Schulterschluss zur Cebit-Eröffnung Alibaba-Chef schwärmt für deutsche Industrie

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Alibaba-Chef Jack Ma überreichte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend zur Eröffnung der Computermesse Cebit in Hannover ein Geschenk. China ist in diesem Jahr mit mehr als 600 Ausstellern Partnerland auf der Cebit

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Alibaba-Chef Jack Ma überreichte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend zur Eröffnung der Computermesse Cebit in Hannover ein Geschenk. China ist in diesem Jahr mit mehr als 600 Ausstellern Partnerland auf der Cebit

Foto: DPA

Das dürfte deutschen Konzernchefs wie Honig runtergegangen sein: Chinesische Tech-Unternehmen könnten von deutschen Traditionsunternehmen lernen, sagt Internet-Milliardär Jack Ma. "Es gibt kaum Internet-Unternehmen, die länger als drei Jahre existieren", so der Gründer des chinesischen Internet-Handelshauses Alibaba.

"Wir brauchen eine Lösung, wie man so lange überleben kann wie Mercedes und Siemens." Ansonsten liefen innovative Unternehmen Gefahr, einen Trend zu setzen und dann in Vergessenheit zu geraten. Ma hatte am Sonntagabend zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Computermesse Cebit in Hannover eröffnet.

Die deutsche und chinesische Regierung wollen sich bei der digitalen Revolution enger abstimmen. Die Unternehmen beider Länder sollten bei Themen wie "Industrie 4.0" zusammenarbeiten, betonten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang.

"Beide Länder ergänzen sich in hohen Maße", sagte auch der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Ma Kai mit Blick auf die zunehmende Vernetzung von Industrieproduktion und Internet. Deutschland und China verfügten jeweils über eigene Stärken, sagte Merkel. "Dadurch bieten sich Kooperationen geradezu an."

Partner China mit mehr als 600 Ausstellern auf Cebit vertreten

China ist in diesem Jahr mit mehr als 600 Ausstellern Partnerland auf der Cebit, die das Motto "d!conomy" hat, also die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft und aller Lebensbereiche in den Mittelpunkt stellt. Sowohl Deutschland als auch China fühlen sich als produzierende Industrienationen von der Vernetzung durch digitale Technologien besonders herausgefordert, weil etwa amerikanische IT-Firmen zunehmend in andere Wirtschaftszweigen wie der Autobranche aktiv werden.

Merkel kündigte an, dass die Bundesregierung mit einem Zehn-Punkte-Programm die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft vorantreiben wolle. Dabei sei es sehr wichtig, dass die EU mit ihrem Markt von mehr als 500 Millionen Menschen gemeinsame rechtliche Rahmenbedingungen für IT-Sicherheit, Datenschutz oder die Unterstützung von Start-Up-Firmen aufstelle.

Merkel kündigt Zehn-Punkte-Programm an

Die deutsche Industrie versucht derzeit ebenso wie die Amerikaner, technologische Standards für die Kommunikation zwischen Maschinen zu entwickeln, die in Fabriken oder bei der Logistik immer wichtiger werden. Chinas Vizeministerpräsident Ma warnte jedoch in seiner Rede vor einer Abschottung und bot die Zusammenarbeit seines Landes bei der Entwicklung von weltweiten Standards an.

Hintergrund ist, dass die Entwicklung von Standards bei dem Thema "Industrie 4.0" als erheblicher Wettbewerbsvorteil gilt. "China ist bereit, zusammen mit allen Ländern der Welt den Austausch zu verstärken", betonte Ma deshalb. Deutsche Firmen plädieren aber auch etwa bei der Zusammenarbeit mit dem Hochtechnologieland Japan dafür, zunächst in Deutschland und der EU gemeinsame Standards zu entwickeln.

Merkel fordert von China fairen Wettbewerb ein

Ministerpräsident Li verwies in seiner Videobotschaft darauf, dass die deutsche und chinesische Regierung bereits im vergangenen Jahr eine Technologiepartnerschaft zu "Industrie 4.0" vereinbart hätten. 2015 sei das gemeinsame Jahr der Innovationen. China preist sich dabei zunehmend auch als Partner für Internetdienste an, weil es große Konzerne in den Bereichen Software, soziale Dienste und Kommunikation aufgebaut hat wie Huawei, ZTE oder Alibaba.

Merkel forderte allerdings auch fairen Wettbewerb vom diesjährigen Partnerland China ein. "Unternehmen und Investoren haben ein natürliches Interesse daran, dass sie wissen, in welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten: Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Gleichbehandlung der verschiedenen Unternehmen in unseren Ländern", sagte die CDU-Politikerin am Sonntagabend in Hannover. Viele ausländische Geschäftsleute in China haben derzeit das Gefühl, dass einheimische Firmen bevorzugt behandelt werden.

rei/rtr/dpa
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