Siemens Von Pierer droht Gerichtsverfahren

Dem ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer droht offenbar im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal ein Gerichtsverfahren. Das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC ermitteln einem Medienbericht zufolge gegen ihn und weitere 40 Topmanager des Technologiekonzerns.
Ex-Siemens-Chef Von Pierer: Der ehemalige Topmanager bestreitet, von den Vorkommnissen in seinem Haus etwas gewusst oder sogar mitgemacht zu haben

Ex-Siemens-Chef Von Pierer: Der ehemalige Topmanager bestreitet, von den Vorkommnissen in seinem Haus etwas gewusst oder sogar mitgemacht zu haben

Foto: Z1020 Martin Schutt/ dpa

München - Von den neuen Ermittlungen in den USA sei auch der langjährige Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer betroffen, heißt es in einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Er gehöre zu einem Kreis von derzeit 40 ehemaligen Siemens-Verantwortlichen, gegen die das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC mit viel Aufwand ermitteln.

Es gehe unter anderem um Vorgänge in Argentinien: Rund um einen Auftrag der damaligen Regierung unter Staatspräsident Carlos Menem an Siemens  sollen Schmiergelder in Millionenhöhe geflossen sein. Der Münchener Konzern sollte für das Land fälschungssichere Ausweise herstellen. Das Projekt sei aber nicht zustande gekommen, heißt es in dem Bericht. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.

Wegen der Vorkommnisse in dem südamerikanischen Staat bereitet die Münchener Staatsanwaltschaft nach Informationen der Zeitung eine Anklage gegen Uriel Sharef vor, der einst im Zentralvorstand von Siemens für Südamerika-Geschäfte zuständig war. Auch dem ehemaligen Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger könnte noch in diesem Jahr eine Anklage zugestellt werden. Er hatte beruflich mit Ausläufern des Argentinien-Falles zu tun.

Als erstes früheres Mitglied des Zentralvorstandes steht vom 20. Januar an Thomas Ganswindt vor Gericht. Er soll von Schmiergeldzahlungen gewusst und sie geduldet haben.

Von Pierer soll Aufsichtspflichten fahrlässig verletzt haben

Ex-Siemens-Chef Von Pierer bestreitet indes weiter, von den schmutzigen Vorkommnissen in seinem Haus etwas gewusst oder sogar mitgemacht zu haben. In seiner Autobiografie "Gipfel-Stürme", die er am kommenden Montag in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert, will er sich kurz vor seinem 70. Geburtstag auch zur Korruptionsaffäre bei Siemens äußern. Im vergangenen Jahr hatte er einen Bußgeldbescheid der Münchener Justiz akzeptiert und nach "SZ"-Informationen eine Viertelmillion Euro gezahlt; die Summe war bisher nicht bekannt gewesen.

In dem Bescheid heißt es, Von Pierer habe seine Aufsichtspflicht fahrlässig verletzt und das Unternehmen "erheblichen wirtschaftlichen Risiken" ausgesetzt. Der Manager habe nicht angemessen auf Hinweise zweier Siemens-Geschäftsführer reagiert, die sich geweigert hatten, dubiose Millionenzahlungen "ohne Rechtsgrund" nach Argentinien zu tätigen. Pierer bezeichnet ihn belastende Aussagen als "nicht glaubwürdig".

Zu Von Pierers Gunsten berücksichtigte die Staatsanwalt, dass er freiwillig in einem Vergleich mit Siemens - ohne Schuldanerkenntnis - fünf Millionen Euro gezahlt habe und in den vergangenen Jahren "einer negativen Berichterstattung ausgesetzt" war.

Aus den Ermittlungen der US-Spezialisten entsteht für die Betroffenen eine neue Gefahr: Sie recherchierten offenbar zunächst bei rangniedrigen ehemaligen Siemens-Mitarbeitern, um mit diesen Erkenntnissen frühere Topmanager belangen zu können. Zwar hatten sich das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht vor gut zwei Jahren mit Siemens gegen Zahlung von 800 Millionen Dollar auf einen Vergleich geeinigt. Doch das betraf nur das Unternehmen. Eine Vertragsklausel legte fest, dass die US-Behörden weiter gegen einzelne Personen ermitteln dürfen.

mg/dpa-afx

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.