Dienstag, 25. Juni 2019

Erstes Lebenszeichen Hochtief fordert Milliardenaufschlag in Australien

Hochtief-Tochter Leighton: Bisher Ertragsperle von Hochtief, nun auch Lebensversicherung?

Hochtief beginnt sich gegen die drohende Übernahme durch den spanischen Konkurrenten zu wehren. Der größte deutsche Bauunternehmen glaubt einen Weg gefunden zu haben, der den Preis für die Übernahme dramatisch in die Höhe treiben würde - und die Finanzkraft der Spanier überfordern könnte.

Essen -Deutschlands größter Baukonzern hat den ersten versuch gestartet, die drohende Übernahme durch seinen spanischen Konkurrenten ACS abzuwehren. Hochtief hat bei der australischen Börsenaufsicht (ASIC) beantragt, dass ACS bei einer erfolgreichen Hochtief-Übernahme auch den Aktionären der australischen Hochtief-Tochterfirma Leighton ein Übernahmeangebot machen muss, wie der Konzern mitteilte. Das würde die Kosten der Übernahme für ACS dramatisch in die Höhe treiben

Bei einem Börsenwert des australischen Unternehmens von umgerechnet rund sieben Milliarden Euro müsste ACS ein milliardenschweres Angebot für die australischen Leighton-Aktionäre vorlegen. Die Entscheidung über den Hochtief-Antrag liegt nun bei der australischen Börsenaufsicht. Beobachter rechnen jedoch nicht mit einem kurzfristigen Ergebnis der Hochtief-Bemühungen.

Hochtief ist mit 54,5 Prozent an dem börsennotierten australischen Bauunternehmen Leighton beteiligt. ACS hatte dagegen erklärt, keine vollständige Übernahme von Leighton anzustreben. "Nach australischem Recht besteht für ACS keine Verpflichtung zu einem Übernahmeangebot für Leighton", erwiderte eine ACS-Sprecherin in einer ersten Reaktion.

Das allerdings ist alles andere als sicher. Es sei "internationaler Normalfall", dass bei einem Kontrollwechsel die übernehmende Partei auch für Tochtergesellschaften ein Übernahmeangebot vorlegen müsse, sagte Christian Zschocke, Partner und Übernahmeexperte der Kanzlei Morgan Lewis in Frankfurt am Main.

Die australische Wertpapierbehörde wird nun über den Hochtief-Antrag entscheiden müssen. Damit könnte sich der Essener Konzern auch Zeit kaufen, denn alle Beteiligten müssen von der Behörde angehört werden. Die australischen Beamten selbst wollen sich auch auf Nachfrage nicht äußern. Sie veröffentlichten generell Entscheidungen nur dann, wenn sie Anträge - wie etwa den von Hochtief - annehmen. Ablehnungen machten sie nicht öffentlich.

kst/dpa-afx/rtr/apd

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung