Montag, 17. Juni 2019

China-Milliardär lässt US-Metallindustrie zittern Die merkwürdige Weltreise von 500.000 Tonnen Aluminium

Aluminiumbarren (in Saudi-Arabien): Ein Siebtel des Weltvorrats lagert plötzlich in Vietnam

Jahrelang schon lagert ein gewaltiger Schatz silbern glänzender Metallteile ungenutzt abseits des Weltmarkts. Trotz niedriger Preise ist der hinter Heuballen und Plastikfolie verborgene geheime Aluminiumvorrat immer noch einige Milliarden Dollar wert. Man könnte daraus mehrere Millionen Autos wie den US-Bestseller Ford F-150 fertigen. Doch wenn das Aluminium in dieser Menge tatsächlich in die Reichweite von Produzenten käme, die damit etwas anfangen können, dürfte der Preis abermals kräftig abstürzen.

Deshalb haben sich einige US-Metallindustrielle auf die Jagd nach der geheimnisvoll drohenden Billigkonkurrenz und deren Hintermänner gemacht. Sie wollen verhindern, dass die Alumasse plötzlich auf dem Markt auftaucht. Von einem "Moby Dick" spricht der kalifornische Unternehmer Mike Rapport, der in der mexikanischen Wüste einen Piloten anheuerte, um die verborgenen Megatonnen aus der Luft aufzuspüren.

Die verworrene Geschichte zielt ins Herz der Existenzangst der Branche, deren Nummer eins Alcoa Börsen-Chart zeigen sich gerade unter der Führung des deutschen Ex-Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld selbst zerschlagen hat. Und sie kann Hinweise liefern, wie weit die von Donald Trump verfochtene wehrhafte Handelspolitik reicht, die in Teilen auch die Obama-Regierung schon betrieb.

Vung Tau: Aus dem Nichts dreimal so wichtig wie die Niederlande

Der Hotspot des Aluminiummarkts hat sich gerade verlagert, vom mexikanischen Provinzstädtchen San José Iturbide am Rand der Sierra Gorda zum südvietnamesischen Freihafen Vung Tau - beides ebenso weit entfernt von relevanten Herkunfts- wie Zielorten des Metalls.

Das "Wall Street Journal" berichtet (kostenpflichtig), dass seit Jahresbeginn rund 500.000 Tonnen halbfertige Aluminiumprodukte die Reise von Mexiko nach Vietnam absolviert haben - mehr als 90 Prozent der mexikanischen Exporte auf einer bis dato völlig ungewöhnlichen Handelsroute. Hinzu kommen noch größere Mengen aus China und sogar den USA, sodass in Vung Tau mindestens ein Siebtel des Weltbestands an Aluminiumprodukten lagert - dreimal mehr als in den Niederlanden, der traditionellen Drehscheibe des Metallhandels.

In den Vorjahren hatte sich der Handelsstrom ebenso sprunghaft verlagert. Seit die USA im Jahr 2010 hohe Strafzölle auf Dumping-Importe aus China verhängten, brachen die bis dahin stark wachsenden Lieferungen chinesischer Alufirmen an die USA ab und wurden vor allem nach Mexiko verlagert. Sofern die Hoffnung war, über das Mitgliedsland der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) die Produkte doch noch zollfrei auf den US-Markt zu bekommen, wurde sie enttäuscht.

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