebwerksgeschäfts viel Erfolg und erarbeitet sich in den Triebwerkskonsortien die Verantwortung für immer anspruchsvollere Bereiche der Antriebe. "MTU ist am Markt breiter positioniert", schwärmte Behle.

Doch für das Ergebnis ist dies zunächst einmal keine gute Nachricht. Im Neugeschäft mit zivilen Triebwerken wird in den ersten Jahren kein Geld verdient, erst im Ersatzteilgeschäft fließen hohe Renditen, die Gewinnschwelle wird in der Regel aber erst nach 15 Jahren erreicht.

Kaum Personalaufbau in Deutschland

Insofern muss MTU vorsichtig sein, sich nicht mit zu hohen Entwicklungs- und Fertigungsanteilen an den Triebwerksprogrammen für Verkehrsflugzeuge zu beteiligen und auch nicht an zu vielen Programmen gleichzeitig, wie Winkler erklärte. Denn die damit verbundenen hohen Entwicklungsaufwendungen und der Hochlauf der Fertigung führen zu hohen Belastungen. Gleichzeitig sichert aber die Teilnahme an möglichst vielen Programmen das lukrative Ersatzteilgeschäft der Zukunft. "Die Kunst ist, das richtig zu steuern", sagte Winkler.

Bislang kam Ausgleich aus dem von Anfang an sehr rentierlichen Erstgeschäft mit militärischen Triebwerken und ihrer Wartung. Doch die Einsparungen im deutschen Verteidigungsetat führen schon jetzt zu sinkenden Umsätzen in dieser Sparte. Behle sagte, im Jahr 2020, wenn sich der Umsatz von MTU laut seinen Planungen auf sechs Milliarden Euro verdoppelt haben soll, werde das absolute Volumen des Militärgeschäfts wohl nicht höher sein als heute; sein prozentualer Anteil von heute knapp 18 Prozent am MTU-Konzernumsatz werde demnach weniger als 10 Prozent betragen.

Um sich von dieser Entwicklung etwas abzukoppeln, hatte der Triebwerkskonzern in den vergangenen Jahren das Geschäft mit der Instandhaltung ziviler Triebwerke stark vorangetrieben und die Kapazitäten dafür weltweit ausgebaut - mit Erfolg. Doch hier sind die Umsatzrenditen viel geringer.

Parallel fährt MTU unter Namen wie "Challenge" oder "Progress" jedes Jahr neue Kostensparprogramme. Eine neue Fabrik in Polen, die 2009 angelaufen ist, hat die Verlagerung von technisch weniger anspruchsvollen Triebswerksschaufeln an einen kostengünstigen Standort ermöglicht. Ein Wachstum des Personals in Deutschland ist trotz des hohen Auftragsbestands nur in geringem Umfang geplant, wie Behle versicherte. 6800 der 7900 Mitarbeiter arbeiten in Deutschland, davon 4500 in München. Der Anteil der Leiharbeiter betrage im Schnitt 5 bis 6 Prozent der Belegschaft, sagte Winkler.

Keine Angst vor hohem Ölpreis

In diesem komplizierten Umfeld schlägt sich die Aktie der MTU, die 2005 vom Finanzinvestor KKR an die Börse gebracht wurde, ganz passabel. Binnen Jahresfrist hat der Kurs um 30 Prozent zugelegt. Heute war er allerdings unter Druck, vermutlich aufgrund der Unsicherheit über den Ölpreis und seine Auswirkungen auf die Fluggesellschaften und Flugzeughersteller.

MTU-Chef Behle reagierte erstaunlich gelassen auf die politischen Unruhen in den ölproduzierenden Ländern: "Ich glaube, dass sich das nach einer Zeit des Übergangs beruhigt und dass aus der Demokratisierung dieser Länder neues Wachstum und neue Chancen auch für den Luftverkehr entstehen". Auch ohne die politischen Wirren sei es klar gewesen, dass der Ölpreis steigen werde, schon aufgrund der hohen Energienachfrage in Asien. Damit steige die Nachfrage nach sparsamen Triebwerken, wie MTU sie zum Beispiel mit dem neuen Getriebefan anbiete.

Vermutlich hat der Aktienkurs aber auch auf den eher gedämpften Ausblick reagiert, den Behle für das laufende Jahr gab. So sagte er zwar für 2011 voraus, dass der Umsatz um 7 bis 8 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro wachsen werde und mit dieser Rate auch in den Folgejahren. Doch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern und der bereinigte Jahresüberschuss sollen lediglich stabil bleiben.

Erst 2012, wenn der Aufwand für Forschung und Entwicklung (F+E) wieder etwas sinkt, die Serienanläufe neuer Triebwerke durch sind und die Kostensparprogramme greifen, werde der Gewinn deutlich zulegen, sagte Behle. Ein F+E-Anteil von 5 bis 7 Prozent sei aber auch in normalen Jahren notwendig für ein technologiegetriebenes Triebwerksunternehmen wie MTU.

Entwarnung beim Thema A400M

Zum Thema "Übernahme eines Wettbewerbers" wie Fiat Avio und Volvo Aero äußerte sich Behle aufgeschlossen. Wenn sich die Eigentümer dieser Unternehmen von ihren Beteiligungen trennen wollten, dann vermutlich jetzt in einer guten Marktphase. Eine Übernahme im Wert von 1 bis 1,5 Milliarden Euro könne MTU ohne größere Schwierigkeiten stemmen, ergänzte Winkler. Es sei aber nichts konkret.

Zu der Gefahr, selbst Opfer einer Übernahme zu werden, sagte Behle, da sei er überhaupt nicht beunruhigt. Im Herbst 2009 hatte man noch nach einem Ankeraktionär gesucht, später aber verkündet, dass man ihn angesichts der stabilen Beteiligung großer Fonds doch nicht brauche.

Entwarnung gab der MTU-Vorstand auch beim Thema Militärtransporter A400M, der mit großer Verzögerung ausgeliefert wird. Das Triebwerkskonsortium und der Flugzeughersteller Airbus hatten sich gegenseitig mit Schadensersatzforderungen bedroht. Offenbar glaubt MTU jetzt, dass da nicht mehr viel auf das Unternehmen zukommt.

Jedenfalls wurde das zugehörige Triebwerksprogramm TP 400, das man Ende 2009 aufgrund einer Abschreibung noch mit minus 45 Millionen Euro in den Büchern hatte, nun wieder etwas aufgewertet. Jetzt stehe es bei einem Wert von null, sagte Winkler: "Schön ist das immer noch nicht".

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