Frühindikator Ifo-Index fällt nach zwei Anstiegen wieder

Die Sorge vor einer Rezession in Deutschland ist auch in den Unternehmensetagen angekommen. Besonders Chemieunternehmen wie BASF sind betroffen. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ist unerwartet deutlich gefallen.
Leidet unter der Gaskrise: Chemieunternehmen wie BASF (im Bild Vorständin Melanie Maas-Brunner) sind besonders abhängig von Gasimporten

Leidet unter der Gaskrise: Chemieunternehmen wie BASF (im Bild Vorständin Melanie Maas-Brunner) sind besonders abhängig von Gasimporten

Foto: Andreas Pohlmann

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni nach zwei Anstiegen in Folge wieder eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel unerwartet deutlich um 0,7 auf 92,3 Punkte, wie das Münchener Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Ökonomen hatten nur einen Mini-Rückgang auf 92,9 Punkte erwartet.

"Steigende Energiepreise und die drohende Gasknappheit bereiten der deutschen Wirtschaft große Sorgen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest (53). Am Donnerstag hatte die Bundesregierung die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Grund ist eine starke Verringerung der Gaslieferungen durch Russland. Ökonomen warnen vor erheblichen Folgen für die deutsche Wirtschaft, sollten die russischen Gaslieferungen komplett ausfallen.

Die befragten Führungskräfte aus 9000 Unternehmen äußerten sich zu ihrer Geschäftslage und zu den Aussichten jeweils skeptischer als zuletzt. Vor allem im Handel und in der Industrie hat sich die Stimmung merklich eingetrübt. "Insbesondere die chemische Industrie ist höchst beunruhigt", sagte Fuest mit Blick auf die Gasversorgung, auf die diese Branche besonders angewiesen ist. Auch Groß- und Einzelhändler blickten "äußerst sorgenvoll" auf die kommenden Monate. Am Bau und bei den Dienstleistern hat sich die Stimmung dagegen aufgehellt, bei letzteren vor allem wegen der Corona-Lockerungen. "Besonders das Gastgewerbe setzt auf einen guten Sommer", sagte Ifo-Experte Wohlrabe.

Immer mehr Frühindikatoren trüben sich ein

Der russische Einmarsch in die Ukraine sorgt für steigende Rohstoffpreise, zunehmende Lieferengpässe und erhöhte Unsicherheit bei Firmen und Verbrauchern. Das Ifo-Institut hat daher, wie viele andere Wirtschaftsforschungsinstitute auch, wegen der angespannten Lage bereits seine Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr gesenkt – und zwar von 3,1 auf 2,5 Prozent. Im kommenden Jahr soll sich das Wachstum dann auf 3,7 Prozent beschleunigen.

Allerdings befürchten Ökonomen bei ausbleibenden russischen Gaslieferungen eine schwere Rezession im Winter. "Die Lage auf dem Gasmarkt ist bedrohlich", sagte der Regierungsberater und Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Jens Südekum. "Es drohen dann eine Rationierung des Gasbezugs und damit Produktionsstopps in der Industrie. Eine schwere Rezession könnte die Folge sein."

Zuletzt haben sich immer mehr Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft eingetrübt. So sind beispielsweise die Einkaufsmanagerindizes in Deutschland und Europa gesunken. Zudem erreichten die Erzeugerpreise den sechsten Monat in Folge ein Rekordhoch. Zugleich hat die Industrie wegen der gestörten Lieferketten ein enormes Auftragspolster angehäuft und die hiesige Autobranche musste ihre Wachstumsprognosen deutlich senken.

mg/Reuters, dpa-afx
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