Sonntag, 20. Oktober 2019

Siemens Gewinner des Booms

Siemens-Chef Peter Löscher: Allein die Aufträge aus Indien legten um 160 Prozent zu

Deutschlands Wirtschaft ist gut in das neue Jahr gestartet, der größte hiesige Industriekonzern Siemens marschiert vorne weg. Vor allem dank des Geschäfts mit Kraftwerken und Zügen ist die Siemens-Bilanz zur Boom-Bilanz geworden. An der Börse steigt der Siemens-Aktienkurs auf ein Zweijahreshoch.

München - Der Elektrokonzern Siemens Börsen-Chart zeigen ist besser in sein neues Geschäftsjahr gestartet als gedacht. Getragen von einer regen Nachfrage für Kraftwerke, Antriebstechnik und Züge kletterten Bestellungen, Erlöse und Gewinn kräftig. "Auftragseingang und Umsatz wachsen in allen Regionen, besonders in den Schwellenländern. Wir sind voll auf Kurs, unsere für 2011 gesteckten Ziele zu erreichen", sagte Vorstandschef Peter Löscher am Dienstag.

Mit 92 Milliarden Euro ist das Auftragspolster des Konzerns dick wie nie, deshalb könnten sich Lieferzeiten in einzelnen Bereichen verlängern, wie Löscher andeutete. Der Ausblick für das Geschäftsjahr steht und operativ lief es fast überall rund. Händler und Analysten waren größtenteils positiv überrascht von den Zahlen. Die Aktie gewann am Vormittag mehr als 2 Prozent.

Das zeigte auch Folgen an der Börse: Der Kurs der Siemens-Aktie stieg auf den höchsten Stand seit Januar 2008. Gegen 9.30 Uhr kletterten die Papiere des Elektrokonzerns um 1,48 Prozent auf 95,24 Euro. Mit 96,00 Euro wurde in den ersten Minuten des heutigen Handelstages der höchste Siemens-Kurs seit 24 Monaten gehandelt.

Besonders viele neue Aufträge kamen im Energiegeschäft herein. Hier kletterten die Bestellungen um mehr als ein Viertel. Das margenstarke Geschäft mit den klassischen, fossilen Generatoren und Kraftwerken setzte seine Erholung fort und war zudem für eine Reihe von Großaufträgen gut. In der Krise war gerade das Geschäft mit Großprojekten wie Kraftwerken schleppend verlaufen.

Auch das Mobilitätsgeschäft, im dem Siemens etwa seine Bahngeschäft führt, macht dem Konzern derzeit Freude. Das Ergebnis im Industrie-Geschäft überschritt die Marke von einer Milliarde Euro. Ein wichtiger Wachstumstreiber war wieder die Lichtsparte Osram, die vom Boom der LEDs profitiert.

Gewinn mit Technik für erneuerbaren Energien sinkt

Weniger glänzend, aber immer noch gut lief es im Geschäft mit den erneuerbaren Energien, zu dem die Windkraftanlagen gehören. Höhere Kosten für Forschung und Marketing drückten auf die Gewinnmarge. Zudem kamen weniger Aufträge als noch vor einem Jahr herein. Damals hatte der Konzern besonders viele Großaufträge verbucht. Dank steigender Umsätze kletterte aber auch hier der Gewinn. In der Gesundheitssparte drückten höhere Kosten und ein im Diagnostikgeschäft ungünstiger Umsatzmix auf den Gewinn.

Das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) lieferte einen Lichtblick: Hatte das Sorgenkind sonst regelmäßig für Abschreibungen gesorgt, brachte es nun immerhin einen Gewinn von 18 Millionen Euro. Für erwartete Abschreibungen von 136 Millionen Euro sorgte die jüngst verkaufte IT-Sparte SIS.

Wenig überraschend bekräftige der Konzern seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2010/2011 (30.9.). Demnach soll der Auftragseingang um fünf bis zehn Prozent steigen. Auch der Umsatz soll ohne Zukäufe wieder moderat wachsen. Das Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten soll sich um mindestens 25 bis 35 Prozent verbessern.

Die Bestellungen stiegen auf vergleichbarer Basis im Zeitraum von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 22,588 Milliarden Euro. Der Umsatz legte halb so stark auf 19,489 Milliarden Euro zu. Das Sektorenergebnis, in dem sich das Ergebnis der drei Kerngeschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit widerspiegelt, stieg um ebenfalls 6 Prozent auf 2,229 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,753 Milliarden Euro. Mit den Zahlen übertraf Siemens im Großen und Ganzen die Schätzungen der von dpa-AFX befragten Analysten. Lediglich im Ergebnis der Gesundheitssparte hatten sich die Experten mehr erhofft, allerdings berichtet Siemens hier das Diagnostik-Geschäft nun separat.

mg/kst/rtr/dpa-afx/afp

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