US-Sanktionen und Russland-Krise Huawei-Chef warnt vor Zusammenbruch seines Konzerns

Ein internes Memo des Chefs des chinesischen Technologiekonzerns Huawei verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Ren Zhengfei befürchtet ein "schmerzhaftes Jahrzehnt". Ungewohnt ist laut Experten, wie drastisch er warnt.
Huawei-CEO Ren Zhengfei (hier beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2020): Gründer und Chef in Panik?

Huawei-CEO Ren Zhengfei (hier beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2020): Gründer und Chef in Panik?

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Offiziell war es als Brief an die eigenen Mitarbeiter gedacht – aber angesichts von insgesamt rund 200.000 Huawei-Beschäftigten musste der Chef des chinesischen Konzerns davon ausgehen, dass seine Aussagen auch eine breitere chinesische Öffentlichkeit erreichen würden. Ren Zhengfeis (77) Worte haben dort jedenfalls für Erschütterung gesorgt. Laut einem Bericht des britischen "Guardian"  verbreiteten sie sich in rasender Geschwindigkeit auf sozialen Medien in China – und wurden von mehr als 100 Millionen Nutzern gelesen, geteilt und diskutiert.

Das lag nicht nur am Inhalt des Memos, sondern auch am Ton, den der Konzernchef anschlug. In – für chinesische Verhältnisse – drastischen Worten warnt Ren darin vor einer möglichen schweren Krise seines Unternehmens. Huawei müsse "allzu optimistische Erwartungen für die Zukunft zurückschrauben und bis 2023 oder sogar 2025 das Überleben zur wichtigsten Leitlinie machen".

Ein Zeichen der Schwäche Chinas?

Um die wirtschaftliche Existenz der Firma zu sichern, werde sich Huawei nicht länger auf Cashflow und Expansion konzentrieren, sondern stattdessen auf kurzfristige Gewinne. Ren deutete auch weitere Entlassungen und Verkäufe von Unternehmensteilen an. "Die Abkühlung wird für alle spürbar sein", zitieren zahlreiche Medien aus der Mitteilung. Als Ursachen nennt Ren die Verwerfungen durch die Corona-Pandemie, die "anhaltende Blockade" der USA gegen einige chinesische Unternehmen und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges.

Huawei stand zuletzt im Zentrum des Konflikts zwischen den USA und China: Washington und einige seiner Verbündeten hatten Huawei aus Furcht um die nationale Sicherheit den Zugang zu ihren Märkten und lukrativen Staatsaufträgen verwehrt. In der Folge hat der Konzern für die ersten drei Monate des Jahres 2022 einen erheblichen Rückgang der Umsätze um 14 Prozent verzeichnet. Auch der Gewinn sank deutlich.

Die Warnungen des Huawei-Chefs hätten auch deshalb so hohe Wellen geschlagen, weil "er klang, als ob er in Panik wäre", zitiert der "Guardian" den Analysten Linghao Bao. Steve Tsang, China-Experte von der University of London, wertet die Aussagen als Hinweis, "dass die chinesische Wirtschaft im weiteren Sinne verwundbar ist".

beb
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