Montag, 16. September 2019

Süd-Chemie Clariant beendet Übernahmekrimi

Das Süd-Chemie Werk in Moosburg: Bald Standort der Schweizer Clariant

Was 2005 als feindliche Übernahme durch den Finanzinvestor OEP begann, endet dort, wo es enden musste: Im Verkauf der Süd-Chemie an einen größeren Konzern - das, was eigentlich nie passieren sollte. Immerhin haben alle daran Geld verdient. Und OEP kann endlich Vollzug melden.

München - Die Form wird gewahrt, auch ganz zum Schluss. Der Finanzinvestor, die Altgesellschafter, das Münchener Unternehmen - alle bedenken sich mit freundlichen Worten. "OEP hat sauber gearbeitet", sagt der Süd-Chemie-Sprecher. "Das Unternehmen geht in einer gestärkten Position in diesen Verkauf", lobt ein OEP-Sprecher. "Wir bleiben dem Unternehmen weiterhin eng verbunden", beteuern die Altaktionäre, die mit OEP zusammen aussteigen und ihre Unternehmensanteile dem Schweizer Clariant-Konzern übergeben - nicht gegen Cash wie OEP, sondern gegen Clariant-Aktien.

Der Süd-Chemie-Chef Günter von Au lobt sich selbst. Hervorragend habe sich das Unternehmen - ein Anbieter von chemischen Katalysatoren und Adsorbentien - in den vergangenen Jahren entwickelt und beständig in Wachstumsbereiche investiert. Er sei überzeugt, die aussichtsreichen Geschäfte auch im Clariant-Konzern weiterverfolgen zu können.

Schon wird darüber spekuliert, von Au, der dieses Jahr 60 wird, könne in den Verwaltungsrat von Clariant einziehen. Doch Zusagen, Garantien gibt es offensichtlich nicht, nur eine berechtigte Hoffnung, als eigenständiger Geschäftsbereich unter dem Clariant-Dach weiterzuleben, da sich beide Häuser wenig überschneiden.

"Abschied mit Ansage"

Doch die Selbständigkeit ist hin. Spätestens im Frühsommer 2007, kurz vor der 150-Jahr-Feier der Süd-Chemie im Nymphenburger Schloss musste es auch dem letzten klarwerden, dass es so enden würde. Da ließ ausgerechnet die ehrwürdige Messerschmitt-Stiftung, die sich dem Schutz von Denkmälern verschrieben hat, die Bombe platzen.

Stiftungschef Hans Heinrich von Srbik hatte unterschrieben, jene 10,14 Prozent Süd-Chemie-Anteile zu verkaufen, die dem Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) die Stimmrechtsmehrheit am Münchener Spezialchemieunternehmen verschafften. Bei der Hauptversammlung im Mai 2008 übernahm OEP mit drei Sitzen im Aufsichtsrat die Kontrolle.

Dennoch blieb die OEP behutsam und geduldig, gerierte sich wie ein Mehrheitseigentümer ohne Mehrheit. Auch der Vorstand der Süd-Chemie formulierte stets so, als diene er immer noch einem unabhängigen Familienunternehmen. Im emotional aufgeladenen Umfeld traditionsreicher Mittelständler tun Finanzinvestoren ja mittlerweile öfter so, als seien sie gar nicht da.

Noch Mitte 2005 hatte alles nach Krieg ausgesehen. Die OEP hatte von Allianz, Bayerischer Landesbank und Possehl-Stiftung in einem Überraschungscoup zusammen 39 Prozent am Süd-Chemie-Kapital erworben und den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht. Die waren schockiert und lehnten ab. Auch Srbik hatte dem Investor damals noch ziemlich selbstbewusst die Tür gewiesen: "Mit 35 Euro, da können sie heimgehen", sagte Srbik damals. "Für so einen geringen Aufschlag beendet man keine zwanzigjährige Zusammenarbeit".

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