Mittwoch, 18. September 2019

Osram Emotionen mit Beleuchtung

Lichtstelen vor dem Osram-Sitz: Wo geht's weiter?

2. Teil: 50 Millionen für die neue Fertigungslinie

Kapital ist genau das entscheidende Thema. Denn wenn die LED und ihre anspruchsvolleren Schwestern, die auf Folien gedruckten organischen LED (OLED), wirklich die Zukunft bedeuten, dann muss Osram massiv investieren, meint ein Branchenkenner. 50 Millionen Euro sind schon für eine neue Fertigungslinie in Regensburg verplant. In diesem Jahr sollen zwei Drittel der (nicht bezifferten) Forschungsaufwendungen in LED und OLED fließen, obwohl die Produkte erst ein Fünftel vom Umsatz ausmachen. Und mit dem Zukauf der Firma Traxon aus Hongkong hat Osram kürzlich Know-how beim Thema Lichtmanagement und LED erworben.

Aber ist das genug im Vergleich zu Wettbewerber Philips, genug mit Blick auf die asiatische Elektroindustrie? Denn LED-Technologie ist Halbleitertechnologie, und die beherrschen viele, die bisher mit dem Thema Licht nicht viel zu schaffen hatten.

Weil die LED verglichen mit der alten Glühlampe oder Leuchtstoffröhre eine so lange Lebensdauer haben, stellt sich für Osram eine weitere strategische Frage: Soll man auch die Hülle für das Licht, die Leuchte, anbieten, also Licht verbauen in Leuchtkörpern, die nicht mehr ausgewechselt werden müssen? Erste Versuche gibt es schon.

Bei all der LED-Euphorie bleibt zudem die Frage: Wie lange floriert noch das Geschäft mit der konventionellen Beleuchtung, also Energiespar- und Halogenlampen oder Leuchtstoffröhren, aber auch noch traditionelle Glühlampen, wie sie die EU gerade per Verordnung aus dem Verkehr zieht. Mancher meint, das wächst zwar nicht mehr, läuft aber noch ein paar Jahre vor sich hin. Andere sagen, der Markt wird sich rasant verändern, Stückzahl und Preise werden in den Keller gehen. Große deutsche Osram-Werke wie Augsburg oder Berlin hängen aber noch an der "alten" Technologie und fürchten um ihre Zukunft.

"Geräuschloser Stellenabbau"

Das meiste ist ja schon in Billiglohnländer verlagert, sogar das LED-Massengeschäft sitzt längst in einer Fabrik mit 2500 Leuten in Malaysia. Kein Wunder für ein Unternehmen, das seinen Auslandsanteil am Umsatz auf fast 90 Prozent beziffert. Schließlich fertigt auch der wichtige Kunde Automobilindustrie überall auf der Welt. Von den 39.000 Osram-Beschäftigten arbeiten noch 8500 in Deutschland.

Dennoch gilt Osram als ein guter Arbeitgeber, bei dem es jetzt nach überwundener Krise vorgezogene Tariferhöhungen, Sonderzahlungen und Erfolgsbeteiligungen nur so regnete. Außerdem funktionierte der Abbau der 800 deutschen Stellen während der Krise äußerst sozialverträglich und weitgehend geräuschlos. "Die Leute haben einen Stolz", sagt ein alter Osramer, dessen Vater schon beim Unternehmen schaffte. Als Siemens-Leute hätten sie sich nie gefühlt: "Die galten als hochnäsig".

Die Umstrukturierung des gesamten Konzerns in den vergangenen dreieinhalb Jahren unter Peter Löscher wurde bei Osram nicht gerade lauthals begrüßt. Nie vorher seit 1978, seit Osram zu 100 Prozent Siemens gehört, hatte die Mutter so stark hereinregiert. Immerhin behielt man im allgemeinen Personalkarussell im Jahr zumindest Goetzeler, 48 Jahre, an der Osram-Spitze.

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