Rote Zahlen 2020 Hugo Boss mit Jahresverlust - Aktie knickt ein

Der Modehersteller Hugo ist im Corona-Jahr 2020 in die roten Zahlen gerutscht. Auf den neuen Chef Daniel Grieder warten zahlreiche Aufgaben.
Gegen den Wind: Hugo Boss bleibt in schwerer See

Gegen den Wind: Hugo Boss bleibt in schwerer See

Foto: A0200 epa Pa Chris Ison/ dpa

Der Modekonzern Hugo Boss ist wegen der Corona-Pandemie 2020 in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen verbuchte unter dem Strich einen Verlust von 219 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 205 Millionen ein Jahr zuvor. Zwar will Finanzchef und Vorstandssprecher Yves Müller die Corona-Delle möglichst schnell hinter sich lassen und setzt dabei auf Online-Handel wie auf den Trend zu lässigerer Kleidung. Eine konkrete Prognose für 2021 blieb der Manager jedoch schuldig. Aktionäre quittierten das mit Verkäufen: Die im MDax notierte Aktie verlor am Donnerstag zeitweise rund 7 Prozent an Wert und gehörte zu den größten Verlierern im Index.

Die Lage bleibe für die gesamte Modebranche schwierig, hieß es am Markt. Die Jahreszahlen von Hugo Boss seien aber noch schlechter ausgefallen als die mancher Wettbewerber. Auf den neuen Chef und Hoffnungsträger Daniel Grieder, der am 1. Juni sein Amt antritt, warten eine Menge Aufgaben: Er muss sich nicht nur um die Neuausrichtung des Modeherstellers kümmern, sondern auch Querelen im Aufsichtsrat und den Streit mit den Gesellschaftern aushalten.

Laut Baader Bank-Experte Volker Bosse ruhen die Hoffnungen auf dem zweiten Halbjahr. Zunächst bleibe der Ausblick für das Gesamtjahr angesichts der Unsicherheiten um die Corona-Entwicklung aber vorsichtig. Das erste Quartal stehe jedenfalls noch ganz im Zeichen der Pandemie.

Deutlicher Umsatzanstieg erwartet

Hugo Boss geht für das laufende Jahr von einem deutlichen Umsatzanstieg aus, wie das Unternehmen in Metzingen mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebit) sowie das Konzernergebnis sollen deutlich zulegen. "Konkreter können wir nicht werden", sagte Müller in einer Telefonkonferenz. Dies liege auch daran, dass es nur eine geringe Planbarkeit für den Handel in Deutschland gebe. Er wolle dabei keine Politikschelte betreiben, so Müller. Allerdings fehlten immer noch konkrete Öffnungsperspektiven. Dafür setze sich Hugo Boss ein, sagte der Manager.

Weniger Anzüge, mehr lässigere Mode

Der Trend zur "Casualisierung" bei der Bekleidung werde sich laut Müller fortsetzten. Hugo Boss will daher das Geschäft rund um lässigere und sportlichere Mode ausbauen. Der klassische Anzug, mit dem viele Hugo Boss in Verbindung bringen, macht dabei inzwischen weniger als ein Fünftel des Umsatzes aus. Die Pandemie beschleunigt dabei die Entwicklung - nicht nur durch Homeoffice, sondern auch durch den Wegfall festlicher Anlässe wie zum Beispiel Hochzeiten. Im wichtigen US-Markt beispielsweise, in dem Hugo Boss derzeit noch stark mit den Klassikern vertreten ist, will Müller nun die Produktpalette umstellen, um dort das Geschäft anzukurbeln. Dabei verspricht er sich viel von der neuen Kooperation mit der US-Basketball-Liga NBA.

Auch das vergleichsweise kleine Onlinegeschäft soll weiter ausgebaut werden. Im laufenden Jahr soll die Umsatzmarke von 300 Millionen Euro geknackt werden, für 2022 hat Müller einen Anstieg auf 400 Millionen in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen mit rund 220 Millionen Euro den Anteil am Gesamtumsatz auf 11 Prozent steigern und damit mehr als verdoppeln.

Einsparungen begrenzen Jahresverlust 2020

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel bei Hugo Boss ein Verlust von 236 Millionen Euro an nach einem Plus von 344 Millionen 2019. Dabei konnten Einsparungen die Auswirkungen etwas begrenzen. So investierte das Unternehmen etwa deutlich weniger als geplant, die Lagerbestände wurden begrenzt. Der Umsatz sank um ein Drittel auf 1,95 Milliarden Euro. Im Schnitt seien im vergangenen Jahr 20 Prozent des globalen Ladennetzes geschlossen gewesen, bilanzierte Müller. Dazu belastete der nahezu weggebrochene Tourismus, der etwa im US-Geschäft für das Unternehmen von Bedeutung ist.

Im vierten Quartal blieb das Geschäft wegen der anhaltenden Beeinträchtigungen durch die Pandemie weiter spürbar hinter dem Vorjahr zurück. Vor allem der erneute Lockdown in Europa lastete auf der Entwicklung. Positiv zeigte sich dagegen das Geschäft im wichtigen chinesischen Markt im vierten Quartal - hier verbuchte Hugo Boss zweistellige Wachstumsraten. Die Umsätze sanken konzernweit jedoch im vierten Quartal um knapp 30 Prozent. Beim Ebit erzielte Hugo Boss dabei dank der Einsparungen mit 13 Millionen Euro einen positiven Wert. Für 2020 will das Unternehmen wegen der anhaltenden Unsicherheiten seinen Aktionären wie im Vorjahr nur die gesetzliche Mindestdividende von 0,04 Euro zahlen.

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