Immobilienkonzern Energiekosten bereiten Vonovia Sorgen

Nach der Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen befindet sich Vonovia weiter auf Wachstumskurs. Wegen der gestiegenen Energiepreise rechnet Konzernchef Rolf Buch für Mieter jedoch mit einer "Riesenproblemflutwelle" – zwei Drittel der Vonovia-Wohnungen werden mit Gas beheizt.
Für Konzernchef Rolf Buch war es ein erfolgreiches Jahr: Vonovia konnte auch dank gestiegener Mieten seine Kennzahlen erhöhen.

Für Konzernchef Rolf Buch war es ein erfolgreiches Jahr: Vonovia konnte auch dank gestiegener Mieten seine Kennzahlen erhöhen.

Foto: Marcel Kusch/ dpa

"2021 war das erfolgreichste Jahr unserer Unternehmensgeschichte", bilanzierte Rolf Buch (56), Vorstandsvorsitzender des Immobilienkonzerns Vonovia, am Freitag. Auch im laufenden Jahr erwarte Vonovia für zentrale Kennzahlen ein Wachstum "von mehr als 20 Prozent". Der Gewinn aus dem operativen Geschäft solle in einer Bandbreite von rund 2,0 bis 2,1 Milliarden Euro liegen. Mittelfristig soll er weiter steigen.

Buch zeigte sich zugleich erschüttert über den Krieg in der Ukraine. Die in der Folge des russischen Einmarsches steigenden Kosten für Heizung und warmes Wasser belasteten allerdings auch die hiesigen Mieter: "Die horrenden Energiepreise vergrößern das soziale Ungleichgewicht in Deutschland." Die Folgen des Preissprungs würden sich im kommenden Jahr in den Nebenkosten-Abrechnungen für 2022 zeigen. Rund zwei Drittel der Vonovia-Wohnungen würden mit Gas beheizt.

Für die Vermieter seien Heizkosten ein "Durchlaufposten", doch für die Mieter sei dies anders. Der Heizanteil an den Nebenkostenabrechnungen liege bei rund 30 Prozent. "Die Preissteigerungen für viele Haushalte werden nicht ohne weitere staatliche Unterstützung tragbar sein", sagte Buch. Vonovia sei aber auch selbst bereit, Lösungen mit einzelnen Mietern zu finden, die die Kosten nicht stemmen könnten. Bei den 2023 fälligen Nebenkostenabrechnungen für das Jahr 2022 rechnet er sonst mit einer "Riesenproblemflutwelle".

Die Entwicklung der Energiepreise unterstreiche zudem die Notwendigkeit einer energetischen Sanierung und des Ausbaus erneuerbarer Energien, betonte Buch. Es bedürfe auch einer "völlig neuen Kraftanstrengung", um neuen Wohnraum für Wohnungssuchende und Flüchtlinge aus der Ukraine zu schaffen. Schätzungen zu Folge würden nun rund 500.000 neue Wohnungen gebraucht.

"Massiv an Stärke gewonnen"

2021 konnte Vonovia auch dank gestiegener Mieten seine Kennzahlen erhöhen. So legte der Group FFO deutlich von 1,3 auf 1,67 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,66 Euro je Aktie erhalten – dies entspreche einer Erhöhung von acht Cent, wenn die durch die Kapitalerhöhung deutlich gestiegene Anzahl der Aktien auch für die Dividende des Vorjahres berücksichtigt werde. Vonovia hatte die Deutsche Wohnen im vergangenen Jahr geschluckt. Ende 2021 zählten inklusive des Zukaufs mehr als 565.000 Mietwohnungen zum Portfolio der Bochumer. "Wir haben durch den Zusammenschluss massiv an Stärke gewonnen", sagte Buch.

Vonovia hatte für Deutsche-Wohnen-Aktien rund 17 Milliarden Euro ausgegeben – rund acht Milliarden Euro davon wurden durch eine Kapitalerhöhung refinanziert. Zudem verkauft Vonovia im Zuge der Übernahme auch Wohnungen, etwa in Berlin. "Der Verschuldungsgrad LTV liege unter Berücksichtigung des Verkaufs des Berliner Portfolios bei 44 Prozent – und damit im Zielkorridor von 40 bis 45 Prozent", sagte Finanzchef Philip Grosse (51).

Vonovia-Chef Buch geht nun die weitere Integration des Zukaufs an, Anfang 2023 soll sie abgeschlossen werden. Buch hat dabei viele Erfahrung – ist Vonovia doch durch Übernahmen groß geworden. Der Übernahmehunger der Bochumer scheint mit dem Milliarden-Zukauf zumindest für dieses Jahr gestillt. Übernahmen stünden 2022 "nicht oben auf der Agenda", betonte Buch. Dabei hat Vonovia bereits beim weit kleineren Konkurrenten Adler Group den Fuß in der Tür. Der Branchenprimus hatte sich mit der Übernahme eines Aktienpakets von 20,5 Prozent den Zugriff auf den kriselnden Wettbewerber gesichert. Über das weitere Vorgehen sei aber noch keine Entscheidung gefallen, betonte Buch.

hr/DPA, Reuters