Mittwoch, 8. April 2020

Designierter MTU-Chefaufseher Jürgen Geißinger irritiert mit Handel mit MTU-Aktien

MTU-Aufsichtsrat Jürgen Geißinger

Am Dienstag musste der Triebwerkszulieferer MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen wie viele andere Unternehmen wegen der Corona-Krise seine Hauptversammlung verschieben und die Dividende aussetzen. Ausgerechnet Aufsichtsrat Jürgen Geißinger, der als künftiger Chefkontrolleur auserkoren ist, irritierte im Vorfeld mit Handelsgeschäften mit MTU-Aktien.

Am 2. März kaufte Geißinger 320 Aktien zum Durchschnittskurs von 223,85 Euro. Damals war der Kurs gegenüber dem im Januar erreichten Höchstwert bereits um 20 Prozent gefallen. Bereits am 12. März veräußerte der einstige Schaeffler-Chef die Papiere wieder, zu einem Durchschnittskurs von 165,07 Euro. Augenscheinlich, um seine Verluste zu begrenzen. Die beliefen sich auf fast 19.000 Euro - und tatsächlich stürzte der Kurs danach weiter ab.

Im Topmanagement und bei den Betriebsräten des Münchener Dax-Konzerns sorgte dieses Gebaren für Verwunderung. Sämtliche Vorstände sind mit großen Aktienpaketen engagiert, halten sechs- bis siebenstellige Beträge in MTU-Aktien. Bisher hat keiner verkauft.

"Morgen kaufe ich wieder ein ganzes Portfolio"

Geißinger begründete die Verkäufe seiner MTU-Aktien gegenüber manager magazin damit, er habe ein ganzes Portfolio an verschiedenen Aktien veräußert. Jetzt seien die Kurse so attraktiv, "morgen kaufe ich wieder ein ganzes Portfolio - inklusive MTU-Aktien. Und dann werde ich die auch behalten."

Infolge der Virus-Krise beschloss der MTU-Vorstand am Dienstag, die eigentlich mit 3,40 Euro je Aktie angekündigte Dividende für 2019 auszusetzen und den Bilanzgewinn für das Geschäftsjahr 2019 zunächst auf neue Rechnung vorzutragen. Falls sich bis zur Hauptversammlung eine neue Entwicklung ergebe, werde man dies aber nochmal überprüfen, versprach MTU.

Die zunächst für 7. Mai geplante Hauptversammlung soll nun wie vorgeschrieben spätestens Ende August stattfinden. Damit gewinne man, sagt ein Konzerninsider, auch Zeit, die Frage des künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden nochmals zu diskutieren. Ursprünglich war geplant, dass Geißinger den altersbedingt ausscheidenden Klaus Eberhardt nach der Hauptversammlung beerbt. Allerdings hatte sich Geißinger schon in den vergangenen Monaten mit zu Tage getragenen Chefallüren nicht nur Freunde gemacht.

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