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Interview "Ich liebe den Wettkampf"

Torhüter Oliver Kahn über die Erfolgsfaktoren einer Profikarriere.
aus manager magazin 6/2008

Wie kommt ein Fußballprofi dazu, ein Buch über Motivation zu schreiben?

Kahn: Ich bin ein Mensch, der sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzt. Im Laufe meiner 20-jährigen Karriere als Spitzensportler habe ich sehr viele Erfahrungen im Umgang mit Erfolg und Misserfolg gesammelt. Diese Mechanismen in einem Buch zusammenzufassen war schon immer ein Traum von mir.

Was können Manager von einem Sportler lernen?

Kahn: Ich habe versucht, meine Erfolgsprinzipien aus dem Sport auf eine neutrale Ebene zu transportieren. Die Anforderungen an einen Spitzensportler und an einen Manager sind ja im Prinzip sehr ähnlich. Es geht um Authentizität, Zielerreichung, Selbstmotivation und Durchhaltevermögen.

Kann man sich diese Eigenschaften und Fähigkeiten allein durch hartes Training aneignen?

Kahn: Ja, aber unter einer Voraussetzung: Man muss den unbedingten Willen haben, an der Spitze mitzuspielen. Davon darf man sich auch nicht abbringen lassen, wenn es einmal eine Zeit lang nicht so gut läuft.

Wer oben bleiben will, braucht die Fähigkeit, Niederlagen wegzustecken, wieder aufzustehen und am großen Ziel festzuhalten. Meine Schlüsselbotschaft ist, immer weiterzumachen - egal, was passiert.

Den Willen aufzusteigen haben viele. Wie setzt man sich gegen Wettbewerber durch?

Kahn: Ich hatte es immer mit starken Konkurrenten zu tun. Durchgesetzt habe ich mich, weil ich immer so lange an meinen Schwächen gearbeitet habe, bis diese reduziert oder sogar ausgemerzt waren. Ich glaube nicht, dass sich dieser Karrierefaktor im Sport groß von der Wirtschaft unterscheidet.

Welchen Rat geben Sie angehenden Managern?

Kahn: Sich zunächst ein großes Ziel zu setzen, das man unbedingt erreichen will. Den Weg dorthin muss man sich in kleine machbare Zwischenschritte zerlegen. In meinem Fall: Profi werden und in der Bundesliga spielen, Nummer eins bei meinem ersten Verein, dem Karlsruher SC werden, international spielen, Deutscher Meister werden, Torwart der Nationalelf werden und schließlich als Fernziel der beste Tor-hüter der Welt werden.

Wie treibt man sich als vielfacher Millionär an, wenn Geld nicht mehr die entscheidende Rolle spielt?

Kahn: Geld motiviert mich nicht, weil Geld ein extrinsischer Faktor und somit zeitlich begrenzt ist. Motivation sollte immer aus einem selbst kommen. Mein Antrieb war nie Geld, sondern der Spaß, die Leidenschaft, das nächste Spiel zu gewinnen, weil ich den Wettkampf liebe. Wenn die äußere Anerkennung wichtiger wird als der innere Antrieb, wird es gefährlich. Genau hierfür sind unter anderem auch Coaches sehr wichtig, weil sie einen auf solche Entwicklungen aufmerksam machen können.

Ihr Abschied vom Spitzensport ist ein harter Schnitt, den auch jeder Topmanager am Ende seiner Karriere bewältigen muss. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Kahn: Schon vor etwa eineinhalb Jahren fing ich an, mich intensiv mit den möglichen Problemen zu befassen, etwa mit der Leere und der Langeweile, die dann entstehen kann. Und ich habe viele Gespräche mit meinem Management und meinem Coach geführt. Viele Aussagen aus meinem Buch über Persönlichkeit, Motivation und Selbstmanagement sind aus diesem permanenten Coachingprozess hervorgegangen. u

Mehr über Oliver Kahns Motivationsphilosophie sowie eine Analyse des WM-Erfolgs von Jürgen Klinsmann finden Sie im aktuellen Harvard Businessmanager.

Das Interview führte mm-Redakteur Claus G. Schmalholz.

mm-Bewertung:

Erkenntniswert: nnnn

Stil: nnnn

Nutzwert: nnnn

Oliver Kahn: "Ich. Erfolg kommt von innen"; Riva, 352 Seiten, 24,90 Euro.

Mehr über Oliver Kahns Motivationsphilosophie sowie eine Analyse des WM-Erfolgs von Jürgen Klinsmann finden Sie im aktuellen Harvard Businessmanager. Das Interview führte mm-Redakteur Claus G. Schmalholz.

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