ThyssenKrupp-Chef Schulz Karriereende für dienstältesten Dax-Chef

Ekkehard Schulz widmete ThyssenKrupp sein Leben. Während seiner fast 40-jährigen Laufbahn bei dem Stahl- und Industriegüterkonzern meisterte er zahlreiche Stahlkrisen, scheiterte aber bei wichtigen Übernahmen. Zum Ende seiner Karriere konnte sich der 69-Jährige einen Herzenswunsch erfüllen.
Scheidender ThyssenKrupp-Chef Schulz: Der Manager fing 1972 bei dem Vorgängerunternehmen Thyssen-Niederrhein AG an

Scheidender ThyssenKrupp-Chef Schulz: Der Manager fing 1972 bei dem Vorgängerunternehmen Thyssen-Niederrhein AG an

Foto: DPA

Essen - Der scheidende Chef des Stahl- und Industriegüterkonzerns ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, durfte im vergangenen Jahr gleich zwei neue Stahlwerke in Brasilien und den USA eröffnen. Ein seltenes Gefühl für den dienstältesten Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Konzerns.

Denn die lange Laufbahn des 69-Jährigen war von vielen Stahlkrisen im Ruhrgebiet mit zahlreichen Hüttenschließungen geprägt. Auch die jüngste Wirtschaftskrise traf sein Unternehmen hart, doch inzwischen ist sie abgehakt. Im Auftaktquartal des neuen Geschäftsjahres konnte ThyssenKrupp  den Umsatz steigern, der Gewinn stagnierte allerdings.

Schulz hat eine Bilderbuchkarriere gemacht. 1972 begann der Sohn eines Bankdirektors nach dem Studium des Eisenhüttenwesens als Vorstandsassistent bei der damaligen Thyssen-Niederrhein AG. Es folgte ein geradliniger Weg nach oben.

Im Jahr 1991 wurde er Chef der Stahlsparte bei Thyssen - und musste gleich eine tiefe Stahlkrise meistern. Der fielen rund 23.000 der zunächst noch 58.000 Stellen zum Opfer. Arbeitnehmervertreter bescheinigten ihm einen "harten, aber fairen" Umgangsstil.

Schulz tat sich schwer mit der Fusion von Thyssen und Krupp

Der Wandel der Stahlbranche zog sich durch die gesamten 90er Jahre. Schließlich fusionierten die beiden Erzrivalen Thyssen und Krupp im Jahr 1999. Schulz bildete zusammen mit Krupp-Mann Gerhard Cromme eine Doppelspitze für zweieinhalb Jahre. Als Cromme sich in den Aufsichtsrat zurückzog, wurde Schulz alleiniger Vorstandschef und trat damit aus dem Schatten des langjährigen Krupp-Managers.

Die Integration der beiden Konzernteile dauerte lange. Ein klarer Kurs war nicht immer zu erkennen - es gab zahlreiche Zu- und Verkäufe. Bei der wichtigsten geplanten Übernahme scheiterte Schulz. ArcelorMittal  schnappte ihm 2007 den kanadischen Flachstahlhersteller Dofasco vor der Nase weg.

Beim Einstieg in den amerikanischen Markt setzte Schulz auf Neubauten in Brasilien und Alabama. Das wurde teuer - auf rund neun Milliarden Euro beliefen sich schließlich die Kosten.

Betriebsrat: "Er hat nie mit der Axt gearbeitet"

Und dann kam die Wirtschaftskrise, Aufträge brachen weg. Der Konzern stürzte in die roten Zahlen. Und es dauerte, bis Schulz reagierte und die ersten Hochöfen stilllegte. Doch dann zeigte er Entscheidungskraft, wie ihm etwa Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer bescheinigt. Er baute ThyssenKrupp  um, verordnete dem Konzern eine schlankere Struktur und verkaufte mehrere Geschäftsfelder.

Die Zahl der Mitarbeiter sank so von rund 200.000 vor der Krise auf aktuell noch gut 175.000. Das gelang ihm nach anfänglichen Verstimmungen im Einklang mit den Beschäftigten, wie Betriebsratschef Thomas Schlenz bestätigt. "Er hat nie mit der Axt gearbeitet und die Mitbestimmung als positiv empfunden." Inzwischen schreibt ThyssenKrupp wieder Gewinne, die Stahlproduktion läuft auf Hochtouren.

Bis zum Schluss drückte Schulz dem Unternehmen seinen Stempel auf und verordnete zuletzt noch der angeschlagenen Edelstahlsparte einen mehrjährigen Umbau. Sein Nachfolger, der von Siemens  geholte Manager Heinrich Hiesinger, hat nun die Aufgabe, die Technologiesparte auszubauen, die das zyklische Stahlgeschäft ausgleichen soll.

Ekkehard Schulz wird dem Konzern als Aufsichtsrat erhalten bleiben. Zudem wird er Kurator bei der Krupp-Stiftung, dem Ankeraktionär des Unternehmens. Dem alten Thyssen-Mann bedeutet das viel - es ist die Adelung durch den 97 Jahre alten Krupp-Patriachen Bertold Beitz.

mg/dpa-afx
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