Ifo-Analyse Auftragsstau in der Industrie erreicht Rekordniveau

Zahlreichen Unternehmen fehlen wegen des Ukraine-Kriegs wichtige Vorprodukte und Rohstoffe. Die deutsche Industrie hat inzwischen einen Rekordwert unerledigter Aufträge angehäuft. Allein die Autoindustrie braucht noch Monate, um diesen abzuarbeiten.
Besonders groß ist der Auftragsstau in der Autoindustrie: Hersteller und Zulieferer könnten ohne einen einzigen neuen Auftrag noch 7,4 Monate produzieren

Besonders groß ist der Auftragsstau in der Autoindustrie: Hersteller und Zulieferer könnten ohne einen einzigen neuen Auftrag noch 7,4 Monate produzieren

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Die unterbrochenen Lieferketten belasten seit Monaten zahlreiche Unternehmen: Die deutsche Industrie sitzt einer Umfrage zufolge auf einem rekordhohen Auftragsberg. Auch ohne einen einzigen neuen Auftrag könnte sie noch 4,5 Monate weiter produzieren, wie aus der am Montag veröffentlichten Auswertung der Ifo-Unternehmensumfrage vom April hervorgeht. Bei der vorherigen Umfrage im Januar waren es 4,4 Monate. Zum Vergleich: Im langjährigen Durchschnitt liegt die Auftragsreichweite bei 2,9 Monaten.

"Der Zuwachs an Reichweite ist jetzt nur noch gering", sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. "Das deutet darauf hin, dass sich der Eingang an neuen Aufträgen allmählich abschwächt."

Auch das Statistische Bundesamt hatte zuletzt einen Rekordwert bei der Reichweite gemessen. "Der Auftragsstau spiegelt nicht nur die hohe Nachfrage nach deutschen Industriewaren in den vergangenen Monaten wider, sondern auch die Schwierigkeiten der Unternehmen, die bestehenden Aufträge aufgrund des Mangels an wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen zeitnah abzuarbeiten", erklärte Wollmershäuser. Wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine klagte etwa die Autobranche über einen Mangel an Kabelbäumen.

Besonders in Autoindustrie stauen sich unerledigte Aufträge

Falls sich die Lieferengpässe in den kommenden Monaten auflösen würden, könnte die Produktion in der deutschen Industrie durchstarten. "Das würde dann die Wirtschaftsleistung kräftig anschieben", sagte Konjunkturexperte Wollmershäuser. "Allerdings spricht derzeit vieles eher für eine Verschärfung der Lieferengpässe, vor allem als Folge der rigorosen Lockdowns in China, von wo Deutschland zuletzt 15 Prozent seiner importierten Vorprodukte bezog." Dort stauen sich etwa vor dem riesigen Handelshafen Shanghai die Containerschiffe, nachdem die Metropole in einen wochenlangen Corona-Lockdown geschickt wurde.

Besonders groß ist die Auftragsreichweite in der Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) mit 7,4 Monaten. Auch im Maschinenbau (6,5 Monate) und bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten (6,3 Monate) ist sie den Ifo-Zahlen zufolge besonders groß. Am kürzesten reichen demnach die Aufträge der Textil-Hersteller mit 1,7 Monaten.

dri/Reuters
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