Praxair-Chef wird CEO, Reitzle Chefaufseher Linde und Praxair beschließen Fusion - Geschäft wird aus den USA geführt

Wolfgang Reitzle: Linde soll künftig von den USA aus geführt werden - und Reitzle soll den fusionierten Konzern fusionieren

Wolfgang Reitzle: Linde soll künftig von den USA aus geführt werden - und Reitzle soll den fusionierten Konzern fusionieren

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Der Industriegase-Spezialist Linde und sein US-Konkurrent Praxair haben sich auf die Eckpunkte ihrer geplanten Fusion geeinigt. Vorstandschef soll der bisherige Praxair-Chef Steve Angel werden, er leite die Geschäfte vom bisherigen Praxair-Sitz in den USA. Chairman werde der bisherige Linde-Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle werden, teilte das Münchner Unternehmen am Dienstag mit.

Zentralfunktionen würden zwischen den USA und München aufgeteilt. Die neue Konzernholding werde an den Börsen in Frankfurt und New York gelistet und seinen Sitz in einem neutralen Mitgliedsland des Europäischen Wirtschaftsraums haben. Aus dem Zusammenschluss seien jährliche Synergien von etwa einer Milliarde Dollar zu erwarten.

Weitere Details:

> Aktionäre von Linde und Praxair sollen je 50 Prozent an einer neuen Holding halten.

> der neue Konzern soll Linde heißen

> in das Aufsichtsgremium Board of Directors sollen je zur Hälfte Vertreter von Linde und Praxair einziehen. Chairman und damit Chef des Gremiums wird Reitzle, Angel wird als CEO einfaches Mitglied.

Die endgültigen Details wollen die Parteien in den kommenden Monaten aushandeln und sich dann auch von den zuständigen Gremien absegnen lassen. Der Zusammenschluss könne also auch noch scheitern, teilten die Unternehmen mit.

Zusammen kämen Linde und Praxair auf 28 Milliarden Euro Umsatz und einen Börsenwert von 61 Milliarden Euro. Praxair ist bei Industriegasen in Amerika Marktführer und hochprofitabel. Linde ist im Gasegeschäft vor allem in Europa und Asien stark und mit Anlagenbau und Medizingasen breiter aufgestellt.

Für die 8000 deutschen Linde-Beschäftigten hatte das Unternehmen mit Betriebsrat und Gewerkschaften bereits eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2021 für den Fall einer Fusion vereinbart. Betriebsbedingte Kündigungen wären ausgeschlossen, der in Deutschland geplante Stellenabbau würde bei einem Zusammenschluss mit Praxair deutlich reduziert und der Standort Dresden nicht geschlossen.

Kurzes Gastspiel von Linde-Chef Aldo Belloni - Angel übernimmt

Der designierte Konzernchef Angel sagte, der strategische Zusammenschluss "würde die Stärken beider Unternehmen kombinieren, die globale Präsenz stärken und dazu ein robusteres Portfolio schaffen, das von langfristigen Wachstumstrends profitieren würde". Der soeben erst zum Linde-Chef berufene Aldo Belloni sagte, gemeinsam wolle man "ein global führendes Unternehmen für Industriegase schaffen".

Der Fusion müssen noch die Aktionäre beider Unternehmen zustimmen sowie die Kartellbehörden. Beobachter erwarten spürbare Auflagen.

Der erste Anlauf zu einem Zusammenschluss von Linde und Praxair war im September gescheitert, weil man sich bei der Wahl des Firmensitzes und der Struktur des fusionierten Unternehmens nicht einig geworden war. Anfang Dezember hatten die beiden Unternehmen aber einen neuen Anlauf für einen "Zusammenschlusses unter Gleichen" gestartet. Mit einer Fusion könnten Linde und Praxair den französischen Konkurrenten Air Liquide als Weltmarktführer für Industriegase ablösen.

la/dpa