Montag, 18. November 2019

Osram Emotionen mit Beleuchtung

Lichtstelen vor dem Osram-Sitz: Wo geht's weiter?

3. Teil: Aktien statt Uhrengeschenk

Der Betriebswirt und Finanzierungsexperte aus München war nach vielen Stationen im Siemens-Konzern 1999 zu Osram gekommen und 2005 zum Vorsitzenden der Geschäftsführung avanciert. Von der Korruptionsaffäre war er nicht und Osram offenbar kaum belastet. Auf der Bilanzpressekonferenz 2006 sagte Goetzeler - ganz externer Beobachter - zu der Affäre: "Ich bin seit 25 Jahren im Konzern. Das bewegt mich sehr, was da vorgeht".

Dann wurde die Pressekonferenz abgeschafft. Die Sprecherfunktion abseits der Produkt-PR wanderte zu Siemens-Industrie nach Erlangen. Die Zahl der Osram-Geschäftsführer wurde von vier auf zwei gekappt, einen eigenen Technikchef gab es plötzlich nicht mehr. Sogar Details wie die Geschenkregelung für Jubilare wurden auf Siemens-Standard getrimmt: Statt des traditionellen Uhrengeschenks gibt es jetzt Aktien.

Ein Börsengang könnte das alles schlagartig verändern. Ein furioser Börsengang wie 1999 beim Halbleiterhersteller Infineon Börsen-Chart zeigen, damals angeführt von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, ließe sich im derzeit günstigen Kapitalmarktklima eventuell wiederholen, womöglich noch in diesem Jahr. Die Investmentbank will sich dazu allerdings nicht äußern, nicht einmal theoretisch.

"Etwas für technikaffine Kleinanleger"

Auch bei Siemens scheint Vorsicht geboten. Die Erinnerung ist noch frisch, wie Infineon nach dem schrittweisen Ausstieg von Siemens an internen Querelen ehemaliger Siemens-Manager fast zerbrochen ist. Auch mancher Aktionär sah sich getäuscht, in was für ein Risikopapier er da investierte.

Anders als die eher sperrigen Tochter Epcos (elektronische Baulemente), die Siemens ebenfalls 1999 an die Börse brachte, könnte man die Osram-Aktie wohlmöglich sogar technikaffinen Kleinanlegern nahebringen - inklusive Emotionen mit Beleuchtung. Allerdings ist Epcos seit Ende 2009 kein Börsenwert mehr, sondern hat mit der TDK-EPC Corporation eine neue Muttergesellschaft. Aber vielleicht hätte Osram selbst gegen eine solche gar nichts einzuwenden.

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