Robustes Corona-Quartal IBM toppt dank Cloud-Sparte Erwartungen

Die Corona-Krise mit ihren Millionen Heimarbeitern spielt IBM zu. "Big Blue" profitierte auch vom steigenden Zwang der Firmen, sich digital neu aufzustellen - ein dicker Auftrag kam dabei von Daimler.
"Big Blue" mal ganz in rot: Der IT-Konzern IBM hat im zweiten Quartal besser abgeschnitten als erwartet

"Big Blue" mal ganz in rot: Der IT-Konzern IBM hat im zweiten Quartal besser abgeschnitten als erwartet

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Der Computer-Dino IBM muss in der Corona-Krise zwar deutliche Abstriche machen, schlägt sich aber dank eines florierenden Cloud-Geschäfts besser als erwartet. Im zweiten Quartal ging der Umsatz im Jahresvergleich um 5,4 Prozent auf 18,1 Milliarden Dollar zurück, teilte der Konzern am Montag nach Börsenschluss in den USA mit. Der Nettogewinn brach um 46 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar ein.

Trotz der starken Einbußen übertraf IBM die Prognose der Wall-Street-Analysten bei Umsatz und Gewinn deutlich. Dies lag einmal mehr an starken Zuwächsen in der Cloud-Sparte mit IT-Diensten und Speicherplatz im Internet. Hier legten die Erlöse um fast 30 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar zu.

IBM schwächelt schon lange im traditionellen Hardware-Kerngeschäft mit Servern und Großrechnern, verbucht aber starkes Wachstum in neuen Geschäftsfeldern wie den Cloud-Diensten, Datenanalyse oder Künstlicher Intelligenz. Diese Segmente sind in den vergangenen Jahren des 109 Jahre alten Unternehmens zu einer tragenden Säule geworden.

Anleger zeigten sich nachbörslich überzeugt von den Geschäftsdaten: Die Aktie von IBM  kletterte nachbörslich zunächst um mehr als 5 Prozent.

IBM ist eines der ersten großen US-Technologieunternehmen, das seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegt. Der Chiphersteller Intel berichtet im Laufe dieser Woche, Amazon, Apple, die Google-Mutter Alphabet und Facebook berichten dann in der kommenden Woche über das Geschäft im zweiten Jahresviertel.

Nach Einschätzung des "Wall Street Journal"  (WSJ) hat sich der US-Technologiesektor in der Coronavirus-Krise als widerstandsfähig erwiesen, da immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten und Computerhardware, Software und Internetdienste nutzen. Zugleich aber würden die Technologie-Riesen wie Facebook oder Google rückläufige Werbeerlöse oder wie Apple eben eine geringere Nachfrage nach Smartphones zu spüren bekommen.

Zwang zur digitalen Transformation spielt IBM zu

IBM selbst sieht Chancen inmitten der Krise, wenn Kunden ihre digitalen Transformationen beschleunigen, sagte Konzernchef Arvind Krishna (58) während einer Telefonkonferenz mit Analysten laut "WSJ". Doch gleichzeitig "spüren wir die Auswirkungen der Sparmaßnahmen, die Unternehmen eingeführt haben, um ihre Liquidität und Kapital zu erhalten", betonte Krishna. Den Worten von Finanzchef James Kavanaugh (52) zufolge befinde sich IBM aber dank seiner globalen Präsenz und eines Kundenstamms mit "vielen widerstandsfähigen Unternehmen" in einer "stabilen Position".

Die stark gewachsenen Erlöse im Cloud-Geschäft kommen nicht von ungefähr: So konnte IBM trotz der Pandemie in den vergangenen Monaten die Sparte durch neue Verträge mit dem Autobauer Daimler  oder dem indischen Telekom-Unternehmen Bharti Airtel stärke. Dabei böten sich IBM laut Konznerchef Krishna immer mehr Gelegenheiten für große und transformatorische Projekte.

IBM hat sich zum Ziel gesetzt, führender Anbieter von Cloud-Computing zu werden, liegt aber hinter Wettbewerber wie Amazon und Microsoft. Dem Bericht des "WSJ" zufolge will IBM vor allem bei der Einführung der so genannten Hybrid-Cloud eine marktführende Position erreichen. In diesem Fall lassen die Kunden einen Teil ihrer Rechenarbeit in großen externen Rechenzentren durchführen, unterhalten aber zugleich eine eigene digitale Infrastruktur.

IBM wächst im Cloud-Geschäft aber nicht nur organisch: Im Juli hatte der in Armonk ansässige Konzern die im Oktober 2018 noch unter der damaligen Chefin Ginni Rometty (62) eingefädelte Übernahme des Open-Source-Softwareunternehmens Red Hat für 34 Milliarden Dollar abgeschlossen, um eben seine Position im Cloud-Computing zu stärken. Die Umsätze von Red Hat stiegen laut IBM im vergangenen Quartal um 17 Prozent. Bilanzrechtlich dürfe IBM Red Hat noch nicht voll konsolidieren.

rei