Feindliche Übernahme Sanofi bietet 18,5 Milliarden Dollar für Genzyme

Eine der größten Übernahmeschlachten seit langem zeichnet sich in der Pharmabranche ab. Der französische Konzern Sanofi-Aventis will den US-Biotechnologiekonzern Genzyme jetzt feindlich übernehmen.
Sanofi-Forscher: Patentschutz für Profitbringer läuft aus

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Foto: ALAIN JOCARD/ AFP

Paris - Sanofi biete insgesamt 18,5 Milliarden Dollar oder 69 Dollar je Anteilsschein in bar, teilte das Unternehmen am Montag mit. Das Übernahmeangebot liegt bereits seit mehr als einem Monat auf dem Tisch. Schon im Juli waren die Franzosen an das Management der US-Firma direkt herangetreten.

Genzyme hatte die Offerte als zu niedrig abgelehnt, während Sanofi-Aventis  mehrmals erklärte, nicht aufstocken zu wollen. Sanofi-Chef Chris Viehbacher begründete das nun abgegebene feindliche Übernahmeangebot damit, dass Genzyme "konstruktive Diskussionen verweigert" habe.

Viehbacher sagte, er habe sich mit Genzyme-Aktionären getroffen, die mehr als 50 Prozent des Kapitals vertreten. Er sei "zuversichtlich, dass das Angebot erfolgreich sein wird". Mit 69 Dollar liege das Gebot 31 Prozent über dem Genzyme-Aktienkurs vom 22. Juli, einen Tag bevor erste Spekulationen über die geplante Übernahme an die Öffentlichkeit drangen. Eine spätere Erhöhung schloss er allerdings nicht aus. "Wenn uns jemand davon überzeugt, weshalb das Unternehmen mehr wert ist, wären wir bereit, das zu überdenken", sagte er in einer Telefonkonferenz. Die Offerte läuft bis zum 10. Dezember.

Genzyme wäre seit dem Kauf von Aventis die größte Übernahme für Sanofi. Zu den am meisten verkauften Produkten von Genzyme zählt ein Medikament gegen eine seltene genetische Krankheit, bei dem das Risiko eines Nachahmermedikaments relativ gering ist. Das Unternehmen hat mehr als 12.000 Mitarbeiter.

Biotech-Unternehmen stehen bei den internationalen Pharmakonzernen schon seit längerem ganz oben auf der Wunschliste für Übernahmen. Wegen auslaufender Patente und zunehmender Konkurrenz durch Nachahmerprodukte (Generika) stehen neben Sanofi-Aventis auch viele andere Pharmaunternehmen unter Konsolidierungsdruck. Daher kam es in dieser Branche bereits in den vergangenen Jahren immer wieder zu Milliardenübernahmen.

Die Konkurrenz durch Generika hat sich auch bei den Geschäftserwartungen der Franzosen niedergeschlagen: Sanofi-Aventis erwartet wegen der Konkurrenz eines Nachahmer-Medikaments für den Blutverdünner Lovenox 2010 bestenfalls einen stagnierenden Gewinn je Aktie und schlimmstenfalls einen Rückgang um vier Prozent. Bis 2013 verlieren Sanofi-Bestseller wie das Krebsmittel Taxotere, der Blutverdünner Plavix, der Gerinnungshemmer Lovenox und auch Eloxatin ihren Patentschutz.

Sanofi-Aventis ist selbst das Ergebnis einer Übernahme. Der Konzern entstand 2004 aus dem Kauf des deutsch-französischen Konkurrenten Aventis, im dem einst die Frankfurter Hoechst-Gruppe aufgegangen war, durch den französischen Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo.

ak/reuters/ap/dpa-afx
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