Freitag, 20. September 2019

Expansion Wacker steckt Milliarden in US-Solar-Fabrik

Solarindustrie: Rohstoffe knapp, Nachfrage steigt

Die Wacker Chemie baut ihr Geschäft aus. Das deutsche Unternehmen will mehr als eine Milliarde Euro in eine neue Fabrik in den Vereinigten Staaten investieren. Nahe Cleveland sollen Vorprodukte für die Solar-Industrie hergestellt werden, weil der nötige Strom dafür dort günstig sei.

München - Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern Wacker Chemie stärkt sein Polysilicium-Geschäft mit einer Milliarden-Investition in den USA. Im US-Bundesstaat Tennessee nahe der Stadt Cleveland werde ein neuer, voll integrierter Produktionsstandort für Polysilicium errichtet, teilte der MDax-Konzern am Donnerstag in München mit. Für den Ausbau der Produktionskapazitäten seien Investitionen von rund 1,1 Milliarden Euro geplant. Die Fertigstellung der Anlagen mit einer Jahreskapazität von 15.000 Tonnen sei für Ende 2013 geplant. In Cleveland entstünden dadurch rund 650 neue Arbeitsplätze.

Am Finanzmarkt war die Reaktion eher negativ. Die Wacker-Aktien büßten in einem schwachen Umfeld 2,53 Prozent auf 132,85 Euro ein.

"Mit dieser Großinvestition festigen wir unsere Position als einer der weltweit führenden Hersteller von hochreinem Polysilicium für die Solarindustrie", sagte Konzernchef Rudolf Staudigl dagegen. Die Nachfrage der Kunden nach qualitativ erstklassigem Polysilicium für Solarzellen mit hohem Wirkungsgrad werde in den kommenden Jahren weiter wachsen. "Darüber hinaus machen uns die zusätzlichen Produktionskapazitäten außerhalb der Euro-Zone ein Stück weit unabhängiger von Wechselkursschwankungen", erklärte Staudigl. Ausschlaggebend für die Standortwahl seien zum einen die guten Infrastruktur sowie die kostengünstige Energieversorgung gewesen.

Wacker werde in Cleveland auf Basis geschlossener Stoffkreisläufe Anlagen für die gesamte Wertschöpfungskette der Polysiliciumherstellung errichten. Dies reiche von der Produktion des Ausgangsstoffes Trichlorsilan über die Abscheidung des Reinstsiliciums bis hin zu Anlagen, in denen anfallende Nebenprodukte und Hilfsstoffe recycelt werden könnten. Mit der Investition trage Wacker dem weltweit weiter steigenden Bedarf Rechnung.

Der Konzern rechnet beim Polysiliciumbedarf der Solarindustrie in den kommenden Jahren weiter mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten. Auch der Polysiliciumbedarf der Elektronikindustrie werde weiter steigen. Mit einer Gesamtproduktion von rund 30.000 Tonnen im Jahr 2010 ist Wacker eigenen Angaben zufolge bereits der weltweit zweitgrößte Hersteller von polykristallinem Reinstsilicium. Mit der gegenwärtig im Aufbau befindlichen Polysilicium-Produktion am Standort Nünchritz und den neuen Kapazitäten am Standort Tennessee unterstreiche der Konzern seine Position als führender Hersteller.

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