IT-Dienstleister Siemens-Tochter SIS schlüpft bei Atos unter

Mit einem Schlag hat sich Siemens von einer weiteren Problemtochter getrennt. Der kriselnde IT-Dienstleister SIS kommt unter die Fittiche von Atos Origin. Unter dem Dach der Franzosen soll ein europäischer IT-Champion entstehen. Atos lässt sich den Deal gut bezahlen.
Wechselt den Besitzer: Die Siemens-Tochter SIS samt der weltweiten Niederlassungen (im Bild: Dubai) kommt zu Atos

Wechselt den Besitzer: Die Siemens-Tochter SIS samt der weltweiten Niederlassungen (im Bild: Dubai) kommt zu Atos

Foto: Siemens

München/Paris - Der Elektrokonzern Siemens gibt seinen kriselnden IT-Dienstleister SIS überraschend an das französische Unternehmen Atos Origin ab. Das SIS-Geschäft im Wert von 850 Millionen Euro werde in Atos Origin eingebracht, teilten die Unternehmen am Dienstagabend in Paris und München mit.

Im Gegenzug will sich Siemens  für mindestens fünf Jahre mit 15 Prozent der Aktien an dem französischen Informationstechnologie-Unternehmen beteiligen. Die Integration kostet weitere Arbeitsplätze bei SIS. Nach dem Abbau von weltweit 4200 Jobs sollen noch einmal etwa 1750 Stellen wegfallen, davon 650 in Deutschland.

Siemens erhält im Zuge des Geschäfts rund 12,5 Millionen neue Aktien von Atos Origin mit einem Wert von derzeit 414 Millionen Euro. Hinzu komme eine fünf Jahre laufende Wandelanleihe über 250 Millionen Euro und eine Zahlung von rund 186 Millionen Euro in bar, hieß es. Insgesamt stellt sich Siemens auf eine "deutlich negative Ergebniswirkung" im Geschäftsjahr 2010/11 ein.

Stimmen die Kartellbehörden zu, entstehe durch den Schritt ein führender IT-Dienstleister mit einem Gesamtumsatz von pro forma rund 8,7 Milliarden Euro und 78.500 Mitarbeitern weltweit. "Wir schaffen einen europäischen Champion", erklärte Siemens-Chef Peter Löscher. "Die beiden Unternehmen ergänzen sich hervorragend in ihrer Kundenbasis, ihrer regionalen Aufstellung und den angebotenen Services." Das neue Unternehmen soll nächstes Jahr den Umsatz steigern und auf eine operative Marge von sechs Prozent kommen.

Teil des Geschäfts ist auch ein dicker Outsourcingvertrag von Siemens an Atos Origin für die nächsten sieben Jahre mit einem Volumen von rund 5,5 Milliarden Euro. Er umfasst unter anderem die Systemintegration für den deutschen Elektrokonzern.

Die seit Jahren schwächelnde Sparte Siemens IT Solutions and Services war zu Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober aus dem Konzern ausgegliedert und in eine GmbH überführt worden. Bereits für diesen Schritt hatte Siemens den Abbau von weltweit rund 4200 Jobs auf den Weg gebracht, davon rund 2000 in Deutschland.

Von den neuen Maßnahmen seien nun vor allem Stellen in Verwaltungs- und Zentralfunktionen betroffen, erklärte das Unternehmen. Für Integrationskosten und Weiterbildung will der Elektrokonzern bis zu 250 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

nis/dpa-afx/rtr
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