Probleminvestments US-Kraftwerke kosten ThyssenKrupp viel Geld

Die Kosten für neue Stahlwerke in Amerika bremsen ThyssenKrupp aus. Die Belastungen durch Steel America sind noch höher als befürchtet, die Nettofinanzschulden steigen um zwei Milliarden Euro. Der neue Konzernchef Heinrich Hiesinger will mit Einsparungen gegensteuern.
Stahlproduktion bei ThyssenKrupp: Geschäft zieht im Aufschwung an

Stahlproduktion bei ThyssenKrupp: Geschäft zieht im Aufschwung an

Foto: INA FASSBENDER/ REUTERS

Düsseldorf - Für den größten deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp werden die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA immer mehr zum Bremsklotz. Hohe Belastungen durch die Anlagen sorgten im ersten Quartal für einen Gewinneinbruch.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger kündigte am Freitag an, dass sich die Verluste in der Sparte Steel Americas im Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende September) wohl auf einen höheren statt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag belaufen werden.

Schon unter Vorgänger Ekkehard Schulz waren die Kosten für die zusammen fast zehn Milliarden Euro teuren Werke aus dem Ruder gelaufen. Hiesinger will mit weitere Einsparungen und Verkäufe von Unternehmensteilen nun gegensteuern.

Prognose bestätigt - Aktie gibt dennoch deutlich nach

Die Aktie war zeitweise mit einem Minus von knapp 3 Prozent größter Verlierer im Dax. Dabei läuft es in anderem Bereichen so rund, dass Hiesinger trotz des erneuten Dämpfers aus Amerika die Prognose bestätigen konnte. Operative Verbesserungen und die Erholung der Märkte würden die Belastungen mehr als kompensieren.

"Wir registrieren eine erfreuliche konjunkturelle Belebung mit einer sehr dynamischen Preis- und Mengenentwicklung im Werkstoff- und Komponentengeschäft", sagte der Manager, der vor drei Wochen das Ruder übernommen hatte.

Im Geschäftsjahr will ThyssenKrupp  den Umsatz um zehn bis 15 Prozent und den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf rund zwei Milliarden Euro nach 1,2 Milliarden Euro steigern.

Nettofinanzschulden steigen auf knapp 6 Milliarden Euro

Trotz einer deutlichen Umsatzsteigerung, einer Verdopplung des operativen Gewinns im europäischen Stahlgeschäft und der Rückkehr der Edelstahlsparte in die Gewinnzone fiel der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 80 Prozent auf 273 Millionen Euro. Unter dem Strich schmolz der Gewinn sogar um 94 Prozent auf 101 Millionen Euro.

Hauptursache war die Sparte Steel Americas, die einen Verlust von 378 Millionen Euro einfuhr. Vor allem in Brasilien gibt es Probleme. ThyssenKrupp kämpft dort mit Pannen und Mängeln an einer Kokerei, was die Kosten für Reparaturen, Koks und Energie treibt. Die Klage von Anwohnern wegen Staubemissionen hat die Behörden auf den Plan gerufen. Die Nettofinanzschulden schossen im Auftaktquartal um rund zwei Milliarden auf 5,8 Milliarden Euro in die Höhe.

Auch hierbei spielten ThyssenKrupp zufolge der hohe Finanzbedarf für die neuen Stahlwerke und ein wegen der gestiegenen Nachfrage erforderlicher Aufbau von Vorräten eine wesentliche Rolle. Die Kosten für Eisenerz und Kokskohle waren 2010 explodiert.

"Anlaufschwierigkeiten" in Brasilien

Die Probleme in Amerika seien eine Enttäuschung, sagte UniCredit-Analyst Christian Obst. Es entwickele sich zu einer unendlichen Geschichte. Steubing-Stahlexperte Michael Broeker konnte den Quartalszahlen positive Seiten abgewinnen. "Anlaufschwierigkeiten in Brasilien sind nicht erfreulich. Aber wenn die Verluste in Amerika höher sind, aber die Gesamtprognose gehalten wird, muss das heißen, es läuft im Rest vom Konzern irgendwo besser."

Vor allem im europäischen Stahlgeschäft erwartet ThyssenKrupp wie auch Weltmarktführer ArcelorMittal weiter eine hohe Nachfrage. "Der Weltstahlmarkt bleibt aufwärts gerichtet", hieß es im Geschäftsbericht. Der Aufschwung bei wichtigen Abnehmern wie Automobilindustrie und Maschinenbau werde sich fortsetzen. Bis Mitte des Jahres will Hiesinger seine Strategie vorlegen.

kst/dapd/rtr
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