Freitag, 19. April 2019

Hauptversammlung Siemens-Aktionäre fordern mehr Tempo beim Umbau

Joe Kaeser während der HV in München: "Wie viele Übergangsjahre wollen Sie uns noch zumuten?"

Gegenwind für Joe Kaeser auf der Siemens-Hauptversammlung: Probleme in der Kraftwerkssparte und in der Medizintechnik lassen den Gewinn einbrechen. Der Siemens-Chef forciert den Umbau des Konzerns - doch vielen Aktionären geht es nicht schnell genug.

München - Nach einem schwierigen Start ins Geschäftsjahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser zur Hauptversammlung deutliche Aktionärskritik einstecken müssen. Der Konzernumbau geht vielen Anlegern zu langsam. "Wie viele Übergangsjahre wollen Sie uns noch zumuten, Herr Kaeser", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.

Siemens Börsen-Chart zeigen sei in den letzten Jahren hinter die Wettbewerber zurückgefallen und habe auch die Technologie- und Innovationsführerschaft in weiten Teilen verloren. "Ein Weiter so darf es nicht geben, wenn man nicht noch mehr an Boden verlieren will", so Speich.

Dresser Rand: Aktionäre bemängeln schlechtes Timing

Für Kritik sorgt auch die milliardenschwere Übernahme des US-Industriezulieferers Dresser-Rand. Wegen des Ölpreisverfalls bemängeln Investoren schon länger ein schlechtes Timing und einen zu hohen Kaufpreis für den Kompressorenhersteller.

Mit der Akquisition habe Kaeser viel Kredit verspielt, sagte Henning Gebhardt von Deutsche Asset & Wealth Management. "Auch wenn es für eine Beurteilung heute natürlich zu früh ist, so erscheint der Einstieg in Öl & Gas erst einmal misslungen."

Der milliardenschwere Kauf des Öl- und Gasspezialisten Dresser-Rand werde sich trotz der Flaute in dieser Branche über die Jahre gesehen lohnen, beteuerte Kaeser. Derzeit gebe es auch keinen Abschreibungsbedarf, weder durch Währungseffekte noch durch veränderte Geschäftsaussichten, beteuerte Finanzchef Ralf Thomas.

Gewinneinbruch im abgelaufenen Quartal

Zudem musste Siemens einen Gewinneinbruch melden. Im vergangenen Quartal sackte der Gewinn von Siemens Börsen-Chart zeigen binnen Jahresfrist um ein Viertel auf knapp 1,1 Milliarden Euro ab, wie der Konzern am Dienstag vor seiner Hauptversammlung mitteilte. Während die Umsätze um drei Prozent auf 17,4 Milliarden Euro kletterten, sank der Auftragseingang um 13 Prozent auf rund 18 Milliarden Euro.

Für den Gewinnschwund machte der Konzern unter anderem eine veränderte Zinslage und Schwankungen bei Finanzinstrumenten verantwortlichen. Dies riss ein Loch von 123 Millionen Euro in die hauseigene Vermögensverwaltung.

Der im Januar massiv aufgewertete Schweizer Franken könne die in der Schweiz ansässige Gebäudetechnik künftig zusätzlich belasten, warnte Kaeser.

An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an: Die Aktie von Siemens Börsen-Chart zeigen gab knapp drei Prozent nach und zählte zu den schwächsten Werten im Dax.

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