Mittwoch, 27. Mai 2020

Finnen sollen trotz Qualitätsproblemen zweite Chance bekommen Warum die Telekom dem 5G-Zulieferer Nokia Dampf macht

Mobilfunkantennen-Gerangel: Die Deutsche Telekom will 5G-Netzausrüster Nokia eine zweite Chance geben

Der Deutschen Telekom gehen auf der Suche nach guten und zuverlässigen Ausrüstern für den Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes offenbar die Alternativen aus. Der chinesische Zulieferer Huawei steht unter Spionageverdacht und wird vielleicht von Staats wegen vom Aufbau der wichtigen Infrastruktur ausgeschlossen. Dazu gibt es auch noch Qualitätsprobleme beim finnischen Netzwerk-Ausrüster Nokia Börsen-Chart zeigen, wie aus Dokumenten der Telekom Börsen-Chart zeigen hervorgeht, die Reuters vorliegen.

Doch weil ansonsten eigentlich nur noch der schwedische Ericsson-Konzern Börsen-Chart zeigen als Zulieferer übrig bliebe, will die Telekom Nokia noch eine Chance geben. Einem Insider zufolge hat sie die Finnen aufgefordert, ihre Leistungen zu verbessern, um ihre Chancen auf Aufträge beim Bau des neuen Netzes zu wahren.

Einem Insider und internen Dokumenten der Telekom-Einkäufer zufolge hat die Telekom Nokia als Funknetz-Ausrüster in fast allen Märkten Europas fallen lassen. Begründet wird das damit, dass Nokia in der Vergangenheit die schlechtesten Leistungen aller Ausrüster gezeigt habe.

Mit diesem Befund wurde Nokia-Chef Rajeev Suri bei einem Treffen im Juli konfrontiert. Nokia "muss zulegen", heißt es in einer Unterlage zu dem Treffen. Im November gab es dann Zusicherungen von Nokia, wie aus einer weiteren Notiz hervorgeht.

Die Telekom will sich nun zügig entscheiden: Nach der Branchen-Messe in Barcelona Ende des Monats soll dem Insider und den Dokumenten zufolge dem Vorstand eine aktualisierte Strategie vorgelegt werden, welche Anbieter nun Ausrüstung für das 5G-Netzwerk liefern sollen.

70 Prozent Huawei, 30 Prozent Ericsson

In der Vergangenheit hatte die Telekom beim Aufbau ihrer Netze in Deutschland auf Nokia und Huawei gesetzt. Antennen und Basis-Stationen für das Mobilfunk-Netz stammten zu gleichen Teilen von den Konzernen. Qualitätsprobleme bei den Finnen sorgten dann dafür, dass ihr Anteil an den Ausgaben für die deutschen Netze auf 30 Prozent schrumpfte.

Ende 2017 brachte der Konzern Ericsson ins Spiel. Im vergangenen Jahr wurde drei Insidern zufolge erwogen, Huawei als Hauptlieferant zu behalten. Rund 70 Prozent der Investments für das 5G-Netzwerk sollten an die Chinesen fallen, 30 Prozent an Ericsson. Das jährliche Einkaufsvolumen bei Nokia in Europa und den USA halbierte sich zwischen 2016 und 2018, wie die Dokumente zeigen.

Doch dieser Lieferantenaufteilung machte die Debatte um Huawei einen Strich durch die Rechnung. Dem weltgrößten Telekom-Ausrüster wird eine zu große Nähe zur kommunistischen Regierung in Peking vorgehalten. Kritiker sehen durch die Technik des Konzerns Möglichkeiten für Spionage und Sabotage. Das Unternehmen hat das immer wieder zurückgewiesen. Die Huawei-Technik gilt als gut und ist meist günstiger als die der Konkurrenz.

Die Bundesregierung hat noch keine endgültige Entscheidung gefällt, ob Huawei in Deutschland wie in den USA von Verträgen zum 5G-Aufbau wegen der Sicherheitsbedenken ausgeschlossen werden soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel will kommenden Donnerstag die Chefs der von Nokia und Ericsson im Kanzleramt ampfangen. Die Telekom hatte im Dezember Gespräche mit Huawei über die Lieferung von Ausrüstung für die 5G-Netze ausgesetzt.

Telekom will sich mit mehreren Zulieferern freischwimmen

Deshalb wird es für die Telekom schwer, Nokia die kalte Schulter zu zeigen. Der Konzern würde immer stärker abhängig von der einzigen europäischen Alternative - dem schwedischen Ausrüster Ericsson. "Wie wir schon oft gesagt haben, verfolgen wir eine Mehr-Zulieferer-Strategie, um uns nicht auf einen einzigen Anbieter verlassen zu müssen. Das ist ein grundlegendes Element unserer Sicherheitsphilosophie", erklärte die Telekom.

Im Oktober sprach sich deshalb den Dokumenten zufolge die Telekom-Spitze dafür aus, Nokia eine weitere Chance zu geben. Man brauche Nokia als Wettbewerber für Ericsson für den Fall "geopolitischer Entwicklungen", hieß es damals in einer Präsentation - ein möglicher Hinweis auf den Streit um Huawei. Der südkoreanische Konzern Samsung, ein Newcomer auf dem Markt, könne höchstens mittelfristig eine Rolle spielen.

"Als einer der wichtigen europäischen Hersteller ist Nokia für uns von strategischer Bedeutung", betonte die im Telekom-Vorstand für das Ressort Technologie und Innovation zuständige Claudia Nemat in einer Reaktion auf den Reuters-Bericht. Die Telekom setze auf mehrere Unternehmen, um nicht nur von einem einzigen Lieferanten abhängig zu sein. Im vergangenen Jahr habe die Telekom mit Nokia zahlreiche Schritte in die Richtung unternommen, ihre Netze auf 5G vorzubereiten, und werde dies auch in Zukunft fortsetzen.

Nokia sei langjähriger Partner der Telekom und wolle weiter mit dem wichtigen Kunden zusammenarbeiten, erklärte Nokia-Manager Federico Guillén.

wed/Reuters

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