Neues Zielsystem Vorstandschef Löscher richtet Siemens neu aus

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher will Deutschlands größten Industriekonzern künftig auf Nachhaltigkeit statt auf das Erreichen kurzfristiger Gewinnziele ausrichten. Im Interview mit manager magazin stellt Löscher erstmals öffentlich das neue Zielsystem "One Siemens" vor.
Von Thomas Katzensteiner
Siemens-Chef Peter Löscher: "Zielsystem für die nachhaltige Weiterentwicklung des Konzerns"

Siemens-Chef Peter Löscher: "Zielsystem für die nachhaltige Weiterentwicklung des Konzerns"

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Hamburg - "Margenvorgaben allein garantieren keine nachhaltige Steuerung und ließen sich für einzelne Geschäfte leicht kurzfristig trimmen", begründete Löscher den Kurswechsel im Interview des manager magazins, dessen neue Ausgabe ab Freitag (22. Oktober) erhältlich ist. In dem Wirtschaftsblatt stellte Löscher erstmals öffentlich das neue Zielsystem "One Siemens" vor, das er Mitte Oktober auf einer Siemens-Führungskräftetagung in Berlin präsentiert hatte.

Zu den Kernelementen von "One Siemens" gehört nach Angaben des Vorstandschefs, dass sich der Konzern künftig stärker am effizienten Kapitaleinsatz orientieren soll, die Kapitalrendite Return on Capital Employed (ROCE).

Die ROCE-Vorgaben, so erklärte Löscher weiter, seien "gepaart mit einem Kapitalstrukturziel", das den Anteil der Fremdverschuldung vorgebe. Darüber hinaus will der Konzern den Aktionären auch erstmalig mitteilen, "welche Dividendenpolitik sie erwarten können"; die genauen Vorgaben würden zur Bilanzpressekonferenz im November veröffentlicht.

Bandbreiten für die drei Geschäftsfelder Energie, Industrie und Medizintechnik

Völlig verzichten will Löscher auf Margenziele allerdings nicht. Für die Margen der drei Siemens-Geschäftsfelder Energie, Industrie und Medizintechnik werde es künftig Bandbreiten geben, innerhalb derer sie sich "über den Konjunkturzyklus hinweg" bewegen sollen, kündigte der CEO an.

Löscher betonte, "One Siemens" sei kein Nachfolger des Transformationsprogramms "Fit4 2010", das sein Vorgänger Klaus Kleinfeld gestartet hatte. "Siemens hatte über zwölf Jahre hinweg Transformationsprogramme, weil wir die Lücke zum Wettbewerb schließen mussten. Das ist erreicht." Siemens benötige nun ein "Zielsystem für die nachhaltige Weiterentwicklung des Konzerns".

Löscher erklärte, dass Siemens unter anderem in der Umwelttechnologie und im Servicegeschäft deutlich wachsen wolle. "Langfristige Serviceverträge sind die Krönung eines jeden Auftrags!", sagte Löscher.

Erneuerbare Energien und industrielle IT mögliche Bereiche für Zukäufe

Große Übernahmen hat der Konzernchef dagegen für die kommenden Jahre nicht auf der Agenda. "Riesenakquisitionen sind eher auszuschließen", sagte Löscher. Man werde stattdessen "schauen, wo eine interessante technologische Ergänzung für uns besteht und wie wir uns sinnvoll verstärken und dann dieses Geschäft nach vorn treiben können".

Als mögliche Bereiche für Zukäufe nannte Löscher die Felder erneuerbare Energien und industrielle IT. Ein Investitionsvolumen wollte Löscher nicht nennen: "Wir machen das, was gut und vernünftig ist." Der Siemens-Konkurrent General Electric (GE) hat angekündigt, in den kommenden drei Jahren bis zu 30 Milliarden Dollar für Übernahmen ausgeben zu wollen.

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