IfW-Studie Grippewelle könnte Volkswirtschaft mehr als 40 Milliarden Euro kosten

Ende des Jahres droht die Zahl der Atemwegsinfektionen drastisch zu steigen. Hält die Grippewelle noch lange an, prognostiziert das Kieler Wirtschaftsinstitut IfW Kosten in Milliardenhöhe.
Wegen Überlastung: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht sich dafür aus, Patienten früher aus Kliniken zu entlassen

Wegen Überlastung: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht sich dafür aus, Patienten früher aus Kliniken zu entlassen

Foto: MICHELE TANTUSSI / REUTERS

Die derzeitige schwere Influenza-Welle könnte bei langer Dauer nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hierzulande bis zu 40 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Kosten verursachen. "Allein durch den krankheitsbedingten Arbeitsausfall könnte der deutschen Volkswirtschaft ein Verlust in der Bruttowertschöpfung von mehr als 30 Milliarden Euro und bei einem sehr ungünstigen Verlauf sogar von mehr als 40 Milliarden Euro entstehen", zitierte die "Welt am Sonntag" aus den Berechnungen.

Wie hoch die Kosten aufgrund des Arbeitsausfalls tatsächlich ausfallen, hänge maßgeblich von der Dauer der Influenza-Welle ab. In einem pessimistischen Szenario rechnet das Institut dem Bericht zufolge mit einer Dauer bis in die dritte Aprilwoche 2023 und einem bis dahin weiter um 50 Prozent höheren Krankheitsniveau als in der letzten schweren Grippewelle im Winter 2017/18.

In diesem Szenario wären bis zu 650.000 Grippefälle zu befürchten. Das Bruttonationaleinkommen könnte bei Eintritt dieses Szenarios um mehr als 40 Milliarden Euro zurückgehen, berichtete die Zeitung aus den Berechnungen des IfW.

Neun Millionen Deutsche an Atemwegsinfekt erkrankt

In der zurückliegenden Woche waren in Deutschland rund neun Millionen Menschen insgesamt an einem akuten Atemwegsinfekt erkrankt. Zuletzt wurden die meisten akuten Atemwegsinfekten, die zu einem Arztbesuch führten, von Influenzaviren (55 Prozent) und von Humanen Respiratorischen Synzytial-Viren (RSV, 15 Prozent) ausgelöst.

Das Coronavirus fanden Experten nur in fünf Prozent der entsprechend untersuchten Proben, wie aus dem Covid-19-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstagabend hervorgeht. Dennoch werden seit Anfang Dezember auch steigende Coronainzidenzen registriert.

Angesichts der Häufung von Infektionskrankheiten und zugleich dünner personeller Besetzung warnen Krankenkassen und Gesundheitsexperten vor einer Überlastung der Krankenhäuser über die Feiertage. "Ärzte und Pflegekräfte sind am Limit. Erst Corona, jetzt Grippe und RSV gleichzeitig", sagte die Chefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann (55), der "Bild"-Zeitung am Samstag. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) sprach sich dafür aus, Patientinnen und Patienten früher zu entlassen.

Der Statistiker Christian Hesse (62) äußerte die Befürchtung, dass es über Weihnachten in diesem Jahr zu besonders vielen neuen Infektionen kommen werde. "Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Festtage, wo bundesweit viele Menschen in Innenräumen zum Feiern zusammenkommen, zu einem Superspreader-Ereignis für die RSV-Zahlen werden", sagte der Wissenschaftler der Universität Stuttgart der "Augsburger Allgemeinen".

mje/ AFP
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