Dienstag, 21. Mai 2019

Heidelberger Druck Heideldruck dehnt Kurzarbeit wieder aus

Heidelberger-Druck-Chef Schreier: "In den USA geht die Erholung nur langsam voran"

Der weltgrößte Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck kommt nur langsam aus der Krise und wird in den kommenden Monaten die Kurzarbeit in seinen Werken wieder ausweiten. Trotz operativ schwarzer Zahlen im abgelaufenen Quartal rechnet der Konzern erst im nächsten Geschäftsjahr wieder mit einem Gewinn.

Heidelberg - "Die Krise der Druckmaschinenindustrie ist überwunden, aber der Aufschwung läuft verhalten", sagte Finanzchef Dirk Kaliebe am Mittwoch in Heidelberg. In einigen Bereichen sei die Auslastung der Produktion trotz vermehrter Bestellungen neuer Bogendruckmaschinen noch nicht ausreichend, um ohne Kurzarbeit über die Runden zu kommen, betonte Vorstandschef Bernhard Schreier.

Ab März schickt Heideldruck daher Teile der Belegschaft erneut in Kurzarbeit. Der vor knapp zwei Jahren mit Staatshilfe vor dem Aus gerettete Konzern sieht sich aber auf gutem Weg, nach Stellen- und Schuldenabbau im nächsten Geschäftsjahr 2011/12 aus den Verlusten herauszukommen und in den Folgejahren wieder eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften.

Auf dem Weg zurück in die Gewinnzone erreichte der Branchenführer mit einem Weltmarktanteil von gut 40 Prozent im zurückliegenden Quartal ein Etappenziel: Erstmals im laufenden Geschäftsjahr wurden operativ schwarze Zahlen verbucht, was die Börse mit einem deutlichen Kursaufschlag der Aktie Börsen-Chart zeigen um 5,2 Prozent auf 3,94 Euro honorierte.

Mit Rückenwind durch die anziehende Konjunktur und dank des eingeschlagenen Sparkurses wurde im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2010/11 (31. März) ohne Berücksichtigung von Sondereffekten ein Betriebsergebnis von 15 Millionen Euro eingefahren. Vor Jahresfrist hatte der mit Koenig & Bauer, Manroland sowie den Japanern Ryobi und Komori konkurrierende Maschinenbauer noch einen Betriebsverlust von 13 Millionen Euro verbucht.

Erholung in den USA nur zögerlich

Auch das im März endende Schlussquartal soll vor Sondereffekten positiv ausfallen, um im Gesamtjahr nach langer Durststrecke erstmals wieder ein ausgeglichenes Betriebsergebnis vorweisen zu können, bekräftigte Finanzchef Kaliebe. In den zurückliegenden zwei Geschäftsjahren hatte HeidelDruck operativ und nach Steuern rote Zahlen geschrieben, da die Druckereien wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise kaum neue Maschinen zum Druck von Büchern, Katalogen, Broschüren, Kalendern oder Verpackung kauften. Seit Mitte vergangenen Jahres gehen wieder mehr Bestellungen ein, da die Druckereien vor allem in Asien und Südamerika gut ausgelastet sind.

"Dank des stabilen Wachstums der Weltwirtschaft sind wir im dritten Quartal beim Auftragseingang in allen Regionen und in allen Sparten gewachsen", sagte Vorstandschef Schreier. In dem für Heidelberger Druck wichtigen US-Markt gehe die Erholung aber nur langsam vonstatten, räumte Schreier ein. Die Druckereien dächten dort noch nicht an Erweiterungsinvestitionen, um künftig mehr Aufträge abwickeln zu können.

In Deutschland seien die Druckereien hingegen wieder gut ausgelastet und bestellten neue, leistungsfähigere Maschinen. Weltweit legte der Auftragseingang im zurückliegenden Quartal um zwölf Prozent auf 684 Millionen Euro zu, der Umsatz erhöhte sich von Oktober bis Dezember binnen Jahresfrist um 19 Prozent auf 687 Millionen Euro. Den Vorjahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro will Heideldruck im laufenden Geschäftsjahr moderat überbieten.

Die Gewinnschwelle werde durch die Verschlankung des Konzerns und der Streichung tausender Stellen nun schon bei einem Umsatz von 2,4 bis 2,5 Milliarden Euro erreicht, rechnete Konzernchef Schreier vor. Vollbeschäftigung für die weltweit knapp 16.000 Beschäftigten ist aber erst bei einem Jahresumsatz von mindestens 2,8 Milliarden Euro gegeben.

mg/dpa-afx/rtr

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