Auch Hotels fragen mehr Kredit nach Gastronomen geht in der Krise das Geld aus

Die Kreditnachfrage von Unternehmen in der Corona-Krise steigt - besonders bei Gastronomen, Hotels und Reisefirmen. Doch zeigen sich Banken zugleich zugeknöpfter, berichtet das Ifo-Instituts.
Ein Gastronom in Hannover macht auf die drastischen Umsatzeinbrüche in der Krise aufmerksam. Staat, Städte und Gemeinden stützen die Branche allerdings massiv. Sei es, dass die Firmen die Differenz zum geringeren Mehrwertsteuersatz einbehalten oder im Sommer ihre Öffnungszeiten ausdehnen und die Stellfläche für Tische vergrößern dürfen

Ein Gastronom in Hannover macht auf die drastischen Umsatzeinbrüche in der Krise aufmerksam. Staat, Städte und Gemeinden stützen die Branche allerdings massiv. Sei es, dass die Firmen die Differenz zum geringeren Mehrwertsteuersatz einbehalten oder im Sommer ihre Öffnungszeiten ausdehnen und die Stellfläche für Tische vergrößern dürfen

Foto: Hauke-Christian Dittrich/ dpa

Die deutschen Unternehmen bitten Banken in der Corona-Krise offenbar öfter um Kredit, stoßen aber auf zurückhaltendere Institute. In einer Ifo-Umfrage gab gut ein Drittel (34,4 Prozent) der Firmen an, im zweiten Vierteljahr Kreditverhandlungen mit Banken geführt zu haben, teilte das Münchener Institut am Montag mit. Das liegt nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert, der im ersten Quartal 2017 registriert wurde.

Anfang 2020 waren es noch 29,3 Prozent gewesen. Inzwischen zeigen sich die Kreditgeber vorsichtiger. "Von denen, die verhandelten, berichteten 19,4 Prozent von einem eher zurückhaltenden Verhalten der Banken", ergänzte Klaus Wohlrabe, Leiter der Befragungen beim Ifo-Institut. "Dies ist der Höchststand seit 2017."

In der Gastronomie gaben 68,7 Prozent der Betriebe an, Kreditverhandlungen geführt zu haben. Bei Hotels (60,7 Prozent) und in der Reisebranche (50,7 Prozent) waren es ebenfalls überdurchschnittlich viele Unternehmen. Im Einzelhandel wurde mit 37,6 Prozent ein Rekord für die Branche erreicht. Gleiches gilt für die Industrie mit 34,6 Prozent und den Großhandel mit 31,1 Prozent.

Hingegen berichteten in der Baubranche unterdurchschnittlich viele Unternehmen von laufenden Kreditverhandlungen (23,8 Prozent). "Der Bau ist auch geringer von der Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen worden", erläuterte Wohlrabe.

Über eine Zurückhaltung der Banken klagten vor allem Industriebetriebe: Hier lag der Anteil mit 22,1 Prozent über dem Durchschnitt von 19,4 Prozent. Besonders stark war demnach der Anstieg der Kredithürde im Bauhauptgewerbe: Von einem sehr niedrigen Niveau von 6,6 Prozent im ersten Quartal hat sich der Anteil der Klagen zuletzt mehr als verdoppelt und liegt nun bei 17,4 Prozent.

Deutsche Kreditinstitute aber genauso ausländische Banken haben in der Corona-Krise ihre Risikovorsorge für faule Kredite zuletzt deutlich erhöht - die Institute rechnen ganz offensichtlich mit einer höheren Ausfallquote.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal infolge der Corona-Krise im Rekordtempo von 10,1 Prozent geschrumpft. Ökonomen rechnen für die Sommermonate wieder mit einem Wachstum. Allerdings dürfte es bis mindestens Ende 2021 dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, sagen die meisten Experten. 

rei/dpa
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