Ifo-Präsident Fuest "Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen"

In den Chefetagen deutscher Unternehmen lässt der Pessimismus merklich nach – der Ifo-Geschäftsklimaindex ist überraschend gestiegen. Zudem hat das Münchener Ifo-Institut den Wert für den Vormonat revidiert: Schon im Oktober ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer wieder gestiegen.
"Der Pessimismus lässt nach": Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest schätzen die Unternehmen die Erwartungen an künftige Geschäfte wieder besser ein

"Der Pessimismus lässt nach": Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest schätzen die Unternehmen die Erwartungen an künftige Geschäfte wieder besser ein

Foto: Sven Simon / IMAGO

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November unerwartet deutlich verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg zum Vormonat um 1,8 Punkte auf 86,3 Zähler, wie das Ifo-Institut am Donnerstag in München mitteilte. Außerdem wurde der Indexwert für den Vormonat nach oben revidiert. Demnach war das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer bereits im Oktober erstmals seit Mai wieder gestiegen.

"Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen zwar weniger zufrieden, aber der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate ließ merklich nach", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest (54). Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen als viele erwartet haben.

Ökonomen hatten im November mit einer besseren Unternehmensstimmung gerechnet, waren aber nur von einem Indexwert von 85,0 Punkten ausgegangen. In den vergangenen Monaten hatten eine hohe Inflation und Probleme mit Lieferketten  den Stimmungsindikator belastet, der auf einer Umfrage unter rund 9000 Unternehmen basiert.

Die befragten Unternehmen haben die aktuelle Geschäftslage im November etwas schlechter beschrieben als im Monat zuvor. Ausschlaggebend für das insgesamt bessere Geschäftsklima waren die Erwartungen an die künftigen Geschäfte, die deutlich besser eingeschätzt wurden. Der entsprechende Indexwertwert stieg auf 80,0 Punkte, nach 75,9 Zähler im Monat zuvor.

Stimmung im verarbeitenden Gewerbe und bei den Dienstleistern besonders gut

Wie das Ifo-Institut weiter mitteilte, hat sich die Stimmung in allen Bereichen der deutschen Wirtschaft verbessert. Demnach stiegen die Indexwerte für das Bauhauptgewerbe und den Handel, während sie für das verarbeitende Gewerbe und den Bereich Dienstleistungen "merklich" zulegten.

"Die Rezession verliert ihren Schrecken", kommentierte Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank die Umfrageergebnisse. Seiner Einschätzung nach geht die Unsicherheit über die Energieversorgung und damit die Sorgen um die Produktionsbedingungen in den kommenden Monaten zurück. "Die Rezession mag mild bleiben, die langfristigen Herausforderungen für die deutschen Unternehmen sind es nicht", sagte Kater.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, verwies auf das Entlastungspaket der Bundesregierung und darauf, dass das Risiko einer Gasrationierung deutlich gesunken sei. "Ich erwarte unverändert eine Rezession, mehr denn je aber keinen wirtschaftlichen Kollaps", sagte Krämer.

Deutschland steht laut der Bundesbank zwar eine Winter-Rezession ins Haus. Doch eine Gasmangellage könne wahrscheinlich vermieden werden. Und aktuelle Umfragedaten des Finanzdienstleisters S&P Global lassen darauf schließen, dass sich die Talfahrt der Wirtschaft wegen nachlassenden Preisdrucks im November bereits abgeschwächt hat. Im Sommerquartal war die Wirtschaft angesichts der Aufhebung vieler Corona-Maßnahmen noch gewachsen: Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,3 Prozent zu.

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