Sonntag, 25. August 2019

Osram Emotionen mit Beleuchtung

Lichtstelen vor dem Osram-Sitz: Wo geht's weiter?

Der Lampenhersteller Osram hat mit der neuen LED-Technik Großes vor. Die Muttergesellschaft Siemens ringt noch mit sich, ob sie die nötigen Investitionen selber trägt oder den Fremdkörper Osram abstößt. Die Börsenstory wäre vermutlich glänzend.

München - Martin Goetzeler verschenkt gerne Licht. Zum 200. Geburtstag des Oktoberfests im vergangenen Oktober spendierte der Osram-Chef der Stadt München eine abendliche Lichtshow am Hügel über der Festwiese. Die Bronzestatue von Mutter Bavaria und die Ruhmeshalle dahinter verglühten schier unter dem Spektakel aus Lichtprojektoren und 8000 Leuchtdioden - in der Branche nur LED genannt, für Light Emitting Diode.

Seinen schlichten Unternehmenssitz aus Wirtschaftswunderzeiten hatte Goetzeler schon vorher mit sieben Stelen aus LED-Modulen umgeben, auf denen sich Videokünstler unablässig austoben. Der Stau auf dem Mittleren Ring nahe dem Tierpark Hellabrunn ist seitdem etwas weniger öde.

Die hundert Jahre alte Marke mit der Glühlampe hat sich der Langeweile entledigt und setzt auf große Emotionen. Im Investitionsgüterkonzern Siemens wird sie damit nicht heimischer. Die seit vielen Jahren kursierenden Gerüchte über eine Abgabe der Osram GmbH verdichten sich.

Sie ist nicht die einzige GmbH, aber die letzte eigenständige Marke im Konzern. Zwar gibt es im Vertrieb ein paar Synergien mit der Siemens-Gebäudetechnik. Doch Produkte für Endverbraucher machen einen Großteil des Geschäfts aus, wie ein Siemens-Sprecher bestätigt. Nur die 50-Prozent-Beteiligung an Bosch-Siemens-Hausgeräte ist noch ähnlich "konsumig". Und der Konzern will schließlich laut Vorstandschef Peter Löscher ein "grüner Infrastruktur-Pionier" sein.

"Diskurs über das Für und Wider im Zentralvorstand"

Kurz vor Weihnachten hatte Siemens die Sparte SIS nach Frankreich verkauft und den Rest an Krauss-Maffei der Eigentümerfamilie übergeben. Da hieß es plötzlich, jetzt wird bald Osram verkauft oder an die Börse gebracht. Quelle waren Finanzkreise. Im Osram-Aufsichtsrat wurde das Thema bisher nicht konkret; hier führt Siegfried Russwurm Regie, der neue Vorstand der Siemens-Sparte Industrie (33,7 Miliarden Euro Umsatz), zu der Osram nun zählt. "Wir kommentieren das nicht", sagt sein Sprecher zu den Gerüchten.

"Ich glaube, dass es stimmt", meint ein Insider. "Ich glaube aber, dass der Diskurs über das Für und Wider im Zentralvorstand noch nicht beendet ist". Kein Wunder. Osram ist eine Perle: Weltmarktführer für Licht neben General Electric und Philips. Flexibel, ertragsstark, zwar beunruhigend kurz in seinen Geschäftszyklen, aber krisenresistent, wie sich gezeigt hat.

Der Schock über die heftigen Auswirkungen der Finanzkrise (Umsatz- und Gewinneinbruch, weltweit 5000 Arbeitplätze weg, Kurzarbeit auf breiter Front, hohe Abschreibungen) hatte kaum Zeit zu wirken, da brummte bei Osram schon wieder das Geschäft. Im Geschäftsjahr 2010 (30. September) machte die stolze Tochter wieder 4,7 Milliarden Euro Umsatz (plus14 Prozent), also genauso viel wie vor der Krise.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen sprang von 89 auf 569 Millionen Euro. Mit demnach 12,2 Prozent Umsatzrendite war das Plansoll klar übererfüllt. Der weit überproportionale Gewinnsprung zeigte, wie stark der Hebel Stückzahl und Auslastung in diesem Geschäft ist.

Ob Osram auch bei der neuen internen Steuerungsgröße "Gewinn auf das eingesetzte Kapital" (englisch und abgekürzt Roce) gut abschneidet, dazu sagt Siemens nichts. Der Konzern weist nur den Querschnitt für all seine Geschäftsfelder aus: 10,4 Prozent. Gerade Osram-Chef Goetzeler wird sich aber bewusst sein, wie Töchter das in sie investierte Geld immer aufs neue rechtfertigen müssen - hatte er doch in den 90er Jahren unter Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann das Projekt "Geschäftswertbeitrag" geleitet, mit dem damals die Siemens-Geschäftsbereiche auf Linie gebracht werden sollten.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung