Sonntag, 18. August 2019

Übernahmeschlacht Hochtief verstärkt den Abwehrkampf

Hochtief-Chef Lütkestratkötter: Beschwerdebrief wegen "Wortbruchs" an ACS

Der größte deutsche Baukonzern kämpft weiter gegen eine Übernahme durch seinen spanischen Großaktionär ACS. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche tagt ein Sonderausschuss des Hochtief-Aufsichtsrats. Laut einem Pressebericht soll er klären, ob die Spanier sich bereits Aktien für den nächsten Schritt gesichert haben.

Essen - An diesem Montag trifft sich der eigens zur Abwehr gegründete Ad-hoc-Ausschuss des Aufsichtsrats zum weiten Mal binnen einer Woche, um über weitere Schritte zu beraten. Das bestätigte eine Hochtief-Sprecherin am Wochenende auf Anfrage. Das Klima zwischen den beiden Wettbewerbern scheint vergiftet zu sein: Das Magazin SPIEGEL berichtet, Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter habe ACS intern Wortbruch vorgeworfen.

Unter Berufung auf Kontrolleure des Essener Konzerns schreibt das Blatt, Florentino Pérez, ACS-Vorstandschef und Präsident des Fußballclubs Real Madrid, habe dem Hochtief-Chef bei seinem Einstieg versichert, seinen Hochtief-Anteil nicht über 30 Prozent ausbauen zu wollen. Pérez habe sogar zugesagt, ihn über einen Strategiewechsel frühzeitig zu informieren. Diese Vereinbarungen soll Pérez gebrochen haben, was der Hochtief-Chef auch in einem persönlichen Brief angeprangert haben soll. Über die geplante Übernahme und die Hintergründe wurde Lütkestratkötter laut Bericht erst auf eigene Nachfrage während seines Urlaubs in den österreichischen Alpen unterrichtet.

Laut SPIEGEL soll es bei der erneuten Sitzung des Ad-hoc-Ausschusses auch um die Frage gehen, wie viele Anteile ACS Börsen-Chart zeigen tatsächlich schon an Hochtief Börsen-Chart zeigen besitzt. ACS soll sich bereits jetzt über ihren Anteil von knapp 30 Prozent hinaus weitere Aktienpakete an Hochtief gesichert haben. Zu diesem Punkt äußerte sich die Hochtief-Sprecherin nicht näher. Die weiteren in dem Bericht genannten Details bezeichnete sie als bereits bekannt und im Grundsatz richtig.

Würde Hochtief von seinem spanischen Großaktionär ACS übernommen, kann der Vorstand mit hohen Abfindungszahlungen rechnen. Lütkestratkötter und die vier weiteren Vorstände könnten dann zusammen Barabfindungen in Höhe von annähernd 15 Millionen Euro erhalten. Ein entsprechender Bericht der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) lässt sich durch einen Blick in den im Internet veröffentlichten Hochtief-Geschäftsbericht für 2009 bestätigen.

Danach steht jedem der Vorstandsmitglieder bei einer Beendigung des Dienstvertrags als Entschädigung eine Abfindung von zweieinhalb Jahresbezügen zu. Lütkestratkötter, der im vergangenen Jahr laut Geschäftsbericht insgesamt knapp 1,7 Millionen Euro verdient hat, bekäme demnach gut 4 Millionen Euro. Die anderen Vorstände mit einem Jahreseinkommen von rund 1 Million Euro könnten mit etwa 2,5 Millionen Euro rechnen. Hinzu kämen noch Pensionsansprüche ab Vollendung des 60. Lebensjahres.

Hochtief kämpft seit der vergangenen Woche zunehmend verbissen gegen die als feindlich empfundene Übernahme. Der Konzern will unter anderem erreichen, dass ACS bei einer erfolgreichen Hochtief-Übernahme auch den Aktionären der australischen Tochterfirma Leighton Börsen-Chart zeigen ein Übernahmeangebot machen muss. Eine solche "Giftpille" würde die Kosten der Übernahme für ACS dramatisch in die Höhe treiben. Leighton gilt als "Ertragsperle" von Hochtief und kommt gegenwärtig alleine auf eine Marktkapitalisierung von rund sieben Milliarden Euro.

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ak/dapd

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